Ausgabe Nummer 4 (2005)

zurück zur Übersicht

Wo steht die Landwirtschaft – wohin geht sie?

Winterveranstaltung von etwa 150 Personen besucht
 
Wo steht die Landwirtschaft – wohin geht sie?
 
Letzte Woche wurde an der gemeinsamen Winterveranstaltung des Thurgauer Bauernverbandes und des Verbandes Thurgauer Milchproduzenten das Thema «Bauern im Würgegriff der Märkte» diskutiert. Ein Schwerpunkt war dabei das Wegfallen des staatlichen Sicherheitsnetzes für den Milchmarkt, aber auch die Öffnung des EU- und Schweizer Marktes zum freien Welthandel. In Deutschland wird die staatliche Milchpreisregelung erst per 2014 aufgehoben. Die Bayern liebäugeln aber bereits heute mit dem Umstieg von der Milchproduktion in die landwirtschaftliche Energieproduktion. Die Umstellung von Milchwirtschaft zu anderen Produktionszweigen birgt aber auch die Gefahr des «Kannibalismus»; wenn zu viele Bauern das gleiche Produkt erzeugen, und der Markt so übersättigt wird, kann es zu erneuten Überproduktionen und Preiszerfällen kommen. Eine weitere Möglichkeit, dem Würgegriff der Märkte zu entkommen, verspricht vielleicht die Gründung einer Schweizer Milchbörse.
 
Patentrezepte gab es keine, aber Denkanstösse zu möglichen Auswegen aus der schwierigen Situation (kb)
 
Staatliches Sicherheitsnetz fällt weg
Deutschland hebt seine staatliche Milchpreisregelung erst im Jahr 2014 auf und schaut darum gebannt darauf, was in der Schweiz geschieht. Auch in Deutschland geht der Trend Richtung grössere Betriebe, und auch dort sieht die Milchpreisentwicklung nicht rosig aus: Prognostiziert wird ein Milchpreis, der sich bei 21 bis 22 Cents/kg hält, das entspricht beim aktuellen Wechselkurs 33 Rp./kg. Der Staat habe in Deutschland jeweils Mengen aus dem Markt aufgekauft, um ihn zu stabilisieren, damit spanne er für die Milchproduzenten gewissermassen ein «Sicherheitsnetz» auf – wie es die Akrobaten im Zirkus hätten, vergleicht Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Milcherzeuger Bayern, die staatliche Milchkontingentierung. Er ergänzt: «Wir können leider ohne die Politik nicht melken.» Die Bauern und Verbände müssten sich darum auch mit der Politik beschäftigen, denn si