Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Zahlreiche Versuche mit alternativen Lösungen laufen

Ausgabe Nummer 38 (2015)

Bekämpfung der Kirschessigfliege im Thurgau

An der Herbstversammlung des Thurgauer Weinbauverbandes in Frauenfeld stellte Rebbaukommissär Markus Leumann verschiedene Versuche vor, wo mit alternativen Methoden die Bekämpfung der Kirschessigfliege erforscht wird.

Nachdem man im vergangenen Jahr im Weinbau von der Kirschessigfliege völlig überrascht wurde, hat man in diesem Jahr aus Erfahrungen viel gelernt. An der Herbstversammlung des Branchenverbandes Thurgauer Wein (BTW) zeigte Rebbaukommissär Markus Leumann verschiedene im Thurgau laufende Versuche auf, wie die Kirschessigfliege mit alternativen Methoden bekämpft oder wenigstens in Schach gehalten werden kann. «Wir können im Thurgau diese Versuche und das umfassende Monitoring dank Gelder aus dem Pflanzenschutzfonds ermöglichen », erklärte Leumann. Dabei wurden die verschiedenen Versuche auf Praxisbetrieben angelegt und durch die Agroscope mitbetreut. «Nach Möglichkeit können wir auch Kelleraspekte mitberücksichtigen », erklärte Leumann. Im Vordergrund steht dabei der Versuch mit Gesteinsmehlen. Beim täglichen Putzen der Zähne oder auch als Trägerstoff in der Lebensmittelbranche kommt der Mensch täglich in den direkten Kontakt mit Kaolin. Nun ist dieses aus Steinmehl gewonnene Erzeugnis auch als präventives Abwehrmittel gegen die Kirschessigfliege im Weinbau zum Einsatz gekommen. Kaolin oder das eingesetzte Markenprodukt Surround ist eine bewilligte Bekämpfungsmassnahme für den ÖLN und den biologischen Landbau. Es ist im Gegensatz zum Kalk nicht toxisch und hat auch keine anderen physiologischen Auswirkungen auf die Umwelt. Während Kalk mit einem sehr hohen alkalischen Ansatz radikale Wirkungen hat, ist Karolin pH-neutral und hat somit im Gegensatz zu Kalk auch in der Kelterung keinen Einfluss auf die Säure-, respektive pHWerte bei den Jungweinen. Es beeinflusst zudem weder die Traubenqualität noch wirkt es sich auf die Zuckerbildung aus. Es ist im Versuch optisch nicht zu übersehen, weil es als weissliche Schicht aufgesprüht wird, besonders die Traubenzone ist entsprechend weiss. «Wir können mit diesem Naturprodukt die Kirschessigfliege von einem möglichen Ablegen ihrer Eier in die Traubenbeere abhalten oder wenigstens vergraulen. Die Kirschessigfliege scheint diese weisslich oberflächlich eingefärbten Beeren nicht zu schätzen. Wir gehen deshalb von einer repellenten Wirkung auf die Kirschessigfliege aus», erklärt Leumann. Es sind nun verschiedene Punkte Gegenstand von umfassend angelegten Versuchen. Es ist unter anderem abzuklären, wie lange die abschreckende Wirkung auch nach Niederschlägen anhält. Mit grosser Sicherheit geht man davon aus, dass es sich um ein geschmackneutrales Produkt handelt. Trotzdem sollen die Versuche auch Antworten auf diese Fragen liefern. Schlussendlich wollen wir mit diesen umfassend begleiteten Versuchen auch andere Einflüsse rund um die Mischbarkeit und Ausbringungstechnik in Erfahrung bringen», fügte Leumann weiter an. Beim Einsatz von Kaolin oder Surround kann man sich auch auf langjährige Erfahrungen bei anderen Kulturen berufen. So wird dieses Produkt im Obstbau bei Birnen noch vor dem Austrieb der Knospen zur präventiven Abwehr der Birnblattsauger verwendet. Es kann auch zur Bekämpfung der Walnussfruchtfliege oder im Rapsanbau gegen den Rapsglanzkäfer eingesetzt werden.

Weitere Massnahmen
Es laufen auch weitere Versuche, wo andere flankierende Massnahmen im Fokus stehen. Dabei sind es spezielle Insektenschutznetze, welche erprobt werden. «Damit lassen sich wahrscheinlich die besten Schutzmechanismen gegen die Kirschessigfliege erreichen », zeigte sich Leumann überzeugt. Doch diese Massnahme ist aufwändig und teuer. Zudem stellen die dafür notwendigen Einrichtungen Fragen an die Raumplanung, da viele Reblagen Bestandteil von Landschaftsschutzgebieten sind. Es stehen aber auch noch weitere Fragen wie die Stabilität der Konstruktion bei Sturm und Hagel wie auch dem möglichen Mikroklima unter dem Netz im Raum. Dass Netze eine grosse Wirksamkeit haben, bestätigt auch der Einsatz von Insektenschutznetzen in Form von Säcken. Mit diesen kann jede einzelne Traube geschützt werden. Doch diese Methode ist sehr aufwändig und ebenfalls kostenintensiv, bewährt sich aber im Tafeltraubenanbau in der Pergola oder Hausrebe. «Das heisse und vor allem auch trockene Wetter hat aber einzelne Tastversuche mit mehr oder weniger Auslauben der Traubenzone oder dem regelmässigen Mulchen mit dem Tiefhalten des Bodenbewuchses massiv eingeschränkt», so Leumann. Gerade bei der Bodenpflege kommt aber noch ein weiterer Player ins Spiel. Handelt es sich um Biodiversitätsförderflächen (BFF) der Qualitätsstufen eins und zwei, so muss abgeklärt werden, wie man mit deren Anforderungen umgehen will.
Leumann ist zuversichtlich, dass diese Versuche mögliche Antworten zur Bekämpfung der Kirschessigfliege liefern können. Es zeigt sich aber deutlich, dass jedes Jahr seine speziellen Eigenschaften hat und somit alternative Bekämpfungsstrategien ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln laufend angepasst werden müssen.


Roland Müller




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