Ausgabe Nummer 25 (2007)
Zivilschutz hilft im Kampf gegen den Feuerbrand
Aktion erfolgreich angelaufen
Von den Auswirkungen des Feuerbrands betroffene Obstbauern können im Kanton Thurgau seit gut zwei Wochen Unterstützung beim Zivilschutz anfordern. Ein Augenschein bei einem dieser besonderen Zivilschutzeinsätze in Fruthwilen zeigt, dass diese Hilfe willkommen ist und dass sehr gute Arbeit geleistet wird.Schon zum sechsten Mal kontrolliert Kurt Gilg, Obstbauer in Fruthwilen, zusammen mit seinem Lehrling Philipp Meier die Anlagen. Immer noch finden sie kranke Triebe und Blütenbüschel. «Wir können uns glücklich schätzen, dass wir immerhin noch kontrollieren können und nicht gleich roden müssen», erklärt Gilg und verweist dabei auf das besonders tragische Ausmass der Krankheit in vielen Oberthurgauer Obstanlagen.
Angebot rege benutzt
Gilg hat beim örtlichen Gemeindestellenleiter für Landwirtschaft Unterstützung durch den Zivilschutz (ZS) angefordert. Wie in anderen Thurgauer Gemeinden koordiniert der Gemeindestellenleiter die Hilfegesuche und leitet sie an den zuständigen ZS-Kommandanten der Region weiter. Pro Betrieb werden höchstens zwei ZS-Angehörige zur Verfügung gestellt. Aus sechs von den zwölf Zivilschutzregionen sind beim kantonalen Führungsstab bisher Meldungen eingegangen. In Fruthwilen haben schon mehrere Obstbauern die Dienste des ZS in Anspruch genommen und waren damit hoch zufrieden.
Nach kurzer Absprache mit Lehrling Meier wissen die ZS-Angehörigen auch in Gilgs Anlage sofort, was zu tun ist, haben sie doch bereits in anderen Obstanlagen Rückschnitte durchgeführt. Bestückt mit Säcken und Desinfektionsmittel schreiten sie gewissenhaft von Baum zum Baum auf der Suche nach Infektionsstellen.
Wirkungsvolle Truppe
«Der Thurgauer Zivilschutz leistet momentan einen Einsatz ?à la carte?», umschreibt Niklaus Stähli, Chef des kantonalen Amts für Bevölkerungsschutz und Armee, die spezielle Auftragsanordnung. «Normalerweise werden im Ernstfall grössere ZS-Gruppen direkt dem Einsatzort zugewiesen, beim Feuerbrand jedoch wird mit Zweierteams operiert, die nur auf Anfrage hin zum Einsatz kommen». Zusammen mit Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt, ist er persönlich auf dem Betrieb Gilg zu Besuch gekommen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Stähli betont, dass das Bedürfnis der Landwirte im Mittelpunkt stehe. Er weist darauf hin, dass der ZS keine Alarmtruppe im Stile der Feuerwehr sei, weshalb Gesuche um Unterstützung durch den ZS auch frühzeitig einzureichen seien. Falls nötig, würden auch Einsätze über die Grenzen der ZS-Regionen hinaus ermöglicht.
«Der Zivilschutz hat in den letzten Jahren einen starken Wandel durchgemacht und präsentiert sich heute leistungsfähig und gut koordiniert», resümiert Stähli. ZS-Pflichtige im Alter von 20 bis 40 Jahren leisten heute zweckmässige Dienste zum Wohl der Bevölkerung. Das in vielen Köpfen noch immer vorhandene Bild einer uneffizienten Formation sei falsch und müsse ein für alle Mal verbannt werden.
Mittagessen auf dem Bauernhof
Die ZS-Angehörigen werden von den Bauernfamilien verpflegt, im Gegenzug bezahlt das Landwirtschaftsamt den Gemeinden die Tagespauschalen zu Lasten des Pflanzenschutzfonds. Bei dem gegenwärtigen Befallsausmass ist laut Hans Stettler damit zu rechnen, dass die Sondereinsätze des ZS noch bis Mitte Juli weitergeführt werden.
Andreas Rohner, Thurgauer Bauernverband
Stand der Einsätze (KW 25)
Walter Gfeller, Dienstchef Zivilschutz im kantonalen Führungsstab, erklärt auf Anfrage, dass momentan in drei Thurgauer Zivilschutzregionen externes Hilfspersonal im Einsatz steht. In der ZS-Region Arbon helfen 22 ZS-Angehörige auf elf Betrieben, von der Gemeinde Kreuzlingen wurden acht Personen im Rahmen des gemeindeinternen Arbeitsbeschaffungsprogramms zum Einsatz in den Obstanlagen mobilisiert und in der ZS-Region Untersee arbeiten gegenwärtig vier ZS-Angehörige auf zwei Betrieben. Aus der ZS-Region Frauenfeld ist ein Antrag eingegangen. In sechs der zwölf Zivilschutzbezirke haben bereits Feuerbrandeinsätze stattgefunden. (ro)

Auf mehreren Obstbaubetrieben in Fruthwilen leisteten die aufgebotenen ZS-Angehörigen Feuerbrandeinsätze und wurden für ihre Arbeit durchwegs gelobt. (ro)
