Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
17. Mai 2019


Wildtiere beim Mähen schützen

Ausgabe Nummer 19 (2019)

Jedes Jahr sterben viele Jungtiere. Das muss nicht sein! Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit wenig Aufwand viel zum Schutz und Überleben der Wildtiere beitragen können. Der Schutz der Tiere ist im Interesse der Landwirtschaft und gesetzlich vorgeschrieben.

Die Rehe und das Verhalten der Kitze
Das Reh ist ein Bewohner der halboffenen Landschaft und des Waldrandes. Im Mai und Juni ist Setzzeit bei den Rehen. Die Rehgeissen setzen in der Regel zwei Kitze, vorwiegend in waldnahe Wiesen. Die kleinen Tiere wiegen bei der Geburt gerade mal 500 bis 1000 Gramm und sind dank ihres gefleckten Fells bestens getarnt. In den ersten drei bis vier Wochen ducken sich die Kitze bei Gefahr tief ins Gras ,damit sie von oben nicht wahrgenommen werden können. Sie haben zudem praktisch keinen Eigengeruch. Der Fluchtreflex kommt erst nach ein paar Wochen, bis dahin ist die Strategie der Jungtiere ganz auf verstecken ausgerichtet. Viele Rehkitze werden jährlich beim Mähen getötet, dazu kommen unzählige andere, kleinere Tiere wie Junghasen, Jungfüchse, bodenbrütende Vögel, aber auch Katzen.

Die Massnahmen vor dem Mähen
Beobachten, Verblenden und Verwittern
Um Rehkitze zu retten, braucht es eine gute Koordination von Landwirten und Jägern. Die Jagdgesellschaften sind dankbar, wenn sie spätestens einen Tag vor dem Mähtermin Nachricht bekommen. Nur wenn die Landwirte den Mähtermin rechtzeitig melden, können Massnahmen ergriffen werden.

Beobachten der traditionellen Setzplätze
Die Landwirte und Jäger wissen meistens, wo Rehe ihre Territorien haben, und können durch beobachten schon ahnen, wo Kitze gesetzt wurden.

Verblenden am Vorabend
Mittels Tüchern, Säcken, Folien, Baustellen-Warnblinker, Ballonen usw. Die Verblendung darf nur kurze Zeit stehen bleiben (eine Nacht), denn die Wildtiere gewöhnen sich sehr rasch an diese Form der Störung. Im näheren Umkreis der Verblendung nach Kitzen suchen! Eine Rehgeiss würde eventuell ein Kitz wegen der Nähe zur Störung in der Nacht nicht abholen.

Für Landwirte: Anmähen am Vorabend, Mäher stehenlassen.

Für Jäger: Mit Rehlocker testen, ob eine Rehgeiss Kitze in der Wiese abgelegt hat. Verwittern mit geruchsintensiven Stoffen, Feld mit angeleintem Hund durchstreifen.

Gefundene Kitze an einen sicheren, nicht zu weit entfernten Ort bringen.
Wird ein Kitz gefunden, so ist in der Regel mit einem zweiten in der unmittelbaren Nähe zu rechnen. Gefundene Kitze sollte man nicht mit blossen Händen berühren, damit die Rehgeiss das Kitz wieder bedingungslos annimmt. Weggetragene Kitze laufen gerne zurück an ihren Setzplatz, unter einem sauberen Harass kann man sie am Davonlaufen hindern.

Das Risiko durch vermähte Tiere im Tierfutter
Wie wir aus den letzten Jahren wissen, vergiften sich die Nutztiere an toten Tieren im Futter. Botulismus- Bakterien bilden sich und töten nach grossem Leiden oft ganze Bestände an Kühen, Schafen und Ziegen. Schützen Sie sich und Ihre Tiere, in dem Sie das Vermähen der Wildtiere verhindern.

Sie erhalten kostenlose Unterstützung bei Ihrer lokalen Jagdgesellschaft
Melden Sie sich einfach beim zuständigen Jagdaufseher oder beim Obmann.

Der schonende Mähvorgang
Das richtige Vorgehen beim Mähen kann bereits Leben retten
1. Anmähen der Wiese am Vorabend versetzt die Rehgeiss in
    Alarmbereitschaft.
2. Kitzretter / Kettengirlande neben Mähbalken befestigen.
3. Sie durchkämmen den nächsten Mähstreifen und veranlassen
    dadurch einen Teil der Kitze zur Flucht.
4. Mahd von innen nach aussen oder von einer Seite zur anderen,
    hin zum Wald, weg von der Strasse, damit Tiere fliehen können.
5. Frühmorgendliches oder abendliches Mähen schont die wichtigen
    Insekten massgebend.
6. Eine Schnitthöhe von mindestens 7 cm einhalten, besser sind 10
    bis 12 cm.
7. Zur Schonung von Bodenbrütern oder Hasengelegen.
8. Ungemähte oder alternierend gemähte Randstreifen als
    Rückzugsorte stehen lassen.


Jagd Thurgau
















« zurück zur Übersicht