Ausgabe Nummer 19 (2006)

zurück zur Übersicht

Zukunft wird im Parlament ausgekäst

Silofreie Milch – Streichung der Siloverzichtszulage

Zukunft wird im Parlament ausgekäst

Mit den Vorschlägen in der Agrarpolitik (AP) 2011 stellt der Bundesrat die Landwirtschaft vor eine kaum lösbare Aufgabe. Die Schweizerische Vereinigung der silofreien Milchproduzenten (SVSM) ist nicht bereit, die vorgeschlagene massive Kürzung der Verkäsungszulage und die Streichung der Siloverzichtszulage hinzunehmen, und wappnet sich deshalb für das «politische Auskäsen» im Parlament.

Der Vorschlag des Bundesrates für die AP 2011, welcher eine massive Kürzung der Verkäsungszulage und eine vollständige Streichung der Siloverzichtszulage vorsieht, wird die Milchbauern, welche in der Fütterung auf Silage verzichten, wirtschaftlich hart treffen:

  • Der Milchpreisrückgang wird nicht durch Direktzahlungen kompensiert.
  • Die Produktionskosten verharren auf hohem Niveau und untergraben die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Käsebranche.
  • Ab Mitte 2007 wird das Käse-Freihandelsabkommen Schweiz–EU wirksam, was weiteren Druck auf den Schweizer Milch- und Käsemarkt ausübt.

Die Aufgabe, die der Bundesrat den silofreien Milchproduzenten und der Käsebranche in der AP 2011 stellen will, ist unlösbar. Sie sollen zu Schweizer Preisen produzieren, aber wegen der Grenzöffnung die Produkte zu EU-Preisen verkaufen müssen. Die Folge ist eine rasche Erosion des heute schon sehr tiefen Einkommens aus der Milchproduktion. Die silofreien Milchproduzenten können einer Änderung der Landwirtschaftspolitik nicht zustimmen, welche nur bei den Produzenten Marktmechanismen dereguliert, Stützungs- und Grenzschutzmass-nahmen abbaut und das bäuerliche Einkommen drastisch schrumpfen lässt, während auf Seite der Produktionskosten der politische Wille fehlt, Gleichschritt zu halten.
Es gibt gewichtige Argumente für die Weiterführung der Siloverzichtszulage:

  • Milch aus silofreier Produktion bildet das Rückgrat der Schweizer Käse-Exporte. Über 90 Prozent der
    57 000 t Exportkäse sind Spezialitäten aus silofrei produzierter Rohmilch. Der Zulagenabbau würde das empfindliche Gleichgewicht stark und nachhaltig stören.
  • Die Milchproduktion und die traditionelle Käseherstellung sind in wirtschaftlichen Randregionen ein wichtiges Standbein in der gesamten Gewerbestruktur.
  • Milchproduktion mit silofreiem Futter eignet sich bestens zur standortgerechten Nutzung von artenreichen Wiesen und Weiden.
  • Österreich, viel zitiertes Beispiel für innovatives Käse-Exportmarketing, fördert Milch aus silofreier Fütterung mit flächenbezogenen Direktzahlungen.

Die Siloverzichtszulage hat in zwei Dritteln der Kantone und bei allen Organisationen der Milch- und Käsewirtschaft höchste Akzeptanz und Bedeutung. Sollte der Bundesrat über dieses Ergebnis hinwegsehen, so wird die SVSM zusammen mit den Partnerorganisationen die Nachbesserung zur AP 2011 im Parlament auskäsen.

Warum eine silagefreie Milchproduktion?

Die meisten traditionellen Schweizer Rohmilch-Käsespezialitäten wie Emmentaler Switzerland, Le Gruyère AOC, Appenzeller®, Sbrinz AOC und weitere Sorten können nur aus Milch von Kühen hergestellt werden, die kein Silofutter verzehrt haben. Milch aus Silagefütterung weist eine mikrobiologische Beschaffenheit auf, welche die Rohmilchkäse während ihrer mehrmonatigen Reifungszeit blähen lässt. In der Milch von Kühen, die ausschliesslich mit Grün- und Dürrfutter (vorwiegend Gras, Heu, Emd) sowie gezielter Ergänzung von Getreide und Mineralsalzen gefüttert wurden, fehlen diese störenden Mikroorganismen. Milch aus silagefreier Fütterung steht deshalb immer am Anfang der traditionellen Schweizer Käsespezialitäten.
Auskünfte: Karl Tschuppert, Präsident SVSM, Telefon 041 980 10 20, Natel 079 641 80 27, oder Christoph Grosjean-Sommer, Geschäftsführer, Telefon 031 359 53 18, Natel 079 645 81 36.

SVMS