Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Zufriedene Heubäuche

Ausgabe Nummer 15 (2015)

Am Pensionspferde-Tag erhielten die Teilnehmer Einblick in verschiedene Raufutter und ihre Qualität. Vom Anbau über die Konservierung bis hin zur Verdauung erfuhren die Teilnehmer Interessantes. Dabei war nicht nur Zuhören angesagt, gefordert wurden auch auch die eigenen Sinne.

«Wer kennt diese Pflanze», fragt der Agrotechniker Michael Sutter. Er hält den Teilnehmern in einem Behälter beige bis braune, breitblättrige Kräuter entgegen. Die einen schauen die getrockneten Herbstzeitlosen gespannt an. Andere riechen daran oder nehmen sie in die Hand. Rund 150 Interessierte trafen sich am Pensionspferde-Tag am Strickhof mit dem Motto «zufriedene Heubäuche». Nicht nur der Anbau für Raufutter stand im Zentrum, sondern auch deren Konservierung bis hin zu den Pferden und ihre Verdauung. Der Morgen gehörte verschiedenen Referenten, am Nachmittag konnte das Gehörte an sieben Posten hautnah und spürbar erlebt werden. Gefragt war die eigene Sensorik.

Giftig ist relativ
Beim Posten «Giftpflanzen im Heu» erklärte Michael Suter, welche Pflanzen besonders giftig sind. 450 Pflanzen gehören in diese unerwünschte Kategorie. «Giftig ist relativ», sagte Suter und brachte den Vergleich von zu viel Zuckerkonsum beim Menschen, auch bei diesem könne Überkonsum schädlich sein. «Die stark giftigen Pflanzen treten normalerweise nicht sehr häufig auf.» Er zeigte unter anderem den Unterschied zwischen dem Kriechenden und dem Scharfen Hahnenfuss. Der Scharfe hat drei Blätter, die zum Stiel zusammenführen und meist auf zu fest abgenutzten Weiden vorkommt. Auch der Breitwegerich gehört dazu, beide sind nicht hochgiftig, aber kein willkommener Gast auf Pferdeweiden. Manche Kräuter verlieren, getrocknet im Heu, ihre giftige Wirkung. Andere zeigen ihre Wirkung erst mit Spätfolgen und lagern die Giftstoffe in der Leber ab.

Haylage sensorisch prüfen
Ein anderer Posten zeigte Haylage aus verschiedenen Heuschnitten. Werner Hengartner bat die Teilnehmer, das Raufutter genau anzuschauen und sensorisch zu prüfen. Dabei kommt es nicht nur auf den Geruch und die Farbe an, sondern auch, wie es sich zum Anfassen anfühlt. Ein leicht säuerlicher Geruch sei normal. Die Farbe sollte grünlich bis bräunlich- gelb sein. Erwünscht sind viele sichtbare Stängel und Rispen sowie wenig Verunreinigungen und Blätter. Bei Schimmelbefall sei dieser grosszügig zu entfernen. «Eine geöffnete Balle sollte in dieser Jahreszeit innert einer Woche verfüttert sein, in den heissen Monaten sogar schneller», sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Strickhofs. Er löse für seine Pferde nur so viel von der Balle ab, wie er zum Füttern brauche und mische es mit normalem Heu.

Wintergrün als Heu
An zwei Posten befassten sich die Teilnehmer mit verschiedenem Heu. Stark gefragt war erneut die Sensorik der Teilnehmer. Eifrig wurde über das ideale Pferdeheu diskutiert und die Proben beurteilt. Einig waren sich alle: Gutes Heu soll einen aromatischen Heugeschmack mit deutlich sichtbaren Rispen haben, viele Stängel aufweisen, rau und steif im Griff und frei von Staubentwicklung und Schimmel sein, egal, ob erster Schnitt oder Emd.
Teilnehmer Heinrich Schlatter hört zum ersten Mal von getrocknetem Wintergrün. Angepflanzt hat der Mann aus Otelfingen den Bodendecker auch schon, aber nicht für Pferdefutter getrocknet. «Das ist sicher eine gute Sache, aber für mich beansprucht es den Boden zu lange.» Er führt neben seiner Mutterkuhhaltung einen Pensionspferdestall. Die Tagung findet er interessant und die Qualität des Futters beeindruckte ihn genauso, wie der Einblick über die Verdauungsorgane. «Wer damit kein Problem hat, weiss meist auch nicht viel darüber.» Die Vorträge am Morgen riefen bei Romy Raschold einiges wieder ins Gedächtnis. «Der ganze Tag ist sehr interessant», sagte die Frau aus Buch am Irchel, sie arbeitet in einem Pensionspferdestall.

Meinungen gehen auseinander
Fütterungsberater Markus Boll von Hypona informierte die Teilnehmer über die bedarfsgerechte Fütterung. «Schaut eure Pferde an, man sieht, ob sie zu dick sind oder das Fell stumpf ist», sagte Boll. Alles Getreide zum Herstellen von Brot eigne sich nicht als Pferdefutter. Dabei erwähnt er unter anderem den Weizen. Gerste und Mais hingegen seien ideal, ebenso Hafer, der gut für die Verdauung sei. Hypona bietet eine grosse Palette diverser Mischungen für verschiedene Bedürfnisse an. «Raufutter alleine reicht nicht, Futter und Menge hängen von der Leistung ab», erklärte Boll und betonte, dass dabei auch kleine Leistungen zählen. Nicht ganz dieser Meinung war Christa Wyss vom Agroscope-Nationalgestüt in Avenches bei ihrem Posten «Tricks und Tipps zur Gewichtsregulierung ». «Bis der Bedarf so gross ist, dass Zusatzfutter nötig ist, brauchen Pferde sehr viel Bewegung », sagte Wyss. Für sie können sich die Tiere gut von Heu und Gras ernähren. Wenn sie zu dick sind, müsse zuerst das Kraftfutter reduziert werden. Festzustellen sei dies zum Beispiel je nach Alter und Rasse an Hals, Widerrist und Schweifansatz. Sie rät von zu radikalen Massnahmen ab. «Eine Gewichtsregulierung braucht seine Zeit», ergänzte sie und zeigte verschiedene Methoden, wie das Füttern von Raufutter gleichzeitig als Beschäftigung und Zeitvertreib für die Pferde verbunden werden kann.


Daniela Ebinger







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