Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Wirtschaftliche Milchproduktion: Wo steht der Betrieb?

Ausgabe Nummer 45 (2016)

Viele Landwirte gehen ins Ausland wie Irland oder Neuseeland, um sich dort für ihre Milchproduktion inspirieren zu lassen. Welche Daten über die Produktion und Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Milchviehherde zur Verfügung stehen, und wie diese aufbereitet sind, ist in jedem Land unterschiedlich. Die guten Betriebe, die jeweils besucht werden, unterscheiden sich meist darin, dass die Betriebsleiter genau wissen, wo in ihrem Produktionssystem sie den Finger draufhalten müssen. Zudem sind sie mit den Zahlen ihrer Produktion, Herdenmanagement und Finanzen vertraut. In diesem Artikel werden die Kosten in der Milchproduktion genauer beleuchtet. Der nachfolgende Beitrag zeigt, dass es sich lohnt ein Auge auf die Persistenz zu haben.

Ein Kilometer zum Melkroboter laufen ist rentabel
Irland, Vollweide mit Melkroboter: Fasziniert lässt man sich das Weidesystem mit den ABC-Koppeln schildern, wie von selber laufen die Kühe von einer Koppel via dem Melkroboter zur nächsten. Mit für unsere Verhältnisse sehr wenig Arbeitsaufwand werden die Tiere betreut, der Computer des AMS zeigt beeindruckend Tabellen und Grafiken, ergänzt mit den Erläuterungen des Betriebsleiters, welche Massnahmen in den letzten Jahren eine deutliche Verbesserung bewirkt haben. Die Blätter mit der Zusammensetzung der Kosten sind ganz ähnlich, auch wenn die Darstellung etwas anders erfolgt.
In der Schweiz wird die Wirtschaftlichkeit als Deckungsbeitrag oder als Vollkosten dargestellt. Für Betriebsleiter, die mit dem Deckungsbeitrag noch ungeübt sind, bietet sich der SMP Kostenrechner an (Google: SMP Kostenrechner). Die Teilnahme bei den European Dairy Farmers (www.dairyfarmer.ch) gibt einem Betriebsleiter sogar die Möglichkeit, sich international auf Basis Vollkostenrechnung zu vergleichen, mit Einblick in die Produktionssysteme anderer Länder wie Irland.

Fr. 1500.– Direktkosten für 7700 kg Milch
Eine Darstellung der Produktionsdaten und der Kosten geben Hinweise, ob die Managementmassnahmen wirklich gegriffen haben. Analysiert man die Deckungsbeiträge Milch der letzten 5 Jahre (ART Grundlagenbericht; gratis www.grundlagenbericht.ch) so sind die Direktkosten um knapp Fr. 200.– gestiegen, grösstenteils verschuldet durch höhere Kraftfutterkosten. Auch wenn diese auf rund 300 kg mehr Milch verteilt werden, es fliessen rund 20 Rp./kg Milch in die Direktkosten. Nimmt man die Direktkosten der besten und schlechtesten 25 % der Betriebe unter die Lupe, beträgt der Unterschied gerade Fr. 30.–/GVE – und dies bei 1400 kg höherer Milchleistung! In 2015 macht die Differenz bei den Tierarztkosten 1 Rp./kg Milch aus.

Direktkosten in 2017 aufschlüsseln
Ob Vollweide mit Melkroboter oder Halbtagesweide mit Eingrasen – wer nachvollziehen möchte, ob seine Managementmassnahmen wirklich greifen, hat eine bessere und klarere Entscheidungsgrundlage, wenn er die Daten über die Produktion (wie Persistenz) und Wirtschaftlichkeit über mehrere Monate oder Jahre gegenüberstellt und auswertet.
In einigen Fällen werden in der Buchhaltung die gesamten Kosten der Milchvieh- oder gar Tierhaltung noch in einem einzigen Konto «Tieraufwand» zusammengefasst. Die Unterschiede zeigen: Es lohnt sich in jedem Fall, die Direktkosten für das neue Buchhaltungsjahr 2017 aufzuschlüsseln.
Die guten irischen Vollweide-Betriebe mit Melkroboter nutzen gezielt Arbeitskreise und Veranstaltungen, um Fehlern in ihrem Produktionssystem möglichst schnell auf die Schliche zu kommen und anderen so voraus zu sein. Dies macht mit unter die Faszination des irischen Systems aus.


BBZ Arenenberg
Jenifer van der Maas







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