Ausgabe Nummer 33 (2005)
Würdigung für besondere ökologische Leistungen
Würdigung für besondere ökologische Leistungen
Bereits zum zweiten Mal nach 2001 wurde der Förderpreis «Der blaue Wiesensalbei» in Zusammenarbeit von Pro Natura Thurgau, Thurgauer Vogelschutz und Thurgauer Bauernverband verliehen.

Die beiden Bauernfamilien Edwin und Helmut
Müller (links) sowie Irmi und Ueli Glauser wurden mit
dem Förderpreis «Der blaue Wiesensalbei» 2005
ausgezeichnet.
Der Name «Der blaue Wiesensalbei» stehe für besondere Leistungen von Bauernfamilien zur Förderung der Artenvielfalt auf den Landwirtschaftsbetrieben, begrüsste Andreas Binswanger, Präsident Thurgauer Bauernverband (TBV), die preisberechtigten Bauernfamilien, Vertreter der beteiligten Organisationen und Gäste. Die Agrarpolitik setze nicht nur auf leistungsfähige Betriebe, wenn es um die Produktion von Milch, Fleisch, Obst oder Gemüse gehe, sondern verlange mit dem Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) auch Leistungen der Landwirtschaft im ökologischen, aber auch im Bereich des Tierwohls. Der ÖLN habe nicht nur eine massive Reduktion des Pflanzenschutz- und Handelsdüngereinsatzes, sondern auch eine bedeutend bessere Nährstoffverteilung der Dünger aus bäuerlichen Tierhaltungen auf die Vegetationsfläche gebracht. Ein wichtiges Element der ökologischen Leistungen seien aber auch die ökologischen Ausgleichsflächen zur Förderung der Artenvielfalt von Flora und Fauna.
Weitere Massnahmen notwendig
Trotz einigen Erfolgen aus Sicht der Natur werde mit dem Standardökoausgleich die bedrohte Biodiversität im Kulturland nicht zunehmen, erklärte Mathias Müller, Präsident Gemeinsame Kommission und Kopräsident Thurgauer Vogelschutz (TVS). Zum Beispiel weisen nur 20 Prozent der Ökowiesen gemessen am Qualitätsmassstab der Öko-Qualitätsverordnung (ÖQV) eine gute botanische Qualität auf. Neben spezifischen Artenförderprogrammen seien daher noch weitergehende Massnahmen im Kulturland nötig: Zum Beispiel konsequente Umsetzung von Vernetzungsprojekten, neue ökologische Anbauflächen wie der Feldsaum, spezifisch angepasstes Schnittregime der Heuwiesen. Neben der Optimierung des ökologischen Ausgleichs sollten nach Ansicht von Müller zusammen mit Landwirten, Grossverteilern und Labelorganisationen neue Wege in der Vermarktung beschritten werden.
Viel mehr als nur Existenzgrundlage
Bei seinem Besuch auf dem Hof von Helmut Müller habe er den Eindruck erhalten, dass der Biobetrieb Stocken in Neukirch-Egnach viel mehr als nur Existenzgrundlage, sondern auch Lebenssinn sei, stellte Toni Kappeler, Präsident Pro Natura Thurgau, fest. Der Biobetrieb sei für Müllers auch Lebensraum wie für zahllose zum Teil seltene Tiere. «Es ist für mich ein beglückendes Erlebnis, zu sehen, wie da ein Landwirt sehr viel mehr tut, als es der Markt oder die Vorschriften für Ökobeiträge verlangen», betonte Kappeler. Mit grosser Liebe und Sorgfalt bewirtschaften auch Ueli und Irmi Glauser ihren Birkenhof, in Birwinken, erklärte Elisabeth Isler, Kopräsidentin TVS. Mit einer grossen Anzahl wertvoller Naturobjekte, werde bewusst eine optimale Vernetzung durch das Kulturland geschaffen. Die 320 teils sehr alten, aber auch jungen Hochbaustämme bieten Insekten und Vögeln einen idealen Lebensraum. Wenn immer möglich, werde auf ganzheitliche Ökologie geachtet, so ersetzen vielfach die Pferde den Traktor, freut sich Isler. Laut Kappeler haben sich 14 Bauernfamilien für den Preis beworben. Die guten Resultate der besichtigten Höfe haben die Organisationen veranlasst, die Preissumme zu erhöhen und sechs Bauernfamilien auszuzeichnen.
