Ausgabe Nummer 4 (2005)

zurück zur Übersicht

Wohin führt uns die neue Sortenvielfalt im Tafelkernobst aus der Sicht unserer Lagerhalter?

Thuro-Fachtagung in Zihlschlacht
 
Wohin führt uns die neue Sortenvielfalt im Tafelkernobst aus der Sicht unserer Lagerhalter?
 
Am vergangenen Freitag, den 14.1.2005, konnte die Delegiertenversammlung der Thuro mit anschliessender Fachtagung abgehalten werden. Die Delegierten hatten verschiedene vakante Sitze im Vorstand neu zu besetzen. Aus dem Vorstand demissionierten Thomas Hungerbühler, Neukirch-Egnach, und Guido Roth, Altnau. Der amtierende Präsident Edwin Huber, Neukirch-Egnach, welcher seit dem letzten Jahr Präsident des Thurgauer Obstverbandes ist, bleibt dem Thuro-Vorstand erhalten, jedoch nicht als Präsident. Neu in den Vorstand konnten Reto Leugger, Güttingen, und Guido Häni, Dettig-hofen, gewählt werden. Das Amt des Präsidenten wurde durch Beat Lehner, Felben-Wellhausen, besetzt. Die gesamte Thurgauer Obstbranche wünscht den neu gewählten Vorstandsmitgliedern viel Erfolg in ihrer neuen Tätigkeit und den abtretenden Vorstandsmitgliedern ein herzliches Dankeschön für ihre langjährige Mithilfe in der Organisation.

Apfelmarken und neue Apfelsorten
Nach der ordentlichen Delegiertenversammlung konnte die Fachtagung vom neu gewählten Präsidenten Beat Lehner vor vollem Saal eröffnet werden. Sportartikelmarken wie Nike und Adidas sind am Markt nicht mehr wegzudenken. Auch bei den Apfelsorten werden seit einiger Zeit Marken kreiert. Private Züchtungsprogramme lancieren neue Apfelsorten als Sortenclubs. Auch die namhaften Thurgauer Obsthändler haben sich auf die Vermarktung von Apfelmarken eingestellt. So engagiert sich die Firma Tobi Tafelobst AG mit den Sorten Greenstar und Kanzi, die Seeobst AG mit der Sortenmutante Kiku 8, die Firma Iseppi S.A. mit Rubens und die Firma Füglister AG mit dem bereits renommierten Sortenclub Pink Lady.
Die Referenten der Firmen waren sich einig, dass eine neue Sorte auf dem Markt eine bereits bestehende Sorte ablösen muss. Neuheiten müssen fest und süss sein und ein gutes Shelf-life aufweisen. Der Trend bei den Apfelsorten geht hin zu Internationalität. Trotz der vorgestellten Sorten dürfen herkömmliche Sorten wie Golden Delicious, Jonagold, Gala, Braeburn und Maigold im Thurgau nicht vernachlässigt werden. Benno Neff, Seeobst AG Güttingen, gab ein klares Votum ab betreffend die Sorten Elstar und Cox Orange. Diese beiden Ostschweizer Sorten bekunden nicht erst seit diesem Jahr grosse Probleme in der Vermarktung. Hier braucht es eine Flächenanpassung nach unten seitens der Produktion. Neue Sorten bergen immer ein Risiko, dieses verteilt sich jedoch nicht nur auf die Produktion, sondern auch auf den Handel. Eine Clubsorte in den richtigen Händen kann das Risiko für schlechte Qualität an der Front jedoch verringern. So können Qualitätsstandards gesteuert werden.
Auf die Frage, wie die Schweizer Qualität im Vergleich mit der Importware abschneidet, konnte Ruedi Brüllhardt, Tobi Tafelobst AG, den Anwesenden bestätigen, dass Qualitätsunterschiede bestehen. Vor allem bei alterntiger Importware aus dem angrenzenden Ausland bestehen grosse Unterschiede. Dies trifft jedoch nicht für neuerntige Importe von der südlichen Hemisphäre zu. Diese Qualität ist der Schweizer Ware ebenbürtig.

Sortenvorstellung der einzelnen Handelspartner
Rubens: (Andrea Iseppi) Die Sorte hat sich in der Ostschweiz als sehr positiv he-rausgestellt. Die Färbung ist wesentlich besser als in Italien. Die Zielmenge beträgt rund 500 bis 600 Tonnen. Diese Sorte ist bis dato in der Schweiz nur für Iseppi- Produzenten erhältlich. Die Ernte 2004 von 87 Tonnen ist bereits vermarktet.
Fuji Kiku 8: (Benno Neff) Die Sorte Fuji Kiku 8 sollte in der Ostschweiz rund 10 ha erreichen. Erste Verkaufsversuche werden dieses Jahr getätigt. Diese Sorte sollte im oberen Preissegment positioniert werden. Weltweit ist Fuji die drittwichtigste Apfelsorte.
Pink Lady (Roman Füglister) Hierbei handelt es sich vor allem um Importware. Im Wallis werden auf den besten Standorten einige Flächen Pink Lady entstehen, ansonsten gibt es keine Anbauplanung in der übrigen Schweiz. Die Positionierung von diesem Apfel ist auch im oberen Preissegment, 10 bis 20 Rappen über den anderen Sorten.
Greenstar und Kanzi: (Ruedi Brüllhardt) Diverse Tobi-Produzenten wurden angefragt, Pflanzungen dieser Sorten zu tätigen. Die Zielfläche bei Greenstar wird auf 10 ha festgelegt. Diese Sorten sollten nicht als Luxusmarken vermarktet werden. Ein Kriterium bei der Sortenauswahl waren gute Produktionseigenschaften. Mit den betreffenden Obstbauern wurde eine Vereinbarung getroffen und für den schlimms-ten Fall ein Worstcase-Szenario erarbeitet.
Anhand der Aussagen handelt es sich bei den präsentierten Sorten in erster Linie um Nischenprodukte, welche zurzeit als Ergänzungen der Hauptsorten stehen. Das Sortenkarussell hat sich, seit es Kernobst gibt, immer wieder gewandelt. Sorten entstehen und andere verschwinden. Diese Dynamik wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
Der Nachmittag stand im Zeichen der Produktionstechnik. Ueli Henauer, LBBZ Arenenberg, informierte über Suisse Gap, welches per 2006 eingeführt wird.

Hermann Brenner (LBBZ Arenenberg) über die Maikäferproblematik. «In manchen Gebieten sind Käfer und Larven gleichzeitig vorhanden. Dies bedeutet, dass es zu zwei Flugjahren hintereinander kommen kann.» (Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Hermann Brenner, Fachstelle Pflanzenschutz, LBBZ Arenenberg).
Beim Feuerbrandbefall gab es verglichen mit den vergangenen Jahren wiederum eine Abnahme. Der Schein trügt jedoch, so ist das Bakterium praktisch überall vorhanden. Besondere Vorsicht ist in Gebieten mit starken Hagelzügen im letzten Jahr geboten, so Urs Müller, LBBZ Are-nenberg. Heiri Höhn von der FAW agroscope Wädenswil erläuterte das Thema aktuelle Probleme im Pflanzenschutz.

Patrick Stadler, Fachstelle Obst- und
Rebbau, LBBZ Arenenberg
 
 
top     schliessen
 
3