Ausgabe Nummer 8 (2007)

zurück zur Übersicht

Zepterwechsel bei den Gemüseproduzenten

Gemüseproduzenten lehnen EU-Freihandelsabkommen ab

Nach fast 30-jähriger Vorstandstätigkeit, davon 12 Jahre als Präsident der Gemüseproduzentenvereinigung TG/SH, übergab Erwin Gamper das Zepter an der Jahresversammlung in Tägerwilen seinem Nachfolger Hans Ott.

In seinem letzten Jahresrückblick als Präsident der Gemüseproduzentenvereinigung der Kantone Thurgau und Schaffhausen (GVTS) wies Erwin Gamper, Stettfurt, auf die umfangreiche Verbandstätigkeit hin. Als Schwerpunkte nannte er die Mitgestaltung bei der Nachfolgeregelung von AgroMarketing Thurgau, den Aufbau von Anbaurichtlinien für Swiss- Gap (Qualitätssicherung), Suisse Garantie, Weiterbildung sowie die Initiative zur Vereinfachung und Verbesserung des Handbuches Gemüse, des Verbands Schweizerischer Gemüseproduzenten (VSGP). Gamper bedauert, dass es ihm nicht gelungen ist, eine gemeinsame Vermarktungsplattform Region Ostschweiz zu realisieren. «Ich überlasse meinem Nachfolger dynamische Gemüseproduzenten mit zukunftsfähigen Betriebsstrukturen », sagte Gamper der sein Amt nach seiner zwölfjährigen Amtszeit niederlegte. Thomas Wieland, Vizedirektor VSGP, der in Märstetten aufgewachsen ist, informierte über die Schweizerischen Verbandstätigkeiten. Im Zentrum für das laufende Jahr stehe die Anbautechnik, die Verhandlungen für einen Gesamtarbeitsvertrag in der Landwirtschaft, die Entwicklung von Marktinformationen, Importregelungen 2007, Marktöffnung sowie das 75-Jahr-Jubiläum des VSGP.

Landwirtschaft als «Bauernopfer»
Nach Gampers Meinung kann die Landwirtschaft mit einem EU-Freihandelsabkommen in eine unsichere Zukunft steuern. Besonders betroffen seien dabei die Spezialkulturen Obst, Gemüse und Beeren. Gamper glaubt, dass die Politik die Landwirtschaft mit einem EU-Freihandelsabkommen als «Bauernopfer» massiv gefährde. Er fordert eine Gleichstellung der landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen analog zur EU, analogern Zugang zu Arbeitskräften wie die EU, Umstellung der Direktzahlungen von Flächenbeiträgen auf Arbeitskräfte,Anpassung der Umweltauflagen sowie die Einführungen von Strukturförderungsmassnahmen.«Können diese Forderungen nicht erfüllt werden, so müssen die Spezialkulturen von einem EU-Freihandelsabkommen ausgeklammert werden», sagte Gamper wörtlich.

Wechsel an der Verbandsspitze
Vizepräsident Ralph Bötsch, Andreas Binswanger, Präsident Thurgauer Bauernverband, Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt, und Ueli Niklaus, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Bauernverbands, lobten Gamper, als weitsichtigen, dynamischen und kompetenten Präsidenten, der auch national ein hohes Ansehen geniesse. Neben Gamper reichten auch Hans Mäder, Schaffhausen, und Hans Eberli, Altnau, ihren Rücktritt aus dem Vorstand ein. Hans Ott, Basadingen, wurde einstimmig zum neuen Präsidenten GVTS und Sepp Egger,Wertbühl, in den Vorstand gewählt. Die bisherigen Vorstandsmitglieder, Ralph Bötsch, Salmsach, Andreas Fey, Happerswil, Jürg Wittwer, Neuhausen, Axel Schächtle, Konstanz, Peter Merk, Tägerwilen, und Jürg Pfister, Heimenhofen, wurden für eine weitere Amtszeit von vier Jahren bestätigt.

Mario Tosato


Thurgauer Gemüseplattform erhalten

Nach Meinung des scheidenden Präsidenten Erwin Gamper ist es wichtig, dass die Thurgauer Gemüseproduzenten die Grossverteiler weiter beliefern können.

Herr Erwin Gamper, wo setzten Sie als Präsident der Gemüseproduzentenvereinigung der Kantone Thurgau und Schaffhausen (GVTS) die Schwerpunkte?
Erwin Gamper: Für mich und meine Vorstandskollegen stand die Vermarktung im Zentrum. Obwohl eine vertiefte Zusammenarbeit mit den St. Galler Gemüseproduzenten gescheitert ist, können wir in der Vermarktung schöne Erfolge ausweisen. Ich denke da beispielsweise an die Vermarktung der einheimischen Grünspargeln.

Welche Rolle spielte der technische Anbau?
Wir versuchten, ständig die Anbaumethoden den Bedürfnissen und Trends anzupassen und zu rationalisieren. Für uns Gemüseproduzenten ist es von Bedeutung, die Produktionskosten möglichst tief zu halten.

Ein wichtiges Thema war sicher auch die Raumplanung?
Tatsächlich galt es hier im Interesse unserer Verbandsmitglieder teils anspruchsvolle Probleme zu lösen. Gott sei Dank hatten wir mit Beat Haag einen verständnisvollen Chef des Raumplanungsamtes.

Welches wird in Zukunft die grösste Herausforderung für die Thurgauer Gemüseproduzenten sein?
Im Vordergrund steht die Belieferung der Grossverteiler. Dabei wird entscheidend sein, ob die Migros den Gemüseeinkauf weiter zentralisiert. Sollte die Thurgauer Gemüseplattform aufgegeben werden, wird es ganz schwierig.

Am Fundament weiterbauen

Hans Ott will am Fundament seines Vorgängers weiterbauen und die Veränderungen wachsam beobachten.

Herr Hans Ott, wo legten Sie bisher die Schwerpunkte im Vorstand der Gemüseproduzentenvereinigung der Kantone Thurgau und Schaffhausen (GVTS)?
Im Vordergrund stand bisher immer das Marketing. Ich war bei der Entwicklung der Marke Bodensee dabei. Heute vertrete ich in der Marketingkommission des Verbands Schweizerischer Gemüseproduzenten (VSGP) den Thurgau. Hier galt es die Verwendung der Mittel und die Strategie immer wieder zu hinterfragen.

Was beschäftigt Sie zurzeit am meisten?
Wir leben in einer sehr bewegten Zeit.AP 2011, WTO und das drohende Freihandelsabkommen mit der EU zwingen uns, sehr wachsam zu sein. Wir verschliessen uns nicht partout gegen eine Grenzöffnung; was wir verlangen, sind faire Rahmenbedingungen.

Wie werden Sie künftig die GTVS führen?
Ich werde den Verband ähnlich wie mein Vorgänger Erwin Gamper führen und am vorhandenen Fundament weiterbauen. Die Strukturen sind gut. Bei unserer schnelllebigen Zeit kann es aber auch sein, dass wir Veränderungen vornehmen müssen, um am Markt zu bestehen.

Was bedeutet für Sie Aus- und Weiterbildung?
Die Aus- und Weiterbildung ist entscheidend für die Zukunft unserer Branche. Das sehe ich auf meinem Betrieb. Die Zukunft steht und fällt mit einer hohen Qualität. Die heutigen Qualitätsstandards kann man nur mit guter Bildung, Wissen und Erfahrungsaustausch realisieren.

Interview: Mario Tosato


Der scheidende Präsident Erwin Gamper (von links) gratuliert seinem Nachfolger Hans
Ott und dem neuen Vorstandsmitglied Sepp Egger.
Der scheidende Präsident Erwin Gamper (von links) gratuliert seinem Nachfolger Hans Ott und dem neuen Vorstandsmitglied Sepp Egger.