Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


"Wir müssen sparsam mit den Ressourcen umgehen"

Ausgabe Nummer 12 (2016)

Jakob Hug (53) führt mit seiner Familie einen 23 ha grossen Bergbetrieb in der Gemeinde Fischingen. Nach rund 18 Jahren im Vorstand des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft stellt er sein Amt an der kommenden Generalversammlung vom 7. April zur Verfügung.

Er ist mit Leib und Seele Landwirt oder – wie er augenzwinkernd die Neudefinition seines Berufsstandes zitiert – Bundesbeauftragter für nachhaltige Lebensmittelproduktion, Landschaftsgestaltung und Artenförderung. Während seiner landwirtschaftlichen Ausbildung besuchte er parallel Kurse in Waldbau und Forstarbeiten sowie die landwirtschaftliche Handelsschule.
Seit 21 Jahren ist er mit Christine verheiratet, welche in einem Teilpensum als Primarlehrerin arbeitet. Zur Familie gehören auch vier Söhne: Domenic ist 19- jährig und Forstwart EFZ, Christian 18, Andreas 15 und Martin 12 Jahre alt, sind allesamt noch Schüler.

Betrieb im Tannzapfenland
Auf seinem 23 ha grossen Bergbetrieb (Bergzone 1), zwischen 600 und 730 Meter über Meer, betreibt er mit seiner Familie hauptsächlich Milchviehaufzucht (Vertragsproduktion); daneben werden auch Hochstammobstbäume bewirtschaftet.
Der Hof liegt im Tannzapfenland, im Thurgauer Teil des Hörnli-Berglands. «Die abwechslungsreiche Landschaft mit Wiesen, Wäldern, Bäumen, Hecken und Bächen ist auch ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet », erklärt Jakob Hug. So ist auf den rund 2,5 ha extensiven Wiesen auch eine hohe Artenvielfalt anzutreffen. Mit der Mähmaschine wird fast überall gemäht, zusätzlich kommen zur Landschaftspflege Ziegen zum Einsatz.

Alle packen an
Der Ertrag der Naturwiesen wird an die 65 Rinder (umgerechnet ca. 25 Grossvieheinheiten) verfüttert. Im Sommer dürfen rund 30 Rinder jeweils für drei Monate auf eine Alp am Pilatus, wo sie mithelfen, die Flächen zu bewirtschaften. Mitarbeiter hat die Familie Hug übrigens keine. «Bei uns hat jedes Familienmitglied seine Aufgabe im Feld, auf dem Hof und im Haus. Zudem können wir auf gute Nachbarschaftshilfe zählen. Bei der Heuernte werden wir zum Beispiel von Martin Böni unterstützt. Er übernimmt einen grossen Teil der strengen Handarbeit mit Rechen, Gabel und Heubläser und sorgt so für Ordnung am Feldrand und am Steilhang.»

Auf die Ressourcen achtgeben
Im (Berufs-)Alltag achtet die Familie Hug stets auf eine nachhaltige Produktion. «Wir müssen unser Bewusstsein schärfen, was das Verhalten des Menschen mit den noch vorhandenen Ressourcen für Folgen haben wird», sagt er nachdenklich. «Es ist ein Trugschluss zu glauben, wir könnten weiter so verschwenderisch damit umgehen», so Hug. Mit den Ressourcen sorgsam umzugehen bedeutet für ihn aber auch, die Verteilung der Güter fair zu handhaben. «Wir müssen nicht nur Verantwortung dafür übernehmen was wir tun, sondern auch, was wir unterlassen», ist Hug überzeugt.

Leidenschaft Jodeln
Eine grosse Freude bereitet Jakob Hug die Musik. Wenn immer möglich, stimmt er einen Jodel an, sei es während der Arbeit, auf dem Kontrollgang oder Sonntagsspaziergang. Die Klänge eines schönen Naturjodels, verbunden mit einer Bergwanderung und der abschliessenden Einkehr in einer originellen Alpwirtschaft – das öffnet das Herz von Jakob Hug. Weil diese Momente aus Zeitgründen eher rar sind, geniesst er es umso mehr, wenn sie möglich sind.

Austritt aus dem VTL-Vorstand
Er ist kein Mann der grossen Worte. Was er sagt, lebt er auch vor. So geht er mit Mitmenschen stets respektvoll um, nimmt sich Zeit für deren Probleme und sucht gemeinsam nach Lösungen. Da verwundert es nicht, dass er in der Kommission Soziales des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft Einsitz hat. Nebst dem Amt als Vizepräsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft zeigt er sich auch für das Ressort Ländlicher Raum und Gesellschaft verantwortlich. Doch diese Ära nähert sich bald dem Ende: Auf die kommende Generalversammlung hat Jakob Hug seinen Rücktritt bekannt gegeben. «Ich bin jetzt acht Jahre im VTL Vorstand», davor (vor der Umbenennung des Thurgauer Bauernverbandes in VTL), war er rund ein Jahrzehnt im Vorstand des Thurgauer Bauernverbandes. Wieso nun der Rücktritt? «Meiner Meinung nach sollte man aufhören solange es noch Spass macht», so seine bescheidene Antwort.
Auch wenn er keine weiteren öffentlichen Ämter suche, sei er bereit, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. «Vorausgesetzt, ich darf dabei hin und wieder einen Jodel anstimmen», so Hug augenzwinkernd.


Daniel Thür













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