Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Wie kann ich als Bäuerin dazu beitragen, dass unser Familienbetrieb die nächsten Jahre überlebt?

Ausgabe Nummer 43 (2015)

Kürzlich hat mich mein Mann gefragt, ob wir angesichts des sinkenden Zuckerpreises auch in Zukunft noch Zuckerrüben anbauen sollen. Diesen Entscheid müsse ich ihm überlassen, schliesslich sei er der gelernte Landwirt, habe ich ihm etwas lapidar geantwortet. Damit habe ich gemeint, dass er der Fachmann ist, wenn es um Anbau- und Ernteverfahren, Sortenwahl, Pflanzenschutz, Optimierungsmöglichkeiten und Alternativen geht.
Dennoch war meine Antwort weder richtig noch fair und kam zu vorschnell daher, wo ich doch weiss, dass die Zuckerrüben unsere Königskultur sind. Zudem habe ich damit eine Diskussion abgewürgt. Denn mitreden und mitentscheiden kann ich sehr wohl, vor allem wenn es um abnehmende Deckungsbeiträge, sinkendes landwirtschaftliches Einkommen, Investitionen oder ausserlandwirtschaftlichen Nebenerwerb geht. Davon bin ich schliesslich direkt betroffen.
Wieso habe ich mich dann vor genau dieser Diskussion gedrückt, wo diese in Gang zu halten doch auch meine Aufgabe als Teil eines Unternehmerpaares wäre? Ist es, weil ich das Gefühl habe, von der Agrarpolitik und deren Auswirkungen immer noch zu wenig zu verstehen und deshalb den Entscheid lieber meinem Mann überlassen würde?
Natürlich könnte ich, um besser Bescheid zu wissen, alle Fachzeitschriften von vorne bis hinten lesen, landauf landab an Informationsveranstaltungen, Weiterbildungskursen oder gar Demonstrationen teilnehmen. Da fast alle Gremien der Agrarwirtschaft den Mangel an Frauen in Vorständen beklagen, würde ich wohl mit Handkuss aufgenommen, sollte ich mein Interesse bekunden. Ja, was hindert mich denn? Frei verfügbare Zeit. Und mir geht es wie vielen anderen Bäuerinnen auch. Sie erfüllen mit viel Herzblut ihre Aufgaben in Heim und Hof, bilden sich in ihrem Fachgebiet weiter, damit der Haushalt optimiert werden kann und die Konfitüre im Hofladen richtig deklariert ist. Sie nehmen mit den Kindern Termine wahr, für die der Landwirt wegen schönem Wetter, Geburt im Stall oder Melken nicht abkömmlich ist. Vielleicht gehen sie auch noch einem Nebenerwerb nach, weil das landwirtschaftliche Einkommen zwar zum Leben noch reicht, nicht aber, um die dringend notwendigen Investitionen zu tätigen.
Gerade weil meine Zeit knapp ist und all die obigen Alternativen für mich im Moment keine sind, schätze ich es, wenn eine geballte Ladung an Wissen über die Agrarpolitik und deren Auswirkungen gratis und franko an mich herangetragen wird. Am Bäuerinnenforum werde ich erfahren, was ich wissen und können muss, um die Herausforderungen zu meistern, die auf uns Bauernfamilien in der nächsten Zeit zukommen werden. Dieses Wissen wird mir helfen, meinem Mann eine Stütze zu sein bei schwierigen Entscheidungen, auch denjenigen, die letztendlich er zu fällen hat, weil eben er der Landwirt aus Leidenschaft ist. Nebst dem Referat von Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband und Nationalrat, mit anschliessender Fragerunde, soll an diesem Abend die Diskussion unter den Bäuerinnen nicht zu kurz kommen. Auch dieser Gedankenaustausch hilft mir zu erfahren, wie ich als Bäuerin dazu beitragen kann, damit unser Familienbetrieb die nächsten Jahre überlebt.


Andrea Heimberg Müller,
Kommission Frauen in der Landwirtschaft




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