Ausgabe Nummer 46 (2008)
Zur aktuellen Situation im Milchmarkt
Käserei in der Vehfreude
Die Milchproduktion ist innert Jahresfrist um 7 Prozent gestiegen. Diese Mehrproduktion trifft auf eine verhaltene Nachfrage und einen steigenden Importdruck. Bereits jetzt werden zumindest im Industriebereich die Preise gesenkt. Diese Marktkräfte gilt es zu respektieren. Wer ein Chaos auf dem Milchmarkt verhindern will, und das wollen anscheinend alle, der muss dafür besorgt sein, dass die Bedingungen für alle gleich sind.Wachstum muss möglich sein, aber nicht zulasten der Basismengen anderer.Genau hier ist der Ansatz, welcher die Stossrichtung des neu gegründeten Vereins Schweizer Milch VSM von der Haltung der SMP unterscheidet. Gemäss einstimmigem Beschluss des SMP-Vorstandes soll insbesondere ein allgemeinverbindlicher Interventionsfonds zum Abbau von Fettüberschüssen in Krisensituationen wie jetzt eine Preisspirale nach unten verhindern helfen. Ebenfalls einstimmig wurde einer Segmentierung des Milchpreises zugestimmt mit klarer Definition der Basismenge (Lieferrechte 2008/2009 ohne Mehrmengen). Zur Bewältigung der Restmengen hat sich der SMP stets offen gezeigt für verschiedene Modelle, inklusive dem Börsenmodell des VSM.
Persönlich würde ich sogar noch weiter gehen, und dem VSM für die Zukunft durchaus die Funktion einer «Proviande- Milch» zutrauen mit einem starken SMP als «Stabsstelle Milchproduktion und Basismarketing». Dies bedingt aber eine paritätische Zusammensetzung, eine neutrale Leitung, sowie Gleichbehandlung aller Mitglieder.
Trotz offener Haltung der SMP und mehrfach positiven Signalen der Industrie wird jetzt ein Keil zwischen die Produzenten getrieben. Durch diffamierende Äusserungen und provokative Preisforderungen soll offensichtlich der SMP in die Opposition gezwungen werden. Sehr tragisch ist dabei, dass einzelne Produzentenvertreter des VSM ohne Konsultation ihrer Milchproduzenten sich über die einstimmigen Vorstandsbeschlüsse hinwegsetzen, die sie selber mitgetragen haben. Leider machen Machtspiele, Geltungsdrang und Eigennutz viele gut gemeinte Lösungsansätze zunichte, Gotthelfs Käserei in der Vehfreude lässt grüssen.
Ich bin nach wie vor überzeugt, dass ein grosses Potenzial an Übereinstimmung vorhanden ist.Alle, die sich im Moment in Fragen rund um den Milchmarkt exponieren, müssen jetzt Verantwortung übernehmen. Dazu zähle ich explizit auch die Thur Milch Ring AG mit ihrem Präsidenten Roland Werner als Initianten der ganzen Aktion.
Ruedi Schnyder, Ellighausen, Präsident Thurgauer Milchproduzenten
Schwierige Situation gibt zu Besorgnis Anlass
Die Thurgauer Milchbauern sind besorgt über die Meldung der Gründung des Vereins Schweizer Milch (VSM) und der gleichzeitigen Ankündigung einer Milchpreissenkung. Just nach der Gründung des VSM verkündet deren Präsident und Vertreter der Milchindustrie eine massive Milchpreissenkung ab 1. Januar von mindestens 5 Rappen an. Der Sprecher von Hochdorf, Mitglied des VSM, verlangt sogar eine Senkung von 10 bis 20 Rappen.Die ungewisse Preissituation ab 1. Januar und dann insbesondere nach der Aufhebung der Milchkontingentierung weckt in vielen Bauernfamilien Existenzängste. Zumal gleichzeitig die Diskussion um ein EU-FHA läuft, die auch einiges an Herausforderungen an den Tag fördert. Der Vorstand des Thurgauer Bauernverbandes hat für diese schwierige Situation Verständnis. Allerdings dürfen sich die Bauernfamilien durch die Schlagzeilen nicht zu stark einschüchtern lassen. Es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren und Lösungen in dieser schwierigen Situation zu finden.
Der Thurgauer Bauernverband ist im Gespräch mit dem Verband Thurgauer Milchproduzenten und unterstützt die Thurgauer Milchproduzenten bei der Bewältigung der schwierigen Situation.
Andreas Binswanger, Präsident Thurgauer Bauernverband
