Ausgabe Nummer 33 (2004)

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Wintergetreidesorten für die Ernte 2005

Neue Schweizer Weizensorten Arolla und Zinal sind verfügbar
 
Wintergetreidesorten für die Ernte 2005
 
Kaum ist der letzte Getreidehalm geerntet, ist bereits die Ernte 2005 zu planen. Neben den Überlegungen zu den Absatzmöglichkeiten im kommenden Jahr ist es wichtig, die richtige Getreidesorte auszuwählen. Die Forschungsanstalten bieten mit den jährlich erscheinenden Sortenempfehlungen eine wertvolle Hilfe für die Auswahl. Neben dem Ertrag sind auch Standortanforderungen und Krankheitsresistenzen ein wichtiges Auswahlkriterium.
 
Die Getreideernte 2005 beginnt jetzt mit der richtigen Sortenwahl.
 
Die Liste der von der Branchenorganisation empfohlenen Winterweizen umfasst dieses Jahr 19 Sorten, darunter die sechs Neueintragungen Ludwig, Rigi, Levendis, Vergas, Muveran und Ornicar. In der Klasse TOP wurde Tamaro zurückgezogen. Nach wie vor sehr geschätzt ist die Sorte Runal, dies vor allem wegen ihrer ausgezeichneten Backqualität. Allerdings sollte Runal nicht in feuchten Lagen angebaut werden, da sie nur über eine mittlere Auswuchsresistenz verfügt. Die Sorte Segor hat einmal mehr ihre ausgezeichnete Backqualität mit sehr hohen Proteingehalten und einer sehr hohen Volumenausbeutung bestätigt. Zu erwähnen bleiben jedoch einige Ausfälle von Segor im
Winter 2002/2003 infolge mangelhafter Winterfestigkeit.
In der Klasse I ergänzt die österreichische Sorte Ludwig das bestehende Sortiment mit Arina, Arolla und Zinal. Ludwig zeichnet sich innerhalb der Klasse-I-Sorten durch einen sehr hohen Körnerertrag und eine gute Backqualität aus. Obwohl die Pflanzen von Ludwig sehr lang werden, hat die Sorte in den unter Extenso-Bedingungen durchgeführten Versuchen eine gute Standfestigkeit bewiesen. Ludwig besitzt auch gute Resistenzen gegen Braunrost und gegen Ähren-Fusarium.

Neue Schweizer Sorten
Im Herbst 2004 sollte erstmals genügend Saatgut der beiden schweizerischen Züchtungen Arolla und Zinal verfügbar sein. Zinal hat sich als produktiv und frühreif erwiesen, mit guter Resistenz gegen Rostkrankheiten und gegen Lagerung. Arolla zeichnet sich aus durch sehr hohe Proteingehalte sowie durch eine gute Resistenz gegen Gelbrost und gegen Lagerung. Bei beiden Sorten deuten die hohen Zelenywerte auf eine gute Proteinqualität hin. Aufgrund einzelner Qualitätsparameter wie Gluten-Index und Brotvolumen erzielte Arolla eine noch leicht höhere Qualitätspunktzahl als Arina und Zinal.
Im Klasse-II-Sortiment wurde Asketis wegen fehlendem Interesse seitens der Produktion durch die beiden Sorten Rigi und Levendis ersetzt. Rigi ist eine kurzhalmige Schweizer Züchtung mit guten Krankheitsresistenzen und guter Standfestigkeit. Levendis, eine eher langstrohige Sorte aus Deutschland, ist sehr produktiv, aber etwas weniger standfest als Rigi. Sie verfügt ebenfalls über sehr gute Krankheitsresistenzen. Levis hat wiederum ihre bessere Backqualität gegenüber den andern Sorten der Klasse II bestätigt. Die Sorte Galaxie, die vor allem wegen ihrer besonderen Frühreife geschätzt wird, scheint vermehrt krankheitsanfällig zu werden.
Die Kategorie Biskuitweizen enthält neben Arbola die zwei neuen Sorten Ornicar und Muveran, die sich durch höhere Erträge und bessere Qualitätseigenschaften als Arbola auszeichnen. Arbola zeigt auch zunehmende Anfälligkeiten für Krankheiten, und oft erreicht sie fast zu hohe Proteingehalte im Hinblick auf ihre Verwendung im Biskuitsegment des Typs «petit beurre». In dieser Hinsicht zeigt Muveran, eine Schweizer Züchtung, ein ideales Qualitätsprofil: ein um fast zwei Prozentpunkte tieferer Proteingehalt als Arbola, weiches Korn, niedriger Zelenywert, hohe Wasseraufnahmekapazität des Mehles sowie schwache Knetresistenz und eine sehr hohe Dehnbarkeit des Teiges. Die aus Frankreich stammende Sorte Ornicar muss anders als Muveran eingesetzt werden. Sie weist höhere Zelenywerte und eine markant schlechtere Dehnbarkeit des Teiges als die klassischen Biskuitweizen auf.

