Ausgabe Nummer 3 (2007)
Winterveranstaltung: Der befreite Bauer ist eine Illusion
Rund 260 Interessierte an der des Thurgauer Bauernverbands
Andreas Binswanger, Präsident Thurgauer Bauernverband (TBV), konnte an der diesjährigen Winterveranstaltung des TBV im Kongresszentrum «Thurgauerhof »,Weinfelden, gegen 260 Bäuerinnen, Bauern und Gäste begrüssen. Unter ihnen: Regierungspräsident Kaspar Schläpfer, Ständerat Philipp Stähelin, Nationalrat Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, Hans Stettler, Chef Amt für Landwirtschaft, Peter Schütz, Präsident Thurgauer Gewerbeverband, Hermann Lei, alt Regierungsrat, und Paul Rutishauser, Ehrenpräsident TBV. In der von Avenir Suisse «süffig» geschriebenen Analyse über die Schweizer Landwirtschaft erteile Avenir Suisse Ratschläge, die weder neu noch lösungsorientiert seien, erklärte Binswanger. Sie stelle ab auf allgemeingültige Lehrplätze der Ökonomie, ohne die Eigenheiten der nationalen und internationalen Agrarwirtschaft mit einzubeziehen. «Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Industrie und der Dienstleistungssektor, wo namentlich auch die Banken dazugehören, versuchen, von ihrer eigenen Inkonsequenz betreffend ihr Verhalten gegenüber der freien Marktwirtschaft abzulenken», sagte Binswanger.
Status quo ist keine Alternative
Auf das Tagungsthema «Vom geknechteten zum befreiten Bauern ? Vision oder Illusion?» gab Direktor Manfred Bötsch, Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), eine klare Antwort. «Der befreite Bauer ist eine Illusion. Die Balance zwischen Markt und Staat ist nötig», bekräftigte Bötsch und stellte fest: «Eine multifunktionale, nachhaltige Landwirtschaft ist Ziel und zugleich Vision der Schweizer Agrarpolitik.» In der Aussenwirtschaftspolitik laufe die Marktöffnung weiter. Dazu sei der Status quo in der Schweizer Landwirtschaft keine Alternative. Deshalb müsse die Zukunft gestaltet und vorbereitet werden. Aus diesem Grund müsse unter anderem ein Agrar-Freihandelsabkommen mit der EU geprüft werden. Die Landwirtschaft brauche wettbewerbsfähige Verarbeiter und Handelspartner, betonte Bötsch.
Direktzahlungssystem überprüfen
Auch das Direktzahlungssystem müsse überprüft werden. «Der Legitimationsdruck bedingt eine Quantifizierung der Ziele», so Bötsch: Auch der Strukturwandel werde weiterlaufen. Somit werde der Bauer als Unternehmer selber über sein Zielsystem entscheiden müssen. Bötsch wies daraufhin, dass dem Leistungsauftrag an die Landwirtschaft, der 1996 in die Bundesverfassung aufgenommen wurde, 76 Prozent der Bevölkerung zugestimmt haben. Die agrarpolitischen Ziele seien nach wie vor aktuell, doch bestehen Differenzen bezüglich der konkreten Leistungserwartung. Hier sei eine sachliche Klärung notwendig.
Zu grosse Produktionskapazität
Bötsch wehrte sich vehement gegen die Kritik an der Versteigung der Fleischkontingente durch den Bund. Nach seinen Ausführungen führen die Fleischimporte weder zu tieferen Schweizer Produzentenpreisen noch zu höheren Handelsmargen. Auch würden nicht wie behauptet Billigprodukte importiert. Als Kostenfaktoren sieht Bötsch vielmehr die zu grosse Schlachtkapazität der Fleischverarbeiter und die Überproduktion, wie beispielsweise beim Schweinefleisch.
Mario Tosato
Ausgiebige Diskussion
In der anschliessenden Diskussion wurden Boden- und Pachtrecht thematisiert. Verschiedene Bauern gaben der Befürchtung Ausdruck, dass immer mehr Familienbetriebe verschwinden. Diskutiert wurde aber auch über Chancen bei der Produktion von Alternativenergie. Die Gemüsebauern forderten bei einem Agrar-Freihandelsabkommen mit der EU «gleich lange Spiesse» wie ihre Berufskollegen in der EU. (tos.)
