Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Witfrauentag vom 21. Juni 2017 in Diessenhofen

Ausgabe Nummer 26 (2017)

An einem sehr warmen Sommertag, im Restaurant Schupfen direkt am Rhein, durften wir einen wunderbaren Sonnentag geniessen. Es war ein freudiges Wiedersehen mit bekannten und neuen Frauen, die diesem Tag mit Freude entgegen geblickt hatten. Der Witfrauentag ist ein jährlich stattfindender Anlass in der Agenda des Thurgauer Landfrauenverbandes und wurde dieses Jahr von 70 Frauen besucht.

Die Referentin Simea Schwab aus Kerzers begrüsste uns nach Kaffee und Gipfeli. Da Simea auf den Rollstuhl angewiesen ist, reist sie mit Begleitung. Diese hilft ihr, wenn der Rollstuhl im Kies stecken bleibt oder Simea einen Schluck Wasser trinken muss. Simea Schwab wurde 1970 ohne Arme geboren, was niemand vorher wusste und die Eltern unvorbereitet traf. Es war ein grosser Schock für die ganze Familie. Ihre Eltern haben Simea so akzeptiert wie sie war und sie ebenso geliebt wie ihre vier Schwestern. Sie verbrachte eine schöne Kindheit auf einem Bauernhof und besuchte die öffentliche Schule wie ihre Schwestern. Nach der kaufmännischen Lehre reiste sie nach England, lernte die Sprache und studierte sechs Jahre Theologie.
Das Thema des Tages war «Der Fluss des Lebens». Simea zeigte uns auf, dass unser Leben immer im Fluss ist. Einmal gleiten wir ruhig dahin, ein anderes Mal kommen schwierige, stürmische Wellen auf uns zu. Dazwischen soll man wieder eine Selbstreflexion machen. Sich zum Beispiel selber fragen, «Wie und wo stehe ich im Leben? Wie gehe ich mit Veränderungen um? Was gibt mir Zuversicht und neuen Mut?» Wie und was hat mich in verschiedenen Situationen verändert? So gab Simea uns verschiedene Anstösse, um über unser Leben nachzudenken.
Und das Wichtigste für sie ist, dass sie Zufriedenheit ausstrahlt und den Glauben an Gott pflegt. Der Glaube gibt ihr immer wieder Kraft, um ihr schwieriges Leben zu meistern und vorwärts zu blicken. Wenn es ihr nicht so gut geht, schaut sie auf die alltäglichen Dinge, die sie eigenständig erledigen kann und ist dankbar dafür.
Sie kann gut reden und hat gelernt, mit dem linken Fuss zu schreiben. Bereits in der Wiege hat ihre Mutter ihr die Spielsachen zu den Füssen gelegt. Später trainierte sie in Therapien die Fertigkeit der Füsse. Sie schminkt sich mit den Füssen, sie drückt den Teebeutel mit den Zehen aus und löffelt genüsslich ihr Dessert «zu Fuss». Sie arbeitet 50 % als freischaffende Theologin, und zwischendurch braucht sie immer wieder Ruhepausen.
Simea hat mich sehr beeindruckt, und ich bin froh, dass ich sie kennenlernen durfte. Ich muss viel an sie denken und bin sehr dankbar, dass ich zwei gesunde Hände habe.
Bei feinem Mittagessen und Blick auf den Rhein liessen wir den Tag ausklingen und fuhren mit vielen Eindrücken nach Hause.


Lotti Vogel


Weitere Informationen zu Simea Schwab:
www.simeaschwab.ch










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