Ausgabe Nummer 4 (2009)

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Winterveranstaltung des Thurgauer Bauernverbands in Weinfelden

Agrarfreihandelsabkommen bringt keine Lösung

An der Winterveranstaltung des Thurgauer Bauernverbandes warnte Willy Gehriger, CEO der Fenaco Gruppe, vor naivem Glauben an den Abbau des Grenzschutzes und lehnt ein Freihandelsabkommen Agrar- und Lebensmittelbereich (FHAL) mit der EU ab.

«Vor einem Jahr sahen die Schweizer Produzenten Morgenröte. Die Rohstoffpreise sind nun in kurzer Zeit wieder massiv gesunken und die Milchpreise stehen unter Druck. Die Euphorie ist gewichen», stellte Andreas Binswanger, Präsident des Thurgauer Bauernverbandes (TBV), in seinem Grusswort fest. Er erinnerte daran, dass der TBV bei der Veranstaltung mit Bundesrätin Doris Leuthard im November klar zum Ausdruck gebracht habe, dass der Thurgauer Bauernverband das Agrarfreihandelsabkommen mit der EU ablehne. Der Bundesrätin habe der TBV einen Katalog mit Fragen und Fakten zum Agrarfreihandelsabkommen übergeben und seither nichts mehr gehört.

WTO seit 1999 erfolglos
Trotz momentanen tiefen Produzentenpreisen werden die Preise dank steigendem Konsum und knappen Rohstoffen wieder steigen, ist Willy Gehriger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Fenaco, überzeugt. Allerdings würde die Getreidepreise auch durch Spekulationen beeinflusst. Nach seiner Meinung müsse die WTO die Regeln neu definieren. Seit 1999 sei die WTO erfolglos und habe bis heute keine neuen Verträge zu Stande gebracht. Gehriger mahnt, nicht zu glauben, dass der Grenzschutz total abgebaut werde. Die Erfahrung habe gezeigt, dass bei knappen Lebensmitteln die Grenzen geschlossen worden.

Landwirtschaft verliert jährlich zwei Milliarden Franken
Mit einem Agrarfreihandelsabkommen werde den Schweizer Landwirten mindestens zwei Milliarden Franken pro Jahr fehlen. Gehriger ist überzeugt, dass die Produktionskosten für die Schweizer Landwirtschaft nicht sinken werden. Dazu würden im Billigsegment (Frischfleisch, Aktionen, Gastrokanal) landwirtschaftliche Produkte vermehrt importiert. Ausser bei den Milchprodukten werde die Schweiz Mühe bekunden, die importierte Menge im Export zu kompensieren, da zu wenig Premiumprodukte vorhanden seien. «Zweige der Lebensmittelindustrie, wie beispielsweise die Kartoffelveredelungsfabriken, werden verschwinden», ist Gehriger überzeugt. Mit den Einkommensverlusten bis zu 50 Prozent stehe die Landwirtschaft auf der Verliererseite. Zu den Gewinnern würde einzig der Handel zählen. Wenn sich die Schweizer Landwirtschaft mit der EU messen müsse, dann dürfe dies nur mit gleich langen Spiessen erfolgen. Doch sei eine EU-Mitgliedschaft heute undenkbar. Die Fenaco, die im vergangen Jahr einen Umsatz von rund acht Milliarden Franken erzielte, bezwecke auch in Zukunft, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Schweizer Bauern zu fördern, sagte Gehringer. Das Agrarfreihandelsabkommen Schweiz?EU bewirke aber genau das Gegenteil, deshalb lehne die Fenaco das Agrarfreihandelsabkommen ab. In der abschliessenden Diskussionsrunde wurde die Verunsicherung der Bauern gut sichtbar.

Mario Tosato


Willy Gehringer,Vorsitzender derGeschäftsleitung
Fenaco. (tos)
Willy Gehringer,Vorsitzender derGeschäftsleitung Fenaco. (tos)