Ausgabe Nummer 2 (2005)
Zukünftiger Anbau von Obst und Gemüse im Thurgau eine Analyse
| Teil 2: Entwicklungspotenziale im Obst- und Gemüsebau | |||
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Zukünftiger Anbau von Obst und Gemüse im Thurgau eine Analyse
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| Im Thurgauer Bauer Nr. 50 vom 10. Dezember 2004 wurden im Teil 1 dieser Analyse Ergebnisse aus der ETH-Diplomarbeit über den Obst- und Gemüsebau im Thurgau vorgestellt. Dabei ging es vorwiegend um die zukünftigen Entwicklungen und Potenziale der Obstproduktion. In diesem zweiten Teil soll der Gemüsebau im Vordergrund stehen und insbesondere der Frage nachgegangen werden, wie stark sich die Anbaustrukturen bei Preisanpassungen verändern. Ebenfalls soll dabei von Interesse sein, ob im Strukturanpassungsprozess zwischen der konventionellen ÖLN-Produktion und der biologischen Produktionsform Unterschiede festzustellen sind. | |||
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| Die Hauptproduktionsgebiete von Gemüse liegen in den Kantonen Zürich, Bern/ Fribourg und Aargau. Diese drei Regionen vereinen rund 50 Prozent der gesamten Anbaufläche von gegen 13800 Hektaren. Im Thurgau produzieren 265 Landwirte und Gärtner auf 1400 Hektaren rund 35000 Tonnen Gemüse, was einem jährlichen Endrohertrag von 60 Mio. Franken entspricht. Ein Grossteil der Produzenten konzentriert sich auf den Anbau von Frisch- oder Lagergemüse. Zunehmend an Bedeutung gewinnt der Anbau unter Glas oder im Folientunnel. Bereits heute sind 900 Hektaren Gemüse in der Schweiz überdeckt, Tendenz weiter steigend. Insbesondere in den Kantonen Genf, Waadt oder Tessin ist diese Anbauform anteilsmässig bedeutend. Doch auch im Thurgau nimmt die Fläche unter Glas weiter zu. Rückläufig ist hingegen der Anbau von Verarbeitungsgemüse. 1999 betrug der Anteil an der Gesamtproduktion einen Viertel, heute sind es noch rund 20 Prozent. Festzustellen ist gerade auch im Thurgau, dass die Anbaufläche von Verarbeitungsgemüse in den letzten vier Jahren um über 30 Prozent abgenommen hat. Problemfelder und zukünftige Herausforderungen Laufende Marktveränderungen erfordern von den Gemüsebaubetrieben ständig Anpassungen, dabei ist der Druck zur Kostensenkung bereits heute in vielen Betrieben sehr gross. Doch infolge der bilateralen Abkommen mit der EU und mit den möglichen Zugeständnissen im Rahmen von GATT/WTO ist eine weitere Wettbewerbsverschärfung zu erwarten. Das im Juli 2004 verabschiedete Übereinkommen der WTO-Mitgliedstaaten (da-runter auch die Schweiz) sieht gerade im Bereich des Marktzutritts weitere Zollreduktionen vor, welche die Importe in die Schweiz vergünstigen würden. Davon könnte besonders die Gemüsebranche betroffen sein, da die Schweiz in diesen Bereichen einen teilweise prohibitiv hohen Zoll auf Importe erhebt und in der WTO genau solche Positionen sehr umstritten sind. Um aber bei heiklen Produkten trotzdem einen angemessenen Zollschutz zu gewährleisten, können so genannte sensitive Produkte vom Zollabbau zumindest teilweise ausgenommen werden. Diese wären aber noch genauer zu definieren. Was solche Preisreduktionen für Konsequenzen auf die Anbaufläche hätten, kann anhand komplexer ökonomischer Modelle untersucht werden. Zusammenfassende Modellergebnisse Die folgende Abbildung zeigt ausgewählte Ergebnisse der Modellrechnungen. Mit diesen Berechnungen wurde zum Beispiel untersucht, was passieren würde, wenn sich nur einseitig die Preise verändern, ohne dass sich auch das Kostenniveau anpasst. Die Abbildung zeigt einmal eindrücklich, dass im Gemüsesektor bei Preisveränderungen starke Substitutionsbeziehungen zwischen den einzelnen Kulturarten bestehen. Falls sich bei einem Gemüseprodukt die wirtschaftliche Situation relativ zu einem anderen verschlechtert, kann innerhalb der bestehenden Produktionskapazitäten auf ein günstigeres Produkt ausgewichen werden. Generell ist auch festzustellen, dass die biologische Produktion bei Preissenkungen verstärkt unter Druck gerät. Dies aufgrund relativ vieler teurer Kostenpositionen. Gerade der Faktor Arbeit ist im Gemüsebau eine entscheidende Grösse, welche sich entsprechend auf der Aufwandseite niederschlägt und die Rentabilität beeinflussen kann. Können diese Kosten nicht parallel zum Preisdruck reduziert werden, verlieren alle arbeitsaufwändigen Kulturen an Konkurrenzkraft. Steigen jedoch die Preise im Vergleich zu den Kosten, steigt der Anbau dieser Gemüse überproportional an, und damit wird auch die biologische Produktion wirtschaftlich sehr interessant. Einige mögliche Folgerungen Die sich verändernden wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen führen dazu, dass sich die landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen laufend ihrem Umfeld anpassen (müssen). Damit befinden sich die Strukturen im permanenten Wandel. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass sich die Thurgauer Gemüseproduzenten auch in Zukunft unter den sich ändernden Rahmenbedingungen weiterhin im Vollerwerb auf die Produktion von Gemüse konzentrieren werden. Allerdings ist es wenig wahrscheinlich, dass mittelfristig im grösseren Stil neue Betriebe in den Anbau von Gemüse einsteigen werden, vorausgesetzt, die Preise passen sich weiter dem EU-Niveau an. Ein gewisser Druck kann allenfalls aus den übrigen Ackerkulturen erwartet werden. Sofern es die Anbauverhältnisse zu lassen, kann es sich für Ackerbaubetriebe wirtschaftlich lohnen, in beschränktem Umfang in den Gemüseanbau einzusteigen. Wie aber die Modellresultate weiter zeigen, ist der Wechsel in den Nebenerwerb für wenig spezialisierte Betriebe vergleichsweise attraktiver als für spezialisierte Betriebe. Damit zeichnet sich nicht zuletzt eine weitergehende Spezialisierung und Professionalisierung des Gemüsebaus ab. Markus Leumann, Prof. Dr. Peter Rieder, Institut für Agrarwirtschaft, ETH Zürich |
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