Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


"Wir haben Chanchen und Stärken, um Herausforderungen zu bewältigen"

Ausgabe Nummer 47 (2015)

Erstes Thurgauer Junglandwirteforum

Die Junglandwirte Thurgau luden zum ersten Thurgauer Junglandwirte-Forum. Der Gastreferent Markus Ritter ermutigte die jungen Leute, ihre Meinungen einzubringen und aktiv Einfluss zu nehmen auf künftige Entwicklungen.

Andreas Braun, Präsident der «Junglandwirte Thurgau » und Mitglied der «Nationalen Junglandwirtekommission » (JULA) des SBV, war überwältigt und erfreut über die unerwartet grosse Resonanz auf das 1. Junglandwirteforum von Mitte November in der «Wartegg» in Wigoltingen. Es gehe darum, mit solchen Anlässen den Einfluss der jungen Landwirte bei der Entwicklung der Agrarpolitik zu stärken.
Markus Hausammann überbrachte die Grussworte des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft (VTL) und betonte, dass der VTL das Engagement der jungen Leute unterstützt. Die JULA soll nicht eine Parallelorganisation zum VTL werden. Er veranschaulichte, dass man es als Einzelkämpfer, insbesondere in der Landwirtschaft, schwer habe. Im Hinblick auf die Bedeutung einer Partnerschaft, welche die Basis für die erfolgreiche Führung eines eigenen Betriebes bildet, empfahl er der JULA, auch soziale Themen und Zwischenmenschliches mit zu berücksichtigen.
Markus Ritter, Präsident des SBV, thematisierte in seinem Referat eingangs die zahlreichen nationalen und globalen Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft stellen muss. Ernährung sei auch eine nationale Herausforderung, insbesondere im Zusammenhang mit der Veränderung des Selbstversorgungsgrades. Dieser nehme aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl und des Kulturlandverlustes stetig ab.
Er appellierte an Junglandwirtinnen und Junglandwirte, sich mit den Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen und die Märkte zu analysieren, um zu erkennen, wo die Chancen liegen. Markus Ritter betonte, dass nicht die Betriebsgrösse im Vordergrund stehe, sondern eine hohe Wertschöpfung mit den Produkten und der geleisteten Arbeit.

Gemeinsames Engagement nötig
Als Grundlage einer erfolgreichen Betriebsführung bezeichnete er massgeblich die Freude an der Arbeit. Aber auch ein vergleichbares Einkommen bei hoher Lebensqualität sei für den langfristigen Erfolg entscheidend. Es sei wichtig, zu erkennen, dass es Produkte und Bereiche gibt, welche auf den Märkten gut funktionieren. Als Beispiel dafür nannte er die Herstellung des Gruyère, der den Milchproduzenten nach wie vor einen sehr guten Erlös ermögliche.
Er ermutigte die jungen Leute, zeigte Chancen und Stärken auf, um die Herausforderungen zu bewältigen. Als nächste wegweisende Schritte bezeichnete er den starken, geschlossenen Auftritt an der Kundgebung zur Sicherung des Zahlungsrahmens vom 27. November in Bern. Hier sei die Mobilisierung der Jungen gefordert. Gemeinsames Engagement sei ebenfalls nötig, um die Initiative für Ernährungssicherheit bei der Bevölkerung durchzubringen.
Im Anschluss an sein Referat öffnete sich das Forum für Fragen aus den Reihen der Junglandwirte. Dabei interessierte unter anderem, wer ursächlich am Druck auf die Produzentenpreise als mitverantwortlich gilt. Markus Ritter erklärte, dass von der vorhandenen Wertschöpfung immer weniger an die Produzenten zurückfliesst. Und dies, obwohl die Konsumentenpreise bei Lebensmitteln weitgehend stabil sind. Zurzeit gibt es Potenzial, die Produzentenpreise in verschiedenen Bereichen zu erhöhen, ohne die Konsumenten zu belasten.
Von Interesse war in der Fragerunde unter anderem auch, wie der Verbandspräsident das Bewusstsein in den stark globalisierten Märkten für die Bedeutung des Umweltschutzes einstuft.

Aktuelle Ausrichtung der AP in der Kritik
Markus Ritter sagte, er erkenne positive Tendenzen, es herrsche vermehrt Einsicht darüber, dass der Klimawandel mit den steigenden Temperaturen eine Bedrohung darstelle. Zu hoffen sei, dass daraus Lehren gezogen und Taten folgen würden. Inzwischen habe auch China erkannt, dass stetem Wachstum natürliche Grenzen gesetzt sind. In seinem Referat hatte Markus Ritter auch die Landschaftsqualitäts- Projekte erwähnt: In der Diskussion zeigte sich, dass ein Teil der Junglandwirte überzeugt ist, dass hier die beratenden Umweltbüros von den Beiträgen stark mit profitieren. Er sei überzeugt, dass man diese Kritik ernst nehmen müsse und auch in die künftige Diskussion mit einzubeziehen sei.
Stark beschäftigt die Junglandwirte die aktuelle Ausrichtung der AP 2014 bis 2017 und die Befürchtung einer zu starken Ökologisierung. Markus Ritter räumte ein, dass es auch starke Anreize im Talgebiet gebe, welche die Ökologisierung fördern. Dies komme insbesondere zum Tragen, wenn die Produktepreise sinken oder gar auf tiefem Niveau verharren.
Er zog das Fazit, dass es gewisse Kreise gibt, welche eine Spaltung innerhalb der Landwirtschaft bei der politischen Interessenvertretung bewirken wollen. Umso wichtiger sei der geschlossene Auftritt. Dazu biete die Kundgebung am 27. November eine gute Chance.
Abschliessend wurde die Frage laut, was bezüglich des versprochenen Abbaus für den administrativen Aufwand (Stichwort Bürokratie) zu erwarten sei. Markus Ritter sagte, dass dieses Projekt voraussichtlich 2016 umgesetzt werde. Der SBV beobachte es kritisch und stehe für einen wirkungsvollen Abbau der administrativen Belastung ein.


Isabelle Schwander







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