Ausgabe Nummer 11 (2006)

zurück zur Übersicht

Wirtschaftlichkeit im Agrotourismu

agridea-Programm «Paracalc» als neues Hilfsmittel

Wirtschaftlichkeit im Agrotourismu

In den vergangenen Jahren haben viele Bauernfamilien in Projekte im Agrotourismus investiert. Ob sich diese Investition aber finanziell gelohnt hat oder nicht, ist oftmals schwierig abzuschätzen. Das neue agridea-Programm «Paracalc» hilft bei der Berechnung.

Um es gleich vorwegzunehmen. Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit im Agrotourismus oder anderen paralandwirtschaftlichen Projekten (Direktvermarktung, Agrogastronomie, Verarbeitung) ist die Berechnung nicht das Hauptproblem. Die grosse Schwierigkeit stellt die Datenbeschaffung dar. Besonders die eingesetzten Arbeitsstunden sind sehr schwierig abzuschätzen und können nur mit einer konsequenten Erfassung exakt ermittelt werden. Zudem fehlen im Gegensatz zu den «traditionellen» Betriebszweigen Normzahlen weit gehend. Geht es um eine Planrechnung für ein Projekt, müssen zusätzlich die Investitions- und Unterhaltskosten möglichst exakt geschätzt werden. Die zuverlässigsten Zahlen erhält man mit einer Offerte eines möglichen Lieferanten.

Strukturierung nötig

Um ein Projekt erfolgreich kalkulieren zu können, muss dieses vorgängig strukturiert werden. Die Kosten müssen in produktbezogene und projektbezogene Kos-ten sowie in Kostenanteile an den Strukturkosten des Betriebs aufgeteilt werden. Zudem kann pro Kalkulationsschritt nur eine Wertschöpfungsstufe berechnet werden. Dies ist im Bereich des Agrotourismus weniger bedeutsam als in der Direktvermarktung, wo für die Produktion, die Verarbeitung und den Verkauf eine separate Kalkulation nötig ist. Damit ist auch schon aufgezeigt, dass der Aufwand für die Vollkostenrechnung sehr aufwändig sein kann. Insbesondere in einem Hofladen mit einer Vielzahl von Produkten, die selber produziert und verarbeitet wurden, ist der Aufwand beträchtlich. Es empfiehlt sich deshalb, ähnliche Produkte (z.B. alle Backwaren) in einer Gruppe zusammenzufassen. Zudem kann die Kalkulation anfänglich auf jene Bereiche beschränkt werden, die besonders interessieren.

Vollkostenrechnung

Das Programm «Paracalc» bietet eine strukturierte, aber flexible Vollkostenrechnung für die Planung und Kontrolle von Projekten. Als Resultate werden neben dem Deckungsbeitrag automatisch der Arbeitsverdienst, der kalkulierte Gewinn, der Mindestverkaufspreis, die Gewinnschwelle (Menge je Produkt) und die Amortisationsdauer der Projektinvestition geliefert. Die Ergebnisse verschiedener Projektvarianten können durch den Import in eine Vergleichstabelle miteinander verglichen werden. Neben der Vollkostenrechnung ist auch ein Finanzplan integriert, mit dem der Liquiditätsverlauf eines Projekts über fünf Jahre aufgezeigt werden kann. Das Programm basiert auf Excel und enthält auch vier Fallbeispiele mit den Lösungen. «Paracalc» kann bei agridea (ehemals LBL) in Lindau für 100 Franken bestellt werden (Tel. 052 354 97 00, www.agridea.ch).

Verschiedene Betrachtungsweise

Neben der Beurteilung der Resultate sollte immer auch die Frage nach den Alternativen zum Agrotourismus-Projekt geprüft werden. Zum Beispiel stellt sich die Frage, ob überhaupt die Möglichkeit besteht, mit den vorhandenen Ressourcen (Zeit, Kapital, Raumangebot) mit einer anderen Tätigkeit ein vergleichbares Einkommen zu erwirtschaften. Je nach Situation der Betriebsleiterfamilie wird diese Frage völlig unterschiedlich zu beantworten sein. Es geht aber auch darum, die Resultate mit den eigenen Zielsetzungen zu vergleichen. Nicht jede Betriebsleiterfamilie hat beispielsweise die gleichen Erwartungen an den zu erzielenden Arbeitsverdienst oder die Verzinsung des inves-tierten Kapitals. Darum ist es besonders wichtig, sich am Anfang eines Projektes über die längerfristige Strategie und Ziele der Betriebsleiterfamilie im Klaren zu sein. Damit können die Erkenntnisse aus der Vollkostenrechnung besser eingeordnet und allfällige Massnahmen eingeleitet werden.

Kursangebot

Im Februar nahmen 15 Personen am ersten Kurs des LBBZ Arenenberg mit «Paracalc» teil, der in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft Thurgauer Direktvermarkter angeboten wurde. Die Kursteilnehmer waren grösstenteils beeindruckt über die Möglichkeiten des Programms. Sie mussten aber auch erkennen, dass eine korrekte Kalkulation nur mit einem beträchtlichen Aufwand möglich ist. Am Montag, 20. November 2006, wird ein weiterer Kurs stattfinden. Falls Sie Interesse haben, können Sie sich bereits jetzt beim Kurssekretariat des LBBZ Arenenberg (Tel: 071 663 33 33, E-Mail info@arenenberg.ch) anmelden. Es ist vorgesehen, dass sich die Kursteilnehmer einige Zeit nach dem Kurs wieder treffen, um die ersten Erkenntnisse ihrer Vollkostenrechnung auszutauschen. Neben den Erfahrungen bei der Datenbeschaffung soll auch über die Ergebnisse ausgetauscht werden. Ziel ist es, dass ein Betrieb erkennen kann, wie sich sein paralandwirtschaftlicher Betriebszweig im Vergleich zu anderen Betrieben aus betriebswirtschaftlicher Sicht darstellt. Aus diesen Erkenntnissen soll die Betriebsleiterfamilie Stärken und Schwächen und allfälliges Verbesserungspotenzial erkennen können.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebs-beratung und Landtechnik, Mathias Roth