Ausgabe Nummer 37 (2004)
Wo Hopfen noch von Hand gelesen wird
| Hopfenernten in der Kartause Ittingen | |||
|
Wo Hopfen noch von Hand gelesen wird
|
|||
| Nur etwa zwanzig Hektaren Hopfen werden in der Schweiz angebaut. Davon rund zwei Hektaren im Thurgau, nämlich in der Kartause Ittingen. Seit mehr als zwanzig Jahren wird im Klostergarten für das «Ittinger Klosterbräu» Hopfen angebaut. | |||
|
|||
| Bis in die Höhe von acht Metern ranken sich die Hopfenpflanzen. Anfänglich wurde nur im Klostergarten der Kartause Ittingen Hopfen angebaut. Im Jahre 2001 wurde eine grössere Anlage geschaffen, welche von Spezialisten aus Deutschland gebaut wurde. In einer Höhe von 7,2 Metern wurden Drähte gespannt, welche durch Holzpfähle gehalten werden. Die Hopfenranken werden im Frühling an die Drähte geführt und wachsen dann in die Höhe. Pro Hektare kann eine Menge von 2200 Kilogramm getrocknete Hopfendolden geerntet werden. Jedoch entsteht dabei auch eine grosse Menge Grünmasse, welche nicht verwendet werden kann. Für einen Hektoliter «Ittinger Klosterbräu» werden rund 300 Gramm Hopfen benötigt, fast doppelt so viel, wie für ein helles Lagerbier. Nach Plan sollte die Hopfenanlage dieses Jahr zum ersten Mal Vollertrag haben. Doch machte der Hagel einen Strich durch die Rechnung. Deshalb konnte in diesem Jahr nur etwa drei Viertel des geplanten Ertrags geerntet werden. Keine Tradition in der Schweiz Heinz Scheidegger, Leiter vom Gutsbetrieb der Kartause Ittingen, erklärt, dass in der Schweiz nie viel mehr Hopfen angebaut wurde. «Hopfen hat keine Tradition», begründet er dies. Zudem vermutet er, dass der Anbau für die Bauern wirtschaftlich nie interessant war, da die Preise auf den Weltmarkt ausgerichtet und somit entsprechend tief waren. Die bedeutendsten Hopfenanbauländer sind unter anderen Deutschland, die USA und die GUS-Länder. Nur etwa zehn Prozent des Inlandbedarfs stammt aus eigener Produktion. Der Hopfen ist eine zweihäusige Pflanze; an jeder Pflanze befinden sich entweder männliche oder weibliche Blüten. Jedoch wünscht der Brauer unbefruchtete weibliche Pflanzen, da sie nach der Befruchtung Samen bilden, welche den Brauwert vermindern. Da der Hopfen ein Windbestäuber ist, werden die männlichen Pflanzen ausgerottet. Der Hopfen ist eine mehrjährige Pflanze. Während der überirdische Teil im Winter abstirbt, kann die Wurzel bis zu dreissig Jahre alt werden. Scheidegger rechnet mit etwa 450 Stunden Arbeitsaufwand pro Hektar im Jahr inklusive Ernte. Dies beinhaltet relativ viel Handarbeit. Der Hopfen gedeiht besser auf tiefem Boden, braucht viel Nährstoffe und Wasser. Deshalb ist dieses Jahr die Ernte besser als im letzten trockenen Sommer. Beruhigungsmittel Das «Ittinger Klosterbräu» konnte erstmals 1982 getrunken werden. Anfänglich wurden 12 000 Liter Bier in Zusammenarbeit mit der Actienbrauerei Frauenfeld gebraut. Unterdessen stieg die Produktion auf 1,3 Millionen Liter, und das Bier wird in der Brauerei von Heineken Switzerland in Chur hergestellt. Der angebaute Hopfen reicht für den Eigengebrauch. Die geernteten Hopfendolden werden getrocknet und zu Pellets gepresst. Das vereinfacht die Arbeit des Brauers, da so die Qualität standardisiert ist und er sie nicht herausriechen muss. Hopfen wird jedoch nicht nur zum Bierbrauen gebraucht. Er ist in ätherischen Ölen und Duftkissen enthalten. Hopfentee ist ein Beruhigungsmittel. Zudem sind die Pflanzen in der Blumenbinderei beliebt. Handarbeit Aus Tradition wird der Ertrag aus dem kleinen Garten von Hand geerntet. Während zehn Tagen zupfen etwa fünfzig betreute Mitarbeiter und viele Freiwillige die Dolden ab. Laut Lukas Roggensinger, Gärtner und Landwirt in der Kartause, sind sie in der Schweiz die Einzigen, die den Hopfen noch von Hand lesen. Menschenhände lesen den Hopfen genauer als Maschinen, was die Qualität steigert. Auch im Garten wird noch vieles von Hand gemacht. Die Abstände zwischen den einzelnen Stauden sind so schmal, dass nicht mit dem Traktor geerntet werden kann. Im grossen Garten werden die Arbeiten mit Hilfe eines Traktors gemacht. Die Dolden werden in Stammheim maschinell abgelesen. (uhu) |
|||
|
|
|||

