Ausgabe Nummer 45 (2009)

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Zeitplanung auf den bäuerlichen Betrieben

An zwei Abenden befassten sich rund 130 Thurgauer Bäuerinnen mit dem Thema «Zeit – wofür brauche ich dich?».


«Im Erkennen der Probleme sprudelt es nur so, bei den Lösungen wird es aber viel schwieriger», erklärt Maja Grunder aus Neunforn am 1. Bäuerinnenforum, das durch die Kommission Frauen in der Landwirtschaft des Verbands Thurgauer Landwirtschaft in Sulgen und Frauenfeld organisiert wurde. Zusammen mit ihrem Mann betreibt Maja Grunder eine Mühle und einen Milchwirtschaftsbetrieb, sie ist Mutter von zwei Kindern und Gemeinderätin. Es sei nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Sorgen bereitet ihr, das «geforderte» Wachstum der Betriebe, welches viele Bauernfamilien unter Druck setze.

Wertvoller Gedankenaustausch
Kurt Müller, Thayngen SH, begleitet seine Frau an das Bäuerinnenforum. Zusammen besuchen sie öfters solche Vorträge. Der Vortrag war nach seiner Meinung wertvoll, animiere zum Nachdenken und auch zum Ändern der eigenen Zeiteinteilung. Vor allem für junge Bäuerinnen habe das Referat Tips für die Planung des Alltags gebracht. Damit sei aber auch eine Erleichterung im täglichen Leben verbunden. Helene Ruoss aus Hüttwilen stellt fest, dass das Zeitmanagement auf einem Bauernhof sehr schwierig sei. Aus diesem Grund sei der Gedankenaustausch mit Berufskolleginnen besonders wertvoll.

Schwierige Kommunikation auf den Betrieben
Bei den Gruppenarbeiten «Betrieb», «Familie» und «Soziales» wurde schnell sichtbar, dass sich die Kommunikation auf vielen Betrieben schwierig gestaltet. Für viele Bäuerinnen verwenden ihre Ehemänner zuviel Zeit für den Betrieb. Dabei komme die Pfl ege der Partnerschaft und der Familie sowie die Gestaltung der Freizeit zu kurz. Vielfach seien auch Ferien Fehlanzeige. In seinem Referat sprach Matthias Schick, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, zum Arbeitszeitbedarf in Betrieb und Haushalt, Arbeitsfallen, Schwachstellenanalysen und Optimierungsmöglichkeiten. Dabei wurde sichtbar, dass die Bäuerinnen im Durchschnitt 32 Prozent ihrer Zeit für die Verpfl egung, 14 Prozent für die Wohnungspfl ege, 7 Prozent für die Kinderbetreuung und in vielen Fällen 14 Prozent für den Nebenerwerb aufwenden. Schick erläuterte hilfreiche Planungsgrundlagen und Planungshilfsmittel in der Praxis. «Zeitplanung ist die wesentliche Grundlage für das gesunde Miteinander von Arbeit, Familie und sozialem Umfeld», zog Schick sein Fazit.

Mario Tosato



Maja Grunder: «Der Grössendruck bringt
viele Bauernfamilien in Schwierigkeiten.»
(tos)
Maja Grunder: «Der Grössendruck bringt viele Bauernfamilien in Schwierigkeiten.» (tos)

Beim 1. Thurgauer Bäuerinnenforum stand das Zeitmanagement auf den Bauernbetrieben
im Fokus. (tos)
Beim 1. Thurgauer Bäuerinnenforum stand das Zeitmanagement auf den Bauernbetrieben im Fokus. (tos)

Matthias Schick sprach zum Thema «Zeit – wofür brauch ich dich?». (tos)
Matthias Schick sprach zum Thema «Zeit – wofür brauch ich dich?». (tos)