Ausgabe Nummer 13 (2008)
Zuckerfabriken in der Offensive
Turnusgemäss fand die Generalversammlung der ZAF in Frauenfeld statt
Verwaltungsratspräsident Philipp Stähelin nahm an der Generalversammlung der Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld AG Stellung zur veränderten Marktlage und Veränderungen im Aktionariat. Er sprach von einem erfreulichen Geschäftsergebnis.Auf die Vorwürfe von Markus Stamm ? der mit seiner Investorengruppe Interesse am Kauf des Aktienpakets des Kantons Bern hat ? nicht alle Interessenten gleich behandelt zu haben, antwortete Ständerat Philipp Stähelin, Verwaltungsratspräsident der Zuckerfabriken Aarberg-Frauenfeld (ZAF), ruhig. Er betonte dabei, alle Aktionäre gleich behandelt zu haben. Stähelin las ein Schreiben vor, indem sich Stamm für die Unterlagen und die ausgiebigen Informationsgespäche bedankte. Wem der Kanton Bern die ZAF-Aktien verkauft habe, sei schliesslich nicht Sache des Verwaltungsrates. Stähelin wollte sich auch nicht zu Stamms Ankündigung gegenüber Pressevertretern äussern, wonach Stamm demnächst gegen den Kanton Bern klagen werde.
Stark verändertes ZAF-Aktionariat
Wie Stähelin erklärte, wurden die wetterbedingten Mengendefizite durch den eigenen Import von 30 000 Tonnen Zucker ausgeglichen. Er sprach von einem erfreulichen Betriebsergebnis, das erwirtschaftet wurde. Dabei konnte die weitere Absenkung der Bundesabgeltung des Leistungsauftrages verkraftet werden. Von diesem Ergebnis profitierten die Rübenpflanzer, welchen auf dem vereinbarten Preis wieder ein Zuschlag von 5 Franken pro Tonne entrichtet werden konnte. Den Aktionären konnte eine Dividende von 5 Prozent ausgeschüttet werden. Aufgrund der Transaktionen stelle sich das ZAF-Aktionariat wesentlich anders dar: Die Pflanzervereinigung West besitze mit 21,65 Prozent des Aktienkapitals etwas weniger als bisher der Kanton Bern. Die Pflanzervereinigung Ost verfüge über 13,02 Prozent.
Finanzielle Berichterstattung
Der Gesamtertrag aus Eigenproduktion, Sorten und Handel und dem Bundesbeitrag sank auf 300,0 Millionen Franken (305,3 Millionen). Der Bundesbeitrag betrug 26,0 Millionen Franken (28,8 Millionen). Für die Rüben wurden 143,6 Millionen Franken aufgewendet (163,3 Millionen). Darin sind 6,2 Millionen Franken oder 5 Franken pro Tonne als Grundpreiszuschlag enthalten. Das Betriebsergebnis erreichte 7,6 Millionen Franken (13,7 Millionen). Die Rückstellung für Anpassungen an die neue Zuckermarktordnung der EU konnte mit 5,5 Millionen Franken geäufnet werden. Der Gewinn nach Steuerrückstellung betrug 2,0 Millionen Franken (1,8 Millionen), der Cashflow 27,3 Millionen Franken (31,9 Millionen). Für Investitionen in Sachanlagen wurden 13,2 Millionen Franken (11,7 Millionen) verwendet. In Aarberg wurde die über 30 Jahre alte, zu kleine und reparaturaufwändige Schnitzelmaische durch eine Neuanlage im Wert von 4,2 Millionen Franken ersetzt. In Frauenfeld wurde eine neue vertikale Schnitzelpresse zur Erzeugung von Pressschnitzeln hoher Trockensubstanz installiert.
Die Bilanzsumme erreichte 225,8 Millionen Franken (196,9 Millionen), wovon auf der Aktivseite 92,0 Millionen Franken (97,8 Millionen) in das Sachanlagevermögen investiert waren. Das Eigenkapital betrug 84,8 Millionen Franken (83,5 Millionen). Das Aktienkapital belief sich auf 17,04 Millionen Franken (unverändert gegenüber dem Vorjahr).
Offensive Werbung für Schweizer Zucker
Der Verwaltungsratspräsident informierte auch über die Veränderungen der Zuckermarktordnung in der EU und die Veränderungen durch die AP 2011. Der Verarbeitungsauftrag des Bundes entfalle und damit auch die Bundesabgeltung. Der Bund entlasse die ZAF in die wirtschaftliche Freiheit, was auch neue Möglichkeiten und Chancen bedeute. «Wir wollen und können uns im neuen, wesentlich stärker vom Markt geprägten Umfeld behaupten. Wir werden hierzu unsere Zurückhaltung im Auftritt ablegen und unsere Marke ?Schweizer Zucker? offensiv vertreten», so Stähelin.
Mario Tosato

Philipp Stähelin: «Im Bereich des Aussenhandels durchlaufen wir beim Zuckerpreis eine Phase grosser Unsicherheiten.» (tos)
