Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Zukunftskonferenz - aus Visionen Projekte entwickeln

Ausgabe Nummer 7 (2016)

An der Zukunftskonferenz Fischingen einigten sich in Dussnang Vertreter der Landwirtschaft, des einheimischen Gewerbes und des Tourismus darauf, drei konkrete Projekte in Gruppen weiter zu bearbeiten.

Die Erwartungen der Vorstandsmitglieder des Projektes Regionale Entwicklung Tannzapfenland (PRE) waren hoch, als sie am Freitagabend die Interessierten zur Zukunftskonferenz in der Dussnanger Hörnlihalle in Empfang nahmen. Sind es zehn, zwanzig oder gar hundert Leute, die sich mit Zukunftsvisionen für ihre Region befassen möchten und dazu ihren freien Freitagabend und den Samstag zum Philosophieren opfern? Mit über 50 besetzten Stühlen war Werner Ibig, Vereinspräsident, zufrieden. Auch Gemeindeammann Willy Nägeli gab sich zuversichtlich, lasse sich doch eine regionale Entwicklung nicht von oben herab verordnen. Er sei stolz, dass sich interessierte Menschen aus seiner Gemeinde zusammen mit Vertretern aus dem Gewerbe, der Landwirtschaft und dem Tourismusbereich gemeinsam überlegen, wie sich Lebensqualität und Wirtschaftskraft weiter entwickeln lassen und die Gemeinde attraktiv bleiben oder noch attraktiver werden könne. Dass es für die Regionalentwicklung eine breite Basis braucht, bestätigte auch Stefan Forster, Leiter des Forschungsbereichs Landschaft und Tourismus an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), der zusammen mit Yvonne Pirchl-Zaugg (ZHAW) die Konferenz leitete.

Mobile Landfrauenbeiz und Glasfasernetz
So galt es am Freitagabend, fürs erste die Perlen aus der Region aufzulisten. Die Gruppen hatten keine Mühen, die zahlreichen Schmuckstücke ihrer Region zu finden. Von der intakten Landschaft über die gute Schule, das Kloster und den Kneipphof, den Skilift, das vielfältige Gewerbe, den öffentlichen Verkehr, die Ausbildungsplätze bis zur geringen Bevölkerungsdichte, zum aktiven Vereinsleben und dem umfassenden Naherholungsgebiet wurde alles genannt, was sich ins Thema einbetten liess. In einer zweiten Runde diskutierten dann die Gewerbler, die Tourismusleute und die Landwirte in separaten Runden. So wünschten sich die Gewerbler weniger Auflagen und bessere Voraussetzungen für das ortsansässige Gewerbe. Zum Beispiel, indem beim Landverkauf der Gemeinde an Bauinteressierte, ein Nachlass gewährt würde, wenn ortsansässige Betriebe die Arbeiten ausführen könnten. Mit knapp 30 Teilnehmern stürzte man sich am Samstagmorgen erneut in die Arbeit und liess den Träumen freien Lauf. Man wünschte sich eine Langlaufloipe, ein generationenübergreifendes Wohnprojekt, einen Geschenkharass aus der Region, günstiges Bauland und Wohnungen für Familien, ein Tannzapfenhaus, eine mobile Landfrauenbeiz, das Glasfasernetz für alle, ein eigenes Schlachthaus, eine Spielscheune und vieles mehr.

Verein Gewerbe, Landwirtschaft und Tourismus
Aus der beeindruckenden Fülle von Wünschen und Träumen kristallisierten sich indes noch vor dem gemeinsamen Mittagessen, für welches die Landfrauen Tannzapfenland zuständig waren, drei klare Favoriten heraus, die von allen Teilnehmenden unisono als prioritär erklärt wurden. Die Anwesenden fanden es wichtig, die Gründung eines gemeinsamen Vereins für das Gewerbe, die Landwirtschaft und den Tourismus mit einer eigenen Geschäftsstelle voranzutreiben. Auch den Verkauf regionaler Produkte unter einem gemeinsamen Label erachtete man als sehr wichtig, und drittens möchte man ein Restaurant, das zum Verkauf ausgeschrieben ist, als genossenschaftliche Kulturbeiz betreiben. Ein weiteres Ziel ist ein Ausflugsrestaurant, das die grosse Lücke füllen könnte, die durch die Schliessung der Restaurants in Allenwinden und Au besteht. Bis zum frühen Abend tüftelten die Teilnehmer an den Konzepten, formulierten aus visionären Wünschen realistische Ziele und terminierten die ersten Sitzungen der Arbeitsgruppen, welche die favorisierten Ideen weiter bearbeiten. Das Ziel, mit den ausgewählten Ideen im Laufe des Jahres konkrete Projekte zu entwickeln, schien allen realistisch.


Text und Fotos: Ruth Bossert
















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