Ausgabe Nummer 34 (2005)
Zuckerrübenanbau unter neuen Bedingungen
Zuckerrübenanbau unter neuen Bedingungen
Noch ist nicht klar, wie die neuen Zuckerrüben-Übernahmebedingungen in den nächsten Jahren und insbesondere nach 2011 aussehen werden. Vieles hängt von der Höhe und Art der Unterstützung des Bundes ab. Da dies aber kaum in Ihrem Einflussbereich liegt, sollten Sie sich auf Dinge konzentrieren, die Sie ändern können.

In Zukunft müssen 12 Tonnen Zucker pro
Hektare die untere Grenze sein. Wird dies
nicht erreicht, werden die Kosten auf der
Fläche zu hoch! (avg)
Sinkender Erlös
Die Erlöse aus dem Rübenanbau werden weiter sinken. Für diese Aussage muss man kein Prophet sein. Wie gehen sie nun aber mit dieser Tatsache um?
- Fahre ich weiter wie bisher und hoffe auf ein Wunder und werfe allenfalls alles hin, wenn das Wunder nicht eintritt?
- Bin ich überzeugter Landwirt, der von seinem Betrieb leben will und kann und auch bereit ist zu kämpfen?
- Bietet mein Betrieb aber trotz Wille bald keine Existenz mehr, braucht es eine verstärkte Zusammenarbeit mit Nachbarn oder eine Arbeit ausserhalb der Landwirtschaft?
- Oder, bereite ich meinen Ausstieg aus der Landwirtschaft vor?
Um in Zukunft nicht von Kosten erdrückt zu werden, braucht es vermehrt auch vor kleinen Investitionen eine objektive Beurteilung der persönlichen Situation. Insbesondere grössere und unsichere Ausgabenposten sollten so geplant werden, dass nach einem möglichen Ausstieg die Investitionen nicht verlorenes Geld bedeuten!
Ertrag optimieren
In Zukunft müssen 12 t Zucker pro Hektare die untere Grenze sein. Wird dies nicht erreicht, werden die Kosten auf der Fläche zu hoch! Andererseits kann der mit hohen Kosten erzwungene Maximalertrag auch nicht das oberste Ziel sein. Es geht vielmehr darum, das Optimum zwischen Ertrag und Kosten zu finden. Dies gilt nicht nur für die Rüben, es muss die ganze Fruchtfolge im Auge behalten werden. Das bedeutet:
- Konsequentere Unkrautbekämpfung in denjenigen Kulturen mit guten und günstigen Herbiziden
- Herbizideinsatz besser auf Unkraut und Witterung abstimmen (weg von Fertigmischungen)
- Totalherbizideinsatz auf den Stoppeln gegen mehrjährige Unkräuter
- Düngung über die Fruchtfolge und nicht kulturbezogen
- Düngung anhand des Entzuges (rund zwei Drittel der Nährstoffe bleiben übers Rübenblatt auf dem Feld zurück!)
- Einzeldünger an Stelle von Volldünger (weg vom Versicherungsdenken)
- Grunddüngung und Kalk auf die Stoppeln
- PH muss über 6,8 liegen
- Mit der Fruchtfolge einen Pflanzenschutz mit geringen Kosten anstreben.
Kosten senken
Fallen die Erlöse, so müssen die Kosten sinken oder die Betriebe wachsen. Beides ist nicht einfach, fürs Überleben aber zwingend notwendig. Unter Wachsen verstehe ich nicht nur flächenmässigen Zuwachs. Je nach Situation liegt die Chance eher bei der Veredelung, Direktvermarktung oder einem neuen Betriebszweig. Selbstverständlich kann es auch wirtschaftlich sein, einen Betriebszweig aufzugeben!
Denken Sie beim Wort «Kosten senken» nicht nur an Hilfsstoffe und Lohnarbeit. Anhand der Produktionskostenerhebung sind die Maschinen-und Zugkraftkosten mit Abstand der grösste Brocken. Gelingt es nicht, diesen Teilbereich zu reduzieren, kann das Gesamtergebnis in Zukunft nie mehr positiv ausfallen. In Deutschland wird erklärt, dass dieser Bereich pro Hektare unter 500 Euro sinken muss, bei uns liegt er bei rund 3000 Franken ... Beim Neukauf(!?) einer Maschine muss somit zwingend auf eine bessere Auslastung (Zusammenarbeit) geachtet werden.
Ein kostengünstigerer Einsatz ist auch abhängig von der Parzellengrösse. Hier haben wir in der Schweiz ein fast unlösbares Problem! In einem weiteren Schritt wird man aber vermutlich nicht darum herumkommen, grössere Einheiten zu schaffen und gemeinsam zu produzieren. Dazu gibt es verschiedene Formen und Möglichkeiten.
Sparpotenzial liegt auch bei der Bodenbearbeitung: Ziel muss es sein, die Intensität zu reduzieren und gleichzeitig das Ertragsniveau zu halten. Vor Rüben sollte generell Getreide stehen und anschliessend eine Mulch- oder sogar Direktsaat angestrebt werden.
Gross ist im Normalfall billiger
Mit einem gemeinsamen Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinkauf sehen die Gebindegrössen und Konditionen bestimmt anders aus als bei der kiloweisen Bestellung.
Sicher kann auch der Lohnunternehmer für entsprechende Gegenleistungen noch Zugeständnisse machen. Etwa beim gemeindeweisen Rübenroden, beim Verzicht auf Querreihen oder einer Erntegarantie für mehrere Jahre.
Weiterbildung
Eine gute Aus- und Weiterbildung führt zu mehr Fachwissen, Motivation und unternehmerischem Denken. Erfolgreich wird der sein, der immer noch Verbesserungsmöglichkeiten sieht und sie auch angeht.
Gespräche
über die Zukunft werden auch innerhalb der Familie wichtiger, und Hofnachfolger müssen in Entscheide frühzeitig miteinbezogen werden. In Deutschland hat man mit einem dorfweise regelmässig organisierten Stamm (nicht Stammtischrunde!) gute Erfahrungen gemacht. Oft war dies der erste Schritt für ein besseres Verständnis untereinander, gleichzeitig aber auch der Anfang für eine Zukunft für alle.