BLW-Direktor Bötsch sprach einmal mehr Klartext
« Der befreite Bauer ist eine Illusion. Die Balance zwischen Markt und Staat ist nötig», erklärte Manfred Bötsch, Direktor Bundesamt für Landwirtschaft, an der Winterveranstaltung des Thurgauer Bauernverbands. Ziel und Vision der Agrarpolitik müsse eine multifunktionale nachhaltige Landwirtschaft sein.Andreas Binswanger, Präsident Thurgauer Bauernverband (TBV), konnte an der diesjährigen Winterveranstaltung des TBV im Kongresszentrum «Thurgauerhof »,Weinfelden, gegen 260 Bäuerinnen, Bauern und Gäste begrüssen. Unter ihnen: Regierungspräsident Kaspar Schläpfer, Ständerat Philipp Stähelin, Nationalrat Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, Hans Stettler, Chef Amt für Landwirtschaft, Peter Schütz, Präsident Thurgauer Gewerbeverband, Hermann Lei, alt Regierungsrat, und Paul Rutishauser, Ehrenpräsident TBV. In der von Avenir Suisse «süffig» geschriebenen Analyse über die Schweizer Landwirtschaft erteile Avenir Suisse Ratschläge, die weder neu noch lösungsorientiert seien, erklärte Binswanger. Sie stelle ab auf allgemeingültige Lehrplätze der Ökonomie, ohne die Eigenheiten der nationalen und internationalen Agrarwirtschaft mit einzubeziehen. «Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Industrie und der Dienstleistungssektor, wo namentlich auch die Banken dazugehören, versuchen, von ihrer eigenen Inkonsequenz betreffend ihr Verhalten gegenüber der freien Marktwirtschaft abzulenken», sagte Binswanger.
Status quo ist keine Alternative
Auf das Tagungsthema «Vom geknechteten zum befreiten Bauern ? Vision oder Illusion?» gab Direktor Manfred Bötsch, Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), eine klare Antwort. «Der befreite Bauer ist eine Illusion. Die Balance zwischen Markt und Staat ist nötig», bekräftigte Bötsch und stellte fest: «Eine multifunktionale, nachhaltige Landwirtschaft ist Ziel und zugleich Vision der Schweizer Agrarpolitik.» In der Aussenwirtschaftspolitik laufe die Marktöffnung weiter. Dazu sei der Status quo in der Schweizer Landwirtschaft keine Alternative. Deshalb müsse die Zukunft gestaltet und vorbereitet werden. Aus diesem Grund müsse unter anderem ein Agrar-Freihandelsabkommen mit der EU geprüft werden. Die Landwirtschaft brauche wettbewerbsfähige Verarbeiter und Handelspartner, betonte Bötsch.
Direktzahlungssystem überprüfen
Auch das Direktzahlungssystem müsse überprüft werden. «Der Legitimationsdruck bedingt eine Quantifizierung der Ziele», so Bötsch: Auch der Strukturwandel werde weiterlaufen. Somit werde der Bauer als Unternehmer selber über sein Zielsystem entscheiden müssen. Bötsch wies daraufhin, dass dem Leistungsauftrag an die Landwirtschaft, der 1996 in die Bundesverfassung aufgenommen wurde, 76 Prozent der Bevölkerung zugestimmt haben. Die agrarpolitischen Ziele seien nach wie vor aktuell, doch bestehen Differenzen bezüglich der konkreten Leistungserwartung. Hier sei eine sachliche Klärung notwendig.
Zu grosse Produktionskapazität
Bötsch wehrte sich vehement gegen die Kritik an der Versteigung der Fleischkontingente durch den Bund. Nach seinen Ausführungen führen die Fleischimporte weder zu tieferen Schweizer Produzentenpreisen noch zu höheren Handelsmargen. Auch würden nicht wie behauptet Billigprodukte importiert. Als Kostenfaktoren sieht Bötsch vielmehr die zu grosse Schlachtkapazität der Fleischverarbeiter und die Überproduktion, wie beispielsweise beim Schweinefleisch.
Mario Tosato
Ausgiebige Diskussion
In der anschliessenden Diskussion wurden Boden- und Pachtrecht thematisiert. Verschiedene Bauern gaben der Befürchtung Ausdruck, dass immer mehr Familienbetriebe verschwinden. Diskutiert wurde aber auch über Chancen bei der Produktion von Alternativenergie. Die Gemüsebauern forderten bei einem Agrar-Freihandelsabkommen mit der EU «gleich lange Spiesse» wie ihre Berufskollegen in der EU. (tos.)

Alt Regierungsrat Hermann Lei (links) und Paul Rutishauser (rechts), Ehrenpräsident des Thurgauer Bauernverbandes, freuen sich über das Wiedersehen mit BLW-Direktor Manfred Bötsch. (tos)
