Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Zuckerrübenpionier feier seinen 90. Geburtstag

Ausgabe Nummer 46 (2016)

Der langjährige Leiter der Schweizer Fachstelle Zuckerrübenbau, Hermann Meyer, konnte kürzlich seinen 90. Geburtstag feiern. Dafür reiste er mit seiner Frau aus der Wahlheimat Chile in die Schweiz zurück. Auf dem Hof seines Neffen Martin Meyer blickte er auf sein grosses Wirken zurück.

In der Festschrift «50 Jahre Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau» findet man folgenden Eintrag: «Als Nachfolger von Hans Liechti übernimmt im Laufe des Jahres 1964 der auf Rüben spezialisierte Agronom Hermann Meyer die Fachstellenleitung. Seine Erfahrungen hat er in Chile gesammelt.» – Nach der Ausbildung zog es den damals 26-jährigen Agronom nach Chile nach Puerto Varas, wo sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem deutsche Auswanderer niederliessen. Ihn reizte dabei die spezielle Herausforderung in der Ferne, und er wollte auch nicht einfach an einer Stelle in der Schweiz versauern. An der Pazifikküste setzte sich der junge Agronom mit der Zuckerrübe auseinander, welche dort grossflächig angebaut wurde. Später erfolgte die Heirat mit der Chilenin Yolanda, welche aber auch Walliser Wurzeln hat.
«Für mich war und ist die Zuckerrübe immer noch eine anspruchsvolle Kultur. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit der Zuckerrübe die Bauern gar erziehen kann», fügt er mit einem Schmunzeln bei. Dies setzte er im fernen Chile auch um, weil man dort keine Fruchtfolge kannte. Doch wo er einst wirkte, gibt es keine Zuckerrüben mehr. Weiter südlich bringen die Felder dank deutlich längerer Vegetationszeit sehr hohe Erträge von über 100 Tonnen pro Hektare.
Er engagierte sich voll bei seiner Arbeit, auch in der Schweiz, im Bemühen um Anpassung an die in unserer Praxis gültigen Normen und Traditionen. Hinter dieser Person steckt ein Bauernsohn, welcher 1926 in Winkel bei Bülach geboren wurde und 1952 am Poly in Zürich als Agronom abgeschlossen hatte. Rückblickend darf er als grosser Förderer des Zuckerrübenanbaus, insbesondere in der Ostschweiz, bezeichnet werden. In seine Wirkungszeit fällt die durch ihn geschaffene dezentrale Dienstleistungsstruktur, welche er massgeblich aufgebaut hatte. Konkret eröffnete er zwei Aussenstellen in der Ostschweiz am Strickhof und in der Romandie, um näher an der Produktion der Zuckerrüben zu sein. Ebenfalls in dieser Zeitperiode wurde das Haus der Zuckerrübe in Aarberg und eigentlicher Geburtsort der Schweizer Zuckerwirtschaft realisiert.

Revolution beim Saatgut
Rückblickend auf die 28 Jahre Wirken von Meyer dürfen die Einführung der einkeimigen Monogermsaat und später Saaten auf Endabstand als revolutionär bezeichnet werden. Diese beiden Schritte sorgten dafür, dass der Handarbeitsaufwand im Feld schlagartig massiv sank. In der Jubiläumsfestschrift findet deshalb Hermann Meyer für sein sehr nachhaltiges Wirken viel Anerkennung.
«Der sehr oft in den Feldern anzutreffende Wissenschaftler, Beobachter, passionierte Filmer und Fotograf Hermann Meyer hat eine wertvolle Bildersammlung hinterlassen, die bis heute viel zum Unterrichts- und Beratungserfolg beiträgt».
Um mit seinen in der Schweiz lebenden Angehörigen zusammen mit seiner 82-jährigen Gattin Yolanda seinen 90. Geburtstag zu feiern, reiste er in die Ostschweiz und verbachte dabei auch einige Tage bei seinem Neffen Martin Meyer, welcher zusammen mit seiner Familie in Schlattingen den Hof Wolfsgruben bewirtschaftet.
Hermann Meyer und seine Gattin hatte es einige Zeit nach ihrer Pensionierung wieder nach Chile gezogen. Seit nun bald 20 Jahren leben sie wieder dort und können während über 300 Tagen im Jahr die Sonne geniessen.


Roland Müller




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