Roggen und Dinkel
Als Folge der Streichung von Oktavian enthält die Liste der empfohlenen Sorten für Winterroggen nur noch die beiden Sorten Matador und Picasso. Da keine neuen Roggensorten zur Prüfung angemeldet sind, werden die Versuche vorläufig ausgesetzt. Bei Bedarf werden sie wieder aufgenommen.
Die Technische Kommission Brotgetreide von swiss granum hat die Aufnahme von Ostar, Hubel und Alkor in die Liste der empfohlenen Dinkelsorten beschlossen. Damit umfasst sie gesamthaft fünf Sorten. Gleichzeitig hat die Technische Kommission beschlossen, die Sorten klar nach ihrem Kreuzungstyp zu unterscheiden und sie den beiden Typen A (reine Dinkelsorten) und B (Dinkel/Weizen-Kreuzungssorten) zuzuordnen. Zur Erinnerung sei erwähnt, dass sich mit Sorten des Typs A bessere Marktpreise realisieren lassen. Ostar (Typ A) ist eine Sorte, die durch Mutation aus der Sorte Ostro hervorgegangen ist. Die Vorteile gegenüber Ostro betreffen die geringere Pflanzenlänge, eine deutlich verbesserte Standfestigkeit sowie Verbesserungen der Resistenz gegen Mehltau, Gelb- und Braunrost. Nachteile gegenüber Ostro sind in der schwächeren Resistenz gegen Septoria nodorum (Blatt und Ähre) sowie in den geringeren Werten für Proteingehalt und Hektolitergewicht zu sehen.
Hubel und Alkor gehören dem Typ B an und zeichnen sich vor allem durch deutlich höhere Erträge als die A-Sorten aus. Hubel weist zudem mittlere bis gute Resistenzeigenschaften gegen Gelbrost und Septoria nodorum (Ähre) auf, während Alkor vor allem über gute Resistenzeigenschaften gegen Septoria nodorum (Blatt und Ähre) sowie gegen Braunrost verfügt.

Wintergerste
Die Liste der empfohlenenWintergerstensorten umfasst 13 Namen, darunter die drei neu eingetragenen Merlot (sechszeilig), Edda (zweizeilig) und Verticale (zweizeilig). Merlot zeichnet sich speziell im Extenso-Anbau durch ein sehr interessantes Ertragspotenzial aus. Das Hektolitergewicht ist allerdings etwas reduziert, dagegen verfügt Merlot über eine gute Standfestigkeit und über gute Krankheitsresistenzen. Edda und Verticale sind provisorisch in der Liste der empfohlenen Sorten aufgeführt. Unter Extenso-Bedingungen besitzen beide ein höheres Ertragspotenzial als Antonia, Jasmin oder Baretta. Die Standfestigkeit und das Hektolitergewicht sind bei Edda besser als bei Verticale, dagegen ist Verticale resistent gegenüber dem Gelbmosaikvirus. Bei den 6-zeiligen Sorten sind Lyric und Plaisant unter Extenso-Bedingungen den anderen Sorten bezüglich Ertrag zwar unterlegen, sie zeichnen sich aber durch die besten Hektolitergewichte aus. Die zweizeiligen Sorten weisen generell ein schwächeres Ertragsvermögen, dagegen aber mittlere bis gute Hektolitergewichte auf.

Triticale
Die Liste der empfohlenen Triticalesorten umfasst acht Namen, darunter auch die Alternativsorte Trado, die sich zum Anbau als Sommer- und Wintertriticale eignet. Neu wurde die Sorte Triamant in die Liste aufgenommen. Sie zeichnet sich durch ein sehr gutes Ertragspotenzial aus. Ihre Lagerungsresistenz ist zwar etwas schwächer als diejenige von Prader oder Tridel, aber doch etwa gleichwertig wie diejenige von Timbo oder Lamberto. Triamant verfügt über sehr gute Resistenzeigenschaften gegen Mehltau und Braunrost, etwas weniger ausgeprägt gegen Gelbrost und die Septoria-Krankheiten. Auch das Hektolitergewicht erreicht nur mittlere Werte.

Weitere Informationen und die detaillierten Versuchsresultate aus dem Jahr 2003 sind bei der Forschungsanstalt Reckenholz (www.reckenholz.ch) oder bei den Saatgutlieferanten erhältlich.

Agroscope Changins und Reckenholz in Zusammenarbeit mit swiss granum
 
 
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