Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Wir werden immer mehr zu "Einzelkämpfern"

Ausgabe Nummer 18 (2016)

Seit 25 Jahren bewirtschaftet VTL-Vorstandsmitglied Ruedi Schnyder (58) zusammen mit seiner Frau Rätia den Pachtbetrieb der Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz in Ellighausen. Nebst viel Arbeit um und auf dem Hof nehmen ihn auch die drei Enkelkinder, welchen er gerne seine Zeit widmet, in Beschlag.

Ruedi Schnyder erinnert sich noch genau wie es war, als er vor rund einem Vierteljahrhundert mit seiner Frau den Betrieb übernahm. Zuerst versorgten sie den Hof, dessen Versuchswesen im Acker- und Futterbau massgebend ist, mit einem Lehrling, später kam der erste Angestellte dazu. Der Betrieb untersteht einer Fruchtfolge mit Ausgleichskulturen und Restflächen. «Als Pächter sind wir demzufolge Lohnunternehmer auf dem eigenen Betrieb, weil wir auch die Versuchsflächen den Vorgaben entsprechend bewirtschaften», so Schnyder. Allein die Tierhaltung umfasst 25 Milchkühe und 35 Mastmunis. Diese verwerten den grössten Teil der Erträge aus dem Futterbauversuch. Die bewirtschafteten Flächen umfassen insgesamt 34 Hektaren.

Ganze Bandbreite miterlebt
«Meine ersten Gehversuche in der Landwirtschaft habe ich in der Pflanzenbaukommission gemacht», so der gebürtige Aargauer. Das war noch die Zeit, in der die integrierte Produktion von sogenannten ‹Pionierbetrieben› ausgewertet wurde». Wer Ruedi Schnyder begegnet, lernt einen positiv eingestellten Menschen kennen, der sich auch für anderes und andere interessiert. So engagierte er sich in der Feuerwehr, war aktiver Fussballer und hatte im Militär eine Kaderfunktion. Vor 18 Jahren übernahm er von Otto Hess das Präsidium der Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten, fast ebenso lange ist er Vorstandsmitglied des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft. «Ich habe in dieser Zeit die ganze Bandbreite von der Einführung der Milchkontingentierung, deren Aufhebung bis zur heutigen Phase der sich immer mehr öffnenden Märkte miterlebt», sagt Ruedi Schnyder rückblickend. «Ich habe mich immer mit dem Blick nach vorne für eine liberale, marktorientierte Landwirtschaft eingesetzt. Dies jedoch nie nach dem Motto ‹mit dem Kopf durch die Wand›, sondern stets unter Einhaltung der politischen Rahmenbedingungen ».

Bauer muss Unternehmer sein
Die letzten Monate waren für ihn denn auch ziemlich turbulent, musste er sich doch zusammen mit dem Vorstand der TMP gegen eine handvoll Kritiker wehren. Nun ist die Sache geregelt, die Wogen sind geglättet. An der denkwürdigen Generalversammlung von Ende März hat er denn auch einen Leitsatz benutzt, der für ihn eine grosse Bedeutung hat. «Öppis guets wird nöd besser, wenn mer anders schlecht macht», lautete seine Strategie. «Das war die Konsequenz daraus, dass wir Landwirte immer mehr zu Einzelkämpfern werden und damit Solidarität und Rücksicht stetig abnehmen», so Schnyder nachdenklich. Trotzdem zeigt er sich optimistisch was den Beruf des Landwirtes betrifft, speziell derjenige der Milchbauern. «Es ist natürlich nichts mehr wie früher, der Bauer muss heute Unternehmer sein, wenn er überleben will. Die Rahmenbedingungen ändern sich laufend, der erfolgreiche Unternehmer schafft es, damit umzugehen».

Sorge um Nachfolger/-innen
Besonders die Berufsorganisationen kämpfen täglich an und zwischen den Fronten für die Anliegen der Landwirtschaft. «Sorgen macht mir, ob wir künftig genügend junge Kolleginnen und Kollegen finden, welche diese Arbeit auf Verbandsebene weiterführen. Denn das ist nicht nur Arbeit, sondern bringt auch grosse Verantwortung mit sich». Aber auch die Entwicklung in der Landwirtschaft bereitet Schnyder Sorgen. «Weil dies schlussendlich auch ein Abbild unserer Gesellschaft ist. Auch hier geht der Gemeinsinn zugunsten von individuellen Wünschen und Ansprüchen, die wir uns vielleicht jetzt noch leisten können, verloren.

Irgendwann im Stöckli daheim
Er selbst möchte irgendwann eine sanfte Landung hinlegen, wenn er seine politischen Ämter abgibt. Danach wird er seine zweite Leidenschaft pflegen; die immer grösser werdende Familie. Mit seinen drei Enkelkindern möchte er viele ausgedehnte Wanderungen unternehmen. So beantwortet er die fast obligate Frage, wo er sich mal in zehn Jahren sieht, augenzwinkernd: «Wir werden gemütlich irgendwo unser Stöckli bezogen haben, und zusammen geniessen wir dann unser Rentnerleben». Nur, wer Ruedi Schnyder kennt, mag wahrscheinlich nicht so recht glauben, dass dann «Ruhe im Stall» ist.


Daniel Thür













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