Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Zunehmende Wetterextreme fordern den Futterbau

Ausgabe Nummer 31 (2016)

Nicht nur am Milchmarkt, sondern auch im Futterbau werden Milchproduzenten zukünftig aufgrund zunehmender Wetterereignisse mit schwankenden Bedingungen leben müssen. Welche Massnahmen sich eignen um deren Folgen zu bewältigen, wird an der Ostschweizer AGFF-Tagung am 11. August 2016 in Hohentannen TG diskutiert.

Der nasse Sommer 2014 und das trockene 2015 haben viele Landwirte vor grosse Herausforderungen gestellt. Auch die diesjährige Feldsaison zeigt sich bisher von einer schwierigen Seite. Mit welchen Wetterextremen müssen wir in Zukunft rechnen? Und wie kann man sich im Futterbau darauf vorbereiten?

Ein Blick ins 2060
Ein Fachbericht von MeteoSchweiz (Nr. 243, 2014) zeichnet für das Jahr 2060 verschiedene Wetterszenarien. Es scheint dabei durchaus möglich zu sein, dass das Klima 2060 für St. Gallen (776 m.ü.M.) demjenigen von Genf (420 m.ü.M.) von heute ähneln könnte. An vielen tiefergelegenen Orten des Mittellandes wird im Jahr 2060 dasjenige Klima vorherrschen, wie wir es heute von der Alpensüdseite kennen. Zurzeit dauert die Vegetationsperiode im Mittelland zwischen 240 und 270 Tage. Diese wird bis ins Jahr 2060 um 25 bis 40 Tage länger, was vor allem einen früheren Start (Februar) bedeuten wird. Das Risiko für Frostschäden wird dadurch grösser. Wie sich die Niederschläge verteilen werden, ist schwierig zu sagen, da sich extreme Trocken- und Nässeperioden mehren werden. Insgesamt ist allerdings davon auszugehen, dass die Winter niederschlagsreicher und die Sommer niederschlagsärmer sein werden.
Auch in den Voralpen wird das Klima wärmer. Die Zahl der Sommertage (über 25 °C) in den Tälern wird gemäss Fachbericht bis ins Jahr 2060 um 28 Tage zunehmen. Auch in mittleren Lagen ist mit 14 bis 21 Sommertagen mehr zu rechnen, in Lagen über 1500 m.ü.M. wird es neu einige Sommertage geben. Als zusammenfassendes Beispiel wird im Bericht jenes von Einsiedeln (910 m.ü.M.) genannt, welches im Jahr 2060 das Klima vom heutigen Luzern haben wird.

Futterqualität und Tiergesundheit
Die in den letzten Jahren oft beobachtete Frühjahrstrockenheit kann sich in Zukunft häufen. Die Datengrundlage dafür ist allerdings noch zu unsicher, um genaue Voraussagen machen zu können. Längere, regionale Nässe- und Dürreperioden über das ganze Jahr werden aber mit grosser Wahrscheinlichkeit zunehmen. Das bedeutet, dass Futterbaupflanzen vermehrt unter Hitzestress oder Staunässe leiden werden. Ertragsschwächere Gräser, wie zum Beispiel das wenig appetitliche Gemeine Rispengras, werden sich ausbreiten. In Zeiten von statischen Wetterbedingungen mit immer wiederkehrenden Niederschlägen, wie wir das heuer erleben, wird die Anzahl Erntemöglichkeiten kleiner. An nass befahrenen Stellen vermehren sich Unkräuter. Dies bedeutet nicht nur, dass stressresistentere und ernteelastischere Nutzpflanzen in Zukunft gebraucht werden, sondern dass auch die technischen Lösungen für die Futterbergung weiterentwickelt werden müssen.
Wie werden sich diese veränderten Voraussetzungen auf die Ernährung des Rindviehs auswirken? Das konservierte Futter von morgen wird ohne Anpassung aller Voraussicht nach auch einseitiger bezüglich Inhaltsstoffe (zum Beispiel viel beziehungsweise wenig Zucker) und auch grosse Unterschiede bezüglich Verdaulichkeit aufweisen. Dies wird vor allem dann der Fall sein, wenn das Futter nicht rechtzeitig geerntet werden konnte und dadurch einen erhöhten Anteil ADF beziehungsweise Lignin aufweist. Auch darf die Bedeutung des Rohaschegehalts nicht unterschätzt werden. Tendenziell ist bei nassen Witterungsbedingungen immer mit mehr Dreck im Futter zu rechnen, welcher bei Silagen den Gärverlauf und die Stabilität beeinflusst. Verschmutztes Futter (> 10 % Rohasche) erreicht einen weniger tiefen pH und ist deutlich anfälliger auf Fehl- und Nachgärungen. Insbesondere gelangen durch Verschmutzung Clostridien ins Futter, die für die äusserst ungünstige Buttersäuregärung verantwortlich sind. Ausserdem stört ein hoher Rohaschegehalt die mikrobielle Tätigkeit im Pansen sowie die Aufnahme der Nährstoffe im Darm. Insbesondere für Betriebe mit hohen Milchleistungen dürfte letzteres vermehrt die Ursache sein für Ketose und deren Folgeerscheinungen wie verzögerte Fruchtbarkeit, Klauenleiden oder erhöhte Zellzahlen. Umgekehrt bei sehr guten Wachstumsbedingungen können hohe Zuckergehalte gerade bei silofreien Betrieben im Winter zu häufigerem Auftreten von subklinischer Pansenübersäuerung mit ähnlichen Symptomen führen. Dies wird einem immer wieder klar, wenn man sich verdeutlicht, wie viel Zucker eine silofrei gefütterte Kuh täglich aufnimmt. Beispielsweise hatte 2015 das belüftete Dürrfutter aus der Region SG/TG zwischen 600 und 799 m.ü.M. einen durchschnittlichen Zuckergehalt von 148 g/kg TS. Eine silofreie Kuh mit einem TSVerzehr von rund 18 kg frisst also täglich über 2,5 kg Zucker. Eine passende Ausgleichsfütterung ist sowohl in Jahren mit extrem wenig als auch mit sehr hohen Zuckergehalten im Futter unumgänglich, denn die Kosten für Behandlungen und die Mindererträge rechtfertigen einen angemessenen Futterzukauf in den meisten Fällen.

Anpassungsstrategien
Das Wiesenfutter von morgen hält also für den Rindviehhalter viele Herausforderungen bereit. Wie kann man sich und seinen Betrieb fit für den (Klima)Wandel im Futterbau machen? Forscher, Berater und Praktiker werden an der Ostschweizer AGFF-Tagung aufzeigen, wie sich der Landwirt von heute sortenund verfahrenstechnisch auf diese Entwicklungen vorbereiten kann. Es werden Anpassungsstrategien im Kunst- und Naturfutterbau und Entscheidungskriterien für den Zukauf von Grund- und Ausgleichsfutter aufgezeigt. Der Klimawandel hat allerdings auch Chancen für die Schweizer Landwirtschaft bereit. So wird am 11. August auch darauf eingegangen, welchen Beitrag die Landwirte an der Emissionsminderung leisten können und was innovative Landwirte bereits heute machen, um am Image der klimaschonenden Schweizer Landwirtschaft zu arbeiten. Und vielleicht bieten sich mit den neuen klimatischen Bedingungen auch Möglichkeiten zum vermehrten Anbau von Eiweisspflanzen. An der Ostschweizer AGFF-Tagung werden nach dem Postenrundgang und dem Mittagessen verschiedene Firmen, welche im Futterbau tätig sind, gerne mit Ihnen über mögliche Lösungsstrategien diskutieren.







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