Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Zuckerrübenanbau 2017

Ausgabe Nummer 47 (2016)

Für viele Landwirte wird das Jahr 2016, nebst andern Kulturen, bei den Zuckerrüben unbefriedigend ausfallen. Positiv ist, dass der Weltmarktpreis des Zuckers nach wie vor nach oben zeigt. Erfreulich sind auch jüngste Signale aus Bundesbern, was für den Schweizer Zuckerrübenanbau hoffen lässt. Demgegenüber scheint bei einige Produzenten die Rübe weiter an Attraktivität zu verlieren, was für andere die Chance ermöglicht, den Anbau weiter auszudehnen, respektive neu in diese Kultur einzusteigen. – Dies dürfte sogar noch für 2017 möglich sein.

Ertragsniveau
Trotz zwei unterdurchschnittlichen Jahren darf man nicht vergessen, dass bei uns normalerweise ein Rübenertrag von 90 bis 110 t/ha möglich ist. Einigen Landwirten gelang dies auch in diesem Jahr. Voraussetzungen dazu sind: tiefgründige Böden bei denen die Bodenstruktur und Nährstoffversorgung ebenso wie der pH-Wert und Humusgehalt stimmen. Das Saatbett muss mit Wasserüberschuss und Wassermangel gut umgehen können, sodass ein kontinuierliches Wachstum möglich wird. Vervollständigt wird das Ganze von einem angepassten Pflanzenschutz. Ob ein wirtschaftlich gutes oder schlechtes Rübenjahr resultiert, ist somit primär der Witterung und dem Anbauer zuzuschreiben. Fürs Feintuning trägt aber auch die Sorte einiges dazu bei.

Sortenwahl
Die von der Mehrzahl der CH-Landwirten gewünschte Sorte – zuckerreich und blattgesund – können uns die Züchter nach wie vor nicht anbieten, zumindest nicht mit einer konkurrenzfähigen Leistung. Mit der Aufnahme von Yeti konnte beim Zuckergehalt, nicht aber bei der Blattgesundheit, nochmals ein Zacken zugelegt werden. Somit bleibt dem Landwirt primär die Wahl zwischen der blattgesunden, ertragreichen Samuela und den zuckerreichen aber anfälligen Hannibal und Yeti. Bezüglich Cercospora liegen auch die beiden vor einem Jahr aufgenommenen NZTypen Masaï und Barents eher auf der anfälligen Seite. Andererseits ist die blattgesunde Elaina auch bei starkem Krankheitsdruck nicht mehr konkurrenzfähig.
Etwas überraschend lag der absolute Zuckergehalt von der anfälligen Hannibal 2016 an allen Versuchsstandorten immer noch 0,5 % über jenem von Samuela, dies bei jedoch deutlich tieferem Rübengewicht als in den Vorjahren. – Cercospora «kostet» eben nicht nur Zuckergehalt sondern mindestens ebensoviel Ertrag.
Für die Sortenempfehlung gilt somit das gleiche wie vor einem Jahr: «Die Blattgesundheit ist das wichtigste Kriterium, das die Erlösreihenfolge der Sorten bedeutend ändern kann. In Regionen mit regelmässig viel Cercospora oder künstlicher Bewässerung haben Sorten mit einer erhöhten Anfälligkeit keine Anbauberechtigung. Landwirte, die ihre Rüben generell spät roden oder den Pflanzenschutz im Lohn durchführen lassen, sollten blattgesündere Sorten wie Samuela bevorzugen, damit Fungizidspritzungen eingespart werden können».

Geprimtes Saatgut
Geprimtes Saatgut hat nichts mit einer Sorte zu tun, sondern mit einer zusätzlichen Behandlung der Samen. Durch die Aktivierung wird die Keimdauer um zwei Tage verkürzt und die Jugendentwicklung verbessert. Dieser unbestrittene Vorteil hat aber auch einen Nachteil: das Saatgut muss im Verkaufsjahr ausgesät werden. Für eine Überlagerung (Restsaatgut) gibt es keine Auflaufgarantie. Dieses Verfahren wird von Strube unter dem Namen «3Dplus» angeboten. Neu gibt es für die Sorte Hannibal die Möglichkeit auf das Aktivierungsverfahren zu verzichten; ohne Priming läuft unter der Bezeichnung «classic».

Spezialsorten
Die Spezialsorten Timur und Amalia haben bei uns eine geringe Bedeutung. Obwohl es 2016 witterungsbedingt deutlich mehr Wurzelfäulen zu verzeichnen gab, empfehlen wir Timur nur auf Risiko- Standorten mit später Rübenfäule (Rhizoctonia) oder Rübenkopfälchen zu wählen. Amalia ist für Gemüsebaubetriebe mit Heterodera-Nematoden vorgesehen.

OVZ-Regionalversammlungen
In den nächsten Tagen (29. November bis 7. Dezember) stehen an verschiedenen Orten Zuckerrüben- Info-Veranstaltungen an. Nutzen Sie die Gelegenheit und informieren Sie sich aus erster Hand zu Themen wie Blattgesundheit, Rübentransport, Perspektiven für den Zuckerrübenanbau und vieles mehr.


Schweiz. Fachstelle für Zuckerrübenbau
A. Bertschi, Lindau, Telefon 058 105 98 78







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