Ausgabe Nummer 41 (2004)
Zusammenarbeit auch über die Grenzen
| Interreg IIIA: Qualitäts- und umweltbewusste Produktion von Gemüse und Obst im Bodenseeraum | |||
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Zusammenarbeit auch über die Grenzen
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| Das Projekt Interreg III A möchte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Bodenseeregion fördern. So sollen die wirtschaftliche Entwicklung, das gegenseitige Verständnis und persönliche Kontakte verstärkt werden. Das Projekt läuft von 2003 bis 2006. Nach der Halbzeit wurde anlässlich einer Pressekonferenz im deutschen Bavensdorf Zwischenbilanz gezogen. | |||
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| «Nicht nur die Sprache, sondern auch die geschichtlichen Wurzeln verbinden diese Regionen», erklärt Erich Hermann vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum in Stuttgart. Die heute existierenden Grenzen seien vorwiegend zu Napoleons Zeit entstanden. Früher waren die einzelnen Teilregionen eng miteinander verbunden. Das Gebiet werde heute nicht mehr als einheitliche Region wahrgenommen, eine regionale Identität existiere kaum mehr. Das Projekt Interreg IIIA möchte die Entwicklung des gemeinsamen Wirtschaftsraumes wieder unterstützen. Obst Das Ziel von Interreg IIIA ist, qualitäts-und umweltfreundlich erzeugtes Obst vom Bodensee zu fördern. Die Kernobstproduktion muss verschiedenen Ansprüchen gerecht werden: Der Handel erwartet schönes Obst mit gutem Geschmack zu günstigen Preisen. Die Gesellschaft verlangt eine umweltgerechte Produktion, während die Obstbauern ein ausreichendes Einkommen erzielen möchten. Im Rahmen des Projekts Interreg IIIA wurde eine Arbeitsgruppe aus schweizerischen, österreichischen und deutschen Wissenschaftlern gegründet, die regelmässig über obstbauliche Themen wie Pflanzenschutz, Düngung, Anbautechnik, Lagerung und Markt miteinander diskutieren. Dafür wurden keine neue Beratungsorganisation aufgebaut, sondern Mitarbeiter von bestehenden Beratungsorganisationen zusammengeführt. Auf der Internetplattform «seedata» unter www.interregbodensee.com werden Informationen über Schädlinge und Pflanzenschutz ausgetauscht. So konnten bis jetzt Informationen über Apfelwickler- und Schorfpopulationen koordiniert werden. Mit dieser Internetplattform können die Berater eine für die Region massgeschneiderte und aktuelle Beratung anbieten. Unnötige Behandlungen sollen vermieden werden. So wird die Umwelt geschont, und die Wirtschaftlichkeit kann verbessert werden. «Ziel ist es, diesen Austausch auf weitere Schädlinge auszubreiten», blickt Manfred Büchele vom Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavensdorf in die Zukunft. Zudem stehe auf der Internetseite ein Archiv über Obstkrankheiten und Schädlinge zur Verfügung. Obstbaubetriebe in Deutschland und der Schweiz Büchele ist überzeugt, dass nur eine wirtschaftliche Produktion die Zukunft des Obstanbaues am Bodensee sichern kann. Ganz besonders gelte dies für die deutsche Seite, die zunehmend dem globalisierten Wettbewerb ausgesetzt ist. Doch stehen auch im Thurgau die Zeichen für eine stärkere Annäherung an die Wettbewerbsverhältnisse der EU. Analysen der Buchführung sind ein bewährter Ansatzpunkt, um einzelbetriebliche Stärken und Schwächen zu ermitteln. Im Rahmen des Interreg-Projektes IIIA wurden Obstbaubetriebe in Deutschland und der Schweiz verglichen. Da in Österreich nur wenige Betriebe an diesem Vergleich mitmachen, wurden diese nicht mitgezählt. Diese Untersuchungen zeigen, dass in der Schweiz trotz deutlich geringerer Betriebsgrösse und hohen Produktionskosten bessere Gewinne als in Deutschland erzielt werden können. Büchele sieht die Gründe im höheren Erzeugerpreisniveau und der staatliche Unterstützung. Zudem schätzen die Schweizer Bürger regionale Produkte im höheren Masse als die Deutschen. Doch warnt er, dass Direktzahlungen den Strukturwandel verhindern. Er nannte sie «schleichendes Gift». Deutsche Produzenten stehen vor dem Problem von nicht kostendeckenden Erzeugerpreisen. Zudem ist der Druck der Konkurrenz innerhalb der EU sehr stark. Gemüse Auch bei Gemüsebaubetrieben wird die wirtschaftliche Situation der Betriebe verglichen. So sollen Erfolgspotenziale erkannt und Konzepte zur Optimierung der Situation erarbeitet werden. Ein akutes Problem für die Gemüseerzeuger ist das historische Preistief 2004. Die Preise für Gemüse sind auf einem derart niedrigen Niveau angelangt, dass speziell auf deutscher Seite in vielen Fällen nicht mehr kostendeckend produziert und vermarktet werden konnte. Auch der auf den regionalen Absatz spezialisierte Grosshandel konnte sich der negativen Preisspirale nicht entziehen. Dieser Effekt konnte in der Schweiz durch den wirksamen Aussenschutz zwar etwas abgefedert werden, wirkt sich allerdings letztlich auch bei uns aus. Wie für den Obstbau wird für den Gemüsebau eine elektronische Beratungsplattform aufgebaut. Finanzierung Das Gesamtfinanzvolumen von Interreg IIIA sind rund 42,4 Millionen Euro. Dieser Betrag wird von Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie einigen privaten Geldgebern finanziert. Nach Interreg IIIA ist das Projekt Interreg IV geplant. Die Teilnehmer hoffen, das erarbeitete Wissen auch in andere Regionen übertragen zu können. (uhu) |
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