Ausgabe Nummer 4 (2008)

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Wildtiere im Thurgau

Wenn auch im Thurgau wie anderswo die Artenvielfalt bei den Wildtieren in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen ist, gibt es bei uns auf Grund unserer ländlichen Strukturen doch noch eine recht grosse Anzahl davon. Von A wie Amsel über B wie Biber bis Z wie Zaunkönig tummelt sich eine Vielzahl von Zwei- und Vierbeinern, Säugetieren und Vögeln, in der Luft, in Feld und Wald. Nur ein geringer Teil davon darf aber bejagt werden.

Das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdgesetz) bestimmt abschliessend, welche Tiere jagdbar sind. Die Kantone können diese Liste nur einschränken und die Schonzeiten verlängern. So ist beispielsweise der Kolkrabe, unser grösster Rabenvogel, gemäss Bundesgesetz jagdbar, im Kanton Thurgau geniesst er dagegen ganzjährigen Schutz. Insgesamt dürfen gut 30 verschiedene Arten bejagt werden, im Thurgau sind fünf davon geschützt. Es sind dies neben dem Kolkraben auch die Gämse ? Sonderabschüsse sind möglich ? Edelmarder, Rebhühner und Waldschnepfen.

Die einen verschwinden, andere kommen
Obschon unser Kanton noch recht ländlich geprägt ist, mussten doch eine ganze Reihe von Wildtieren ? sogenannte Kulturflüchter ? dem Siedlungsdruck und der Verarmung unserer Kulturlandschaft weichen. So gab es vor gut 50 Jahren im Thurgau noch Rehhühner und den Wiedehopf sowie zahlreiche Eulenarten. Rebhühner gibt es heute keine mehr und Schleiereulen nur noch wenige. Auch bei den Greifvögeln kam es in den letzten Jahrzehnten zu grossen Bestandesschwankungen. Heute sind alle geschützt, sogar Selbsthilfemassnahmen von Brieftauben- und Kleintierzüchtern sind richtigerweise nicht erlaubt, sodass sich die Bestände an Bussarden, Milanen, Falken, Habichten und Sperbern erfreulich erholt haben.
Es gibt aber auch Neuzuzüger. Wer hätte vor zwanzig Jahren geglaubt, dass der Thurgau wieder einmal stark von Bibern besiedelt wird. Heute verursacht diese geschützte Tierart durch ihre Grabarbeiten entlang von Ufern sowie das Anlegen von Dämmen bereits da und dort Probleme. Oder die Wildschweine: wurde 1970 ein einziges Wildschwein geschossen, so werden es dieses Jahr deutlich über vierhundert sein. Weitere Neuankömmlinge ? nicht alle sind willkommen, da sie zur Verfälschung unserer Fauna beitragen können ? sind auch Waschbären und Rostgänse. Daneben wird aber auch versucht, ehemals heimische Wildtiere bei uns wieder anzusiedeln. So wurden schon zweimal im Hinterthurgau Luchse ausgesetzt. Einer davon machte sich danach nach Norden auf und lebte mehrere Wochen im Gebiet des Immenberg, östlich von Frauenfeld. Zurzeit ist der Thurgau aber wieder luchsfrei, denn alle ausgesetzten Tiere leben heute im Grossraum Toggenburg zwischen Tössstock und St. Galler Rheintal. Offenbar ist die Thurgauer Luft nicht so luchsbekömmlich.

Rehe, Füchse und Krähen
Wie die Abgangsstatistik der Jagdverwaltung über die verschiedenen Wildtiere zeigt, laufen oder fliegen im Thurgau vor allem Rehe, Füchse und Krähen den Jägern vor die Flinte oder sie sterben an den Folgen einer Krankheit, werden durch Hunde gerissen und kommen im Strassenverkehr sowie durch landwirtschaftliche Maschinen um. Daraus kann man durchaus folgern, dass diese Wildarten im Thurgau auch am häufigsten sind. Manch wildschweingeplagter Landwirt mag das zwar auf Grund umgepflügter Wiesen und zerstörter Maisfelder anders sehen, die Jagdstatistik spricht aber eine deutliche Sprache: je nach dem, ob das Vorjahr für das Schwarzwild günstig war oder nicht ? ein milder Winter, viele Eicheln und Buchecker erhöhen die Vermehrungsrate massiv ? schwankt auch dessen Bestand und damit der Abschuss sehr stark, mit Abweichungen nach oben von über 100 Prozent von einem Jahr zum anderen. Ganz anders beim Rehwild, wo sich der Bestand in den letzten zwei Jahrzehnten recht stabil gezeigt hat.
Zum Schluss sei noch auf zwei jagdliche «Exoten» im Thurgau verwiesen. Dass es im Hinterthurgau Gämsen geben könnte, mag noch durchaus einleuchten. Dass aber bei Berlingen seit Jahrzehnten eine Kolonie von Gämsen beheimatet ist, wissen wohl die wenigsten. Immerhin konnten im Jahr 2006 zur Bestandesregulierung und mit Sonderbewilligung total sieben Gämsen erlegt werden. Und dazu im Hinterthurgau noch zwei Stück Rotwild.

Martin Ebner, Jagd Thurgau

Abgangstatistik Jagdjahr 2006/07

Tierart Jagdstrecke Krankheit usw. Total
Reh 2001 737 2738
Füchse 1555 686 2241
Rabenvögel 853 853
Wasservögel 499 4 503
Dachse 198 186 384
Wildschweine 210 51 261
Steinmarder 45 68 113
Tauben 90 90
Hasen 54 21 75
Biber/Iltis geschützt 12/4 12/4


(Quelle: Jagdverwaltung Thurgau)


Luchsfreilassung im Hinterthurgau im 2007 (Bild: Andreas Ryser, KORA)
Luchsfreilassung im Hinterthurgau im 2007 (Bild: Andreas Ryser, KORA)