Ausgabe Nummer 46 (2004)
WTO als grosse Herausforderung
| Schweizerischer Bauernverband (SBV) |
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WTO als grosse Herausforderung
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| In Teufen AR trafen sich Vertreter der landwirtschaftlichen Kantonalorganisationen aus der Ostschweiz zu einem Seminar mit der Spitze des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV). Hauptthemen waren das Leitbild der Bäuerinnen und Bauern, die veränderten Rahmenbedingungen und die Strategien des SBV sowie das Tätigkeitsprogramm 2005. |
| Hans Diem, Vorsteher der Landwirtschafts- und Forstdirektion des Kantons Appenzell Ausserrhoden, begrüsste die Anwesenden. Er zeigte auf, wie unterschiedlich die Betriebsstrukturen nur schon im Kanton Appenzell Ausserrhoden sind. Vor allem im Hinterland, wo viele Betriebe ihre Tiere im Sommer auf der Alp halten, sind noch sehr kleine Strukturen zu finden. Gerade in diesen Regionen trage die Landwirtschaft aber einen wichtigen Anteil zur Pflege von Brauchtum und Traditionen bei. Die appenzellische Landwirtschaft falle weiter durch ihr grosses Engagement in der ökologischen Produktion auf. 18 Prozent der Betriebe werden nach den Bio-Richtlinien bewirtschaftet, und die Hälfte der Betriebe erfülle mit einzelnen Flächen die Anforderung der Ökoqualitätsverordnung (ÖQV), über 20 Prozent der Betriebe sind in Vernetzungsprojekten beteiligt. Leitbild zur Identifikation Der SBV hat in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedorganisationen und mit den Bäuerinnen und Bauern ein Leitbild erarbeitet. Es gehe darum, dass sich die Landwirtschaft ein eigenes Leitbild gebe und sich dieses nicht von aussenstehenden Kreisen auferlegen lasse, führte der Vizedirektor des SBV, Urs Schneider, aus. Die Politik müsse sich schlussendlich auch daran orientieren, was die Landwirtschaft wolle. Über die genauen Formulierungen werde man nie eine Einigung erzielen, wichtig sei aber, dass die Landwirtschaft als selbstbewusster Berufsstand auftrete. Schwieriges Umfeld SBV-Direktor Jacques Bourgeois orientierte über Rahmenbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene. Der Spardruck auf Bundesebene ist nach wie vor sehr gross. Oberstes Ziel des SBV ist es, dass die Mittel für die Direktzahlungen gehalten werden können. Der Sparanteil der Landwirtschaft soll dort erbracht werden, wo es am wenigsten schmerzt, so zum Beispiel bei den Strukturverbesserungen. WTO-Verhandlungen beunruhigen Die laufenden WTO-Verhandlungen sind für die Schweizer Landwirtschaft sehr beunruhigend. Zum einen soll der Marktzutritt für ausländische Produkte verbessert werden, in dem die Schutzzölle reduziert werden. Je nach Modell, das gewählt wird, werden die Auswirkungen für die inländische Landwirtschaft besser oder schlechter zu verkraften sein. Die internen Marktstützungen müssen weiter abgebaut und die Exportsubventionen ganz gestrichen werden. Davon betroffen wäre insbesondere die Milchwirtschaft, während eine Reduktion der Zölle vor allem die Gemüse-, Obst- und Fleischbranche treffen würde. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) geht in ersten Schätzungen von Einkommensverlusten von 1,5 bis 2,5 Milliarden Franken pro Jahr aus. Der SBV ist mit den bis jetzt vorliegenden Verhandlungsergebnissen nicht einverstanden. Er arbeitet deshalb sehr intensiv in diesem Bereich und sucht den Kontakt mit den Partnern im In- und Ausland. Die wirtschaftliche Situation der Bauernbetriebe wird sich deshalb weiter verschärfen, und der SBV hat deshalb kürzlich ein Massnahmenpaket zur Stärkung der Landwirtschaft vorgelegt. Mit verschiedensten Massnahmen sollen die Kosten gesenkt und der unternehmerische Spielraum erhöht werden. Tätigkeitsprogramm 2005 Das Tätigkeitsprogramm 2005 wurde von Urs Schneider erläutert. Es ist für den SBV ein wichtiges Führungs- und Planungsinstrument, das auch zur Kontrolle der Zielerreichung genutzt werden kann. Im politischen Bereich will der SBV das Leitbild umsetzen, die DOHA-Runde der WTO begleiten und sich konsequent für die Anliegen der Schweizer Landwirtschaft einsetzen. Ein wichtiges Augenmerk gilt auch den Auswirkungen der bilateralen Verträge und der EU-Agrarpolitik. Zudem laufen bereits die Vorbereitungen zur Agrarpolitik 2011 an. Der SBV will von Beginn weg aktiv mitarbeiten und die innerlandwirtschaftlichen Diskussionen über eine allfällige Neuausrichtung der Direktzahlungen möglichst früh führen. In enger Zusammenarbeit mit den Schweizer Milchproduzenten soll die Milchwirtschaft gestärkt und an einer praxistauglichen Milchmarktordnung für die Zeit nach der Aufhebung der Kontingentierung gearbeitet werden. Die Anstrengungen in der Kommunikation sollen weitergeführt werden. Insbesondere soll mit den kritischen Kräften aus der Wirtschaft das Gespräch gesucht werden. Neue landwirtschaftliche Bildung Jakob Rösch, Leiter des Geschäftsbereiches Bildung des SBV, informierte über die aktuelle Situation in der Berufsbildung. Seit dem 1. Januar 2004 sind das neue Berufsbildungsgesetz (BBG) und die Berufsbildungsverordnung (BBV) in Kraft. Dieses sieht vor, dass die Verantwortung für die Ausbildung verstärkt den Berufsorganisationen übertragen werden soll, so genannten Organisationen der Arbeitswelt (OdA). Die Berufsausbildung ist schlussendlich eine Verbundsaufgabe zwischen Bund, Kantonen und den OdAs. Für jeden Beruf muss eine Bildungsverordnung erstellt werden, die vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) auf Antrag einer OdA erlassen wird. Die Vorarbeiten in einer Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung einer Bildungsverordnung haben ergeben, dass es zwischen den Branchen und Regionen unterschiedliche Vorstellungen über die landwirtschaftliche Berufsbildung gibt. Deshalb sieht sich der SBV gezwungen, eine neue Organisation zu gründen, die die Funktion einer OdA für den landwirtschaftlichen Bereich übernehmen soll. Vertreter des Thurgauer Bauernverbandes äussern sich irritiert, dass nur wenige Jahre nach der Auflösung des Schweizerischen Landwirtschaftlichen Vereins (SLV) als Träger der Ausbildung wieder ein neuer Verband gegründet werden muss. Jakob Rösch betont, dass dieser Verband sehr schlank organisiert sein werde. Mehrere Organisationsformen Bezüglich der Organisationsformen der Lehre hat die Arbeitsgruppe drei Varianten vorgeschlagen. Die erste Variante entspricht mehr oder weniger der aktuellen Lösung mit zwei praktischen Lehrjahren und einem Jahr Fachschule, die zweite Variante gleicht dem Typus Winterschule, und die dritte Variante entspricht dem «Thurgauer Modell», in dem der Schulstoff auf drei Lehrjahre verteilt werden soll. Die Arbeitsgruppe verspricht sich mit der Möglichkeit von drei verschiedenen Organisationsformen, den Anliegen der verschieden gelagerten Kantone genügen zu können. Nachteilig ist dabei, dass die Durchlässigkeit zwischen den Kantonen für Lehrlinge nicht zwingend gewährleistet ist. SBV-Präsident Hansjörg Walter betonte, dass er persönlich überhaupt nicht nachvollziehen könne, wieso es in der Schweiz nicht möglich sein solle, eine einheitliche landwirtschaftliche Lehre anzubieten. Mathias Roth, Flawil |
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