Ausgabe Nummer 37 (2010)

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Wirtschaftlichkeit der Milchviehfütterung überprüfen

Bei den aktuell tiefen Milchpreisen rückt die Kostenoptimierung weiter ins Zentrum. Die Futterkosten sind ein erheblicher Kostenblock (25 bis 40 Rappen pro kg Milch), welcher mindestens zum Teil kurzfristig beeinflusst werden kann. Eine gute Grundfutterleistung dank energiereichen Grundfuttermitteln ist die Voraussetzung für eine kostengünstige Fütterung.

 

Die Futterkosten können im Wesentlichen folgendermassen optimiert werden:
– Den Einsatz günstiger Grundfuttermittel (Weide Fr. 15.– pro dt TS , Eingrasen Fr. 25.–, Maissilage Fr. 30.–, Grassilage Fr. 35.– , Heu Fr. 40.–).
– Eine gute Grundfutterleistung durch einen hohen Grundfutterverzehr, eine sehr gute Futterqualität und einen effi zienten Einsatz des richtigen Kraftfutters.
– Die Einkaufspreise der Ergänzungsfuttermittelpreise (Mengenrabatte, Komponentenwahl).
– Eine effiziente und kostengünstige Futtervorlage.

Die Grundfutterleistung ist immer noch ein sehr aussagekräftiger aber doch einfacher Wert um die Effi zienz des Kraftfuttereinsatzes zu vergleichen. Ein Wert von 6’000 kg pro Kuh gilt über alle Leistungsbereiche als hervorragend. Unter 5’000 kg Milch aus dem Grundfutter ist das System zu hinterfragen. Die Technikerschule vom Strickhof hat den Kraftfuttereinsatz und die Milchleistung auf 37 Silagebetrieben verglichen. Dabei traten enorme Unterschiede im Kraftfutterverbrauch bei ähnlichen Leistungen zu Tage. Wie sind solche Unterschiede möglich und welches sind die Strategien um tolle Grundfutterleistungen zu erreichen? Grundsätzlich gilt, dass möglichst viel Energie über die selbstproduzierten Grundfutter in die Kuh gefüttert werden soll, da die Proteinergänzung viel effi zienter ist und nur halb so viel kostet pro kg Milch wie die Energieergänzung (siehe Kasten). Für Betriebe mit Ganzjahressilagefütterung bedeutet das, dass der Maissilageanteil in der Grundration zu maximieren ist. Das Proteindefi zit kann effi zient ausgeglichen werden. Dieses System funktioniert aber nur, wenn die Tiere auch ein entsprechendes Leistungspotenzial aufweisen und gute Persistenzen erreichen. Ansonsten droht Verfettung am Ende der Laktation. Auf Silagebetrieben mit Weidefütterung im Sommer gilt der Grundsatz: Im Sommer nur so viel Maissilage wie nötig, da in der Sommerfütterung das günstigste Futtermittel – die Weide – nicht unnötig verdrängt werden soll – im Winter so viel wie möglich. Meist fallen auf Weidebetrieben doch gewisse Mengen an Grassilageund Heumengen von der Schnittnutzung der Weiden an, so dass einer Maximierung der Maissilage im Winter gewisse Grenzen gesetzt sind. In der Winterfütterung ist dann wiederum die Proteinergänzung zu beachten.

 

Auf silofreien Betrieben sind Grenzen gesetzt

Bei silofreien Betrieben stellen Heu und Frischgras in der Regel die einzigen selbstproduzierten Grundfuttermittel dar (teilweise kommen noch Frischmais, Maiswürfel, Kartoffeln oder Futterrüben dazu). Einer Maximierung des Energiegehaltes in der Grundration sind Grenzen gesetzt, da über Gras und Heu auch die Faserstoffe und die Strukturbestandteile in die Ration gebracht werden müssen, welche bei zu jungem Schnitt fehlen. Zudem enthält Gras keine Stärke, welche für Leistungen über 30 kg pro Tag in der Regel notwendig ist, um Ketose vorzubeugen und die Energieversorgung sicherzustellen. In der Praxis werden Systeme erfolgreich umgesetzt, welche in Summe maximal eine Tonne Energie und Protein pro Kuh und Jahr zufüttern und damit rund 8000 kg Milch pro Kuh und Jahr erreichen. Auch Systeme mit tieferen Leistungen können wirtschaftlich erfüttert sein, solange eine Grundfutterleistungen von über 5500 kg erreicht wird. Bei höheren Leistungen ist die silofreie Fütterung besonders anspruchsvoll, weil das Heu einen beschränkten Energiegehalt aufweist und die ständig wechselnden Gehalte des Grünfutters für Hochleistungskühe einen besonderen Stress darstellen. Um eine Gleichmässigkeit der Ration und die Verträglichkeit der notwendigen Kraftfuttergaben zu erreichen, werden in der Praxis Heumischrationen erstellt. Hier gilt es, scharf zu kalkulieren, damit nicht der Gewinn der Mehrleistung durch grösseren Arbeitsaufwand und die Mechanisierungskosten weggefressen wird. Erstaunlicherweise erreichen gemäss Auswertungen silofreie Betriebe die höheren Grundfutterleistungen als Silobetriebe!

 

Zugekaufte Grundfuttermittel hinterfragen

Spezielle zugekaufte Grundfuttermittel wie Trockenschnitzel und Ganzpflanzenmaiswürfel sind kritisch zu betrachten. Sie liefern entweder Bestandteile, welche auch mit selbstproduzierten Grundfutter gefüttert werden könnten, wie zum Beispiel Faserstoffe, welche auch im Heu oder im Gras enthalten sind, oder Sie liefern Energie, welche in Form von gekauften Getreidewürfeln in der Regel effi zienter und günstiger gefüttert werden können. Ihr Zukauf macht also nur Sinn, wenn die eigenen Futtervorräte zu knapp sind. Ansonsten schnallt man sich eindeutig Kostentreiber an.

 

BBZ Arenenberg, Milchproduktion, Christof Baumgartner