Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. September 2018


Wie sieht eine optimierte Stallbodengestaltung aus?

Ausgabe Nummer 36 (2017)

Laufflächen und Entmistungstechnik sind vielerorts in die Jahre gekommen. Häufig verursacht dies mangelnde Trittsicherheit und Sauberkeit sowie Schäden an den Klauen. Ob für die Sanierung oder den Neubau, gefragt sind Lösungen, welche die heutigen Ansprüche der Tiergerechtheit und der Emissionsminderung bestmöglich erfüllen.

Die Laufflächen müssen heute in Milchviehställen vielfältigen Anforderungen genügen: Unter anderem sind möglichst optimale Voraussetzungen für eine gute Klauengesundheit und Trittsicherheit sowie geringe Emissionen gefordert. Auch Laufflächen altern; je nach Ausführungsart und -qualität kann sich dies erheblich auf das Fortbewegungsverhalten und die Klauengesundheit auswirken. Dieser Beitrag soll aufzeigen, was bei der Sanierung zu beachten ist. Weiter gibt er ausgehend von neuen Erkenntnissen Hinweise zur Ausführung und Reinigung von Laufflächen.

Laufflächen frühzeitig sanieren
Die nutzungsbedingte Alterung der Laufflächen und daraus folgende Effekte auf die Tiere verlaufen schleichend. Umso wichtiger ist es, frühzeitig zu reagieren. Glatte Laufflächen wirken sich negativ auf das Fortbewegungs-, Körperpflege- und Brunstverhalten aus. Gehäuftes Auftreten von mechanisch traumatischen Befunden oder zu hoher Klauenabrieb weisen auf schadhafte Stellen in den Oberflächen hin. So gilt es Ausbrechungen, Absätze, scharfe Kanten, zu grosse Spaltweiten sowie zu raue Oberflächen zu finden und diese rasch zu sanieren.
Zur Verbesserung der Rutschfestigkeit eignet sich für Beton- und Betonspaltenböden eine gezielte Kombination von Aufrauen und Rillieren. Ziel ist es, möglichst ganzflächig wieder eine ausreichende Rauheit zu erhalten. Es sind Verfahren zu wählen, die das Betongefüge und bei Spaltenböden auch die Kanten nicht beeinträchtigen. Stimmen die baulich-technischen Voraussetzungen, eignen sich Gummibeläge zur Sanierung von planbefestigten und perforierten Böden. Sie drängen sich insbesondere für intensiv genutzte Bereiche wie Fressplätze, Querungen, Tränken sowie Zu- und Abtrieb des Melkstandes auf.

Häufiges Abschieben für saubere Klauen und bessere Hygiene
Saubere Oberflächen senken die Keimvermehrung und halten den Feuchtigkeitsgehalt von Hornschuh und umgebender Haut niedrig. Die Sauberkeit leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Hygiene. Insbesondere auf planbefestigten Flächen besteht vielerorts Verbesserungspotenzial: Statt drei bis vier Mal pro Tag müsste der Schieber bei Stallhaltung über den Tag mindestens alle zwei Stunden und somit automatisiert laufen. Der Einbau von erhöhtem Fressbereich mit Abtrennungen (Fressständen) ermöglicht häufiges Entmisten, ohne die Tiere beim Fressen zu stören. Auch die Quergänge sind täglich mehrmals zu reinigen, denn hier baut sich die Verschmutzung ebenso auf und Erreger werden verschleppt. Beim Einsatz von Entmistungsschiebern ereignen sich immer wieder Unfälle mit Personen und Tieren. Daher gilt es, verletzungsträchtige Anlageteile und Quetschstellen zu vermeiden respektive zu sichern. Der Einsatz von Entmistungsrobotern ermöglicht es, die verschiedenen Stallbereiche mit unterschiedlichen Routen individuell zu reinigen. Die Routenprogrammierung ist eine wichtige Voraussetzung für die Sicherheit der Tiere und den störungsfreien Betrieb.

Was ist für neue Laufflächen zu beachten?
Bei der Anordnung gilt es, Sackgassen zu vermeiden und eine ausreichende Anzahl Quergänge sicherzustellen. Dies erleichtert den Tieren – auch rangniedrigen – das Wechseln von Stallbereichen, und es ergeben sich die erforderlichen Ausweichräume während der Entmistungsvorgänge.

Emissionen mindern – aber wie?
Insbesondere die permanent verschmutzten Flächen verursachen Emissionen. Deshalb gilt es, diese mit einem geeigneten Baukonzept aber auch mit betrieblichen Massnahmen gering zu halten. Dies lässt sich durchaus auch unter Berücksichtigung der bereits genannten Tiergerechtheitskriterien umsetzen. Rasches Abfliessen des Harns von den Laufflächen vermindert die Entstehung und Freisetzung von Ammoniak (NH3). Erste Ergebnisse aus Untersuchungen von Agroscope im Praxismassstab zeigten für planbefestigte Laufflächen mit 3 % Quergefälle und Harnsammelrinne eine NH3-Minderung von rund 20 % gegenüber der Referenz ohne Gefälle. Saubere und somit häufig abgeschobene Flächen bilden eine wichtige Voraussetzung für das Abfliessen des Harns. In der warmen Jahreszeit entstehen auf Laufflächen vielerorts Schmierschichten. Dies kann vermehrtes Ausrutschen der Tiere verursachen. Erste Untersuchungen von Agroscope dazu zeigen nun, dass eine optimierte Abstimmung der Schieberwerkzeuge auf den Boden, häufiges Abschieben sowie bei Bedarf gezieltes Befeuchten der Laufflächen deutliche Verbesserungen bringen. Die Stossrichtung, durch gezielte Massnahmen möglichst saubere Laufflächen zu erhalten, dient letztlich sowohl der Tiergerechtheit als auch der Minderung von Emissionen.


Beat Steiner
Agroscope, 8356 Ettenhausen
E-Mail: beat.steiner@agroscope.admin.ch










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