Ausgabe Nummer 8 (2008)
Zwei Seuchen beschäftigen die Rindviehhalter
Thurgauer Bauern liessen sich in Hüttwilen informieren
Die Rindviehhalter sind in diesem Jahr mit der Ausrottung der BVD sowie mit der Bekämpfung der Blauzungenkrankheit gefordert. Rund 50 Landwirte im westlichen Thurgauer Kantonsteil liessen sich informieren.Gleich vier Agro-Beratungsringe im westlichen Kantonsteil luden kürzlich gemeinsam zu einem umfassenden Informationsabend zu den Themen Blauzungenkrankheit und BVD-Ausrottung nach Hüttwilen ein. Diese beiden Tierseuchen werden die Rindviehhalter beschäftigten, zeigte sich Christian Senn vom Thurgauer Veterinäramt überzeugt. Der erfahrene Tierarzt machte aber bereits zu Beginn deutlich, dass Tierseuchen über Jahrhunderte hinweg immer wieder ein Thema waren. Maul- und Klauenseuche oder auch die Tollwut führten zu grossen Schäden. Immer wieder glaubte man, diese durch neue Bekämpfungsmöglichkeiten ausrotten zu können, was bekanntlich bis heute nicht gelang und ein Wunschtraum blieb.
Die Blauzungenkrankheit ist in der Schweiz erstmals im vergangenen Jahr festgestellt worden und gilt als hoch ansteckende, aber für den Menschen völlig ungefährliche Seuche, führte Senn aus. Man kennt heute bereits 24 verschiedene Virustypen, welche zur Erkrankung führen. Nur gerade für einen ist aber ein wirkungsvoller Impfstoff vorhanden. Diese Seuche ist vor allem für Rinder, Ziegen, Schafe und auch Wild gefährlich und wird durch sehr kleine Mücken übertragen. Bei Schafen lässt sich die Krankheit sehr gut feststellen, betonte Senn. Aufgeschwollene Nüstern, Nasenfluss oder im Extremfall eine blaue Zunge sind einige der Merkmale. Beim Rind sind die Krankheitssymptome an einem Tränenfluss oder Rötungen erkennbar. Weiter führt diese Krankheit zu offenen Stellen und Krustenbildungen am Flotzmaul, zeigt sich durch Speichelfluss oder am Übergang vom Huf auf das Bein. Die Einschleppung dieser Krankheit mit Ursprung Afrika erfolgte nicht etwa von Süden aus, sondern von Norden und kam durch Deutschland und Frankreich bis in die Schweiz. Ein milder Winter ermöglicht, dass die spezielle Mückenart, welche die Krankheit überträgt, überleben kann. Eine Ansteckung direkt von Tier zu Tier ist aber nicht möglich. Eine eigentliche Ausrottung erachtet Senn als unmöglich. Präventive Massnahmen können mit dem möglichen Ausschalten von Lebensbedingungen für Fliegen erfolgen. Ein eigentlicher Schutz kann aber nur mit dem Impfen der Tiere gewährleistet werden. Bereits hat der Bundesrat den notwendigen Impfstoff bestellt, doch eine eigentliche Strategie für den Einsatz ist bis heute nicht bekannt. Gemäss Senn werden aber verschiedene Szenarien diskutiert, um ge- gen eine mögliche Ausdehnung gewappnet zu sein.
BVD-Ausrottung beginnt im Frühling
Konkret steht in diesem Jahr die Ausrottung der Viruskrankheit BVD an, wobei der eigentliche Startschuss landesweit am 1. Oktober erfolgt. Senn rief in Erinnerung, dass diese Seuche bei den Rindviehhaltern jährlich Schäden in Millionenhöhe verursacht. Werden Rinder ab dem zweiten bis vierten Trächtigkeitsmonat durch den entsprechenden Virus angesteckt, so geht dieser direkt auf den Kälberfötus über. Diese kommen dann mit dem Krankheitserreger auf die Welt und gehen vielfach ein oder entwickeln sich nur sehr schlecht. Um diese Krankheit auszurotten, müssen jetzt alle PI-Tiere, welche diese Krankheit tragen, ausgemerzt werden. Der Test, ob ein Tier positiv oder negativ ist, erfolgt über eine Gewebeprobe aus dem Ohr. Fällt diese negativ aus, so ist das Tier ein Nichtträger. Ist die Probe aber positiv, so wird nach 15 Tagen eine Blutprobe entnommen. Zeigt auch diese den Träger an, so müssen diese Tiere dem Schlachthof zugeführt werden. Die Probeentnahme erfolgt mit einer Ohrmarkenzange. In das gestanzte Loch wird zugleich eine weitere Ohrmarke eingesetzt. Das Erfassen der Tiere erfolgt über die Tierverkehrsdatenbank (TVD). In einer ersten Phase müssen nun alle Kälber, Rinder und Kühe, welche ihren Sommer auf einer Alp oder einem anderen Aufzuchtbetrieb verbringen werden, bereits im kommenden Frühling getestet werden. Mit dieser vorgängig durchgeführten Massnahme will man erreichen, dass während der Alpzeit keine Ansteckungen von ungeborenen Kälbern erfolgen können, betonte Senn. Entsprechend werden jetzt jene Rindviehhalter ersucht, welche Tiere sömmern werden, sich frühzeitig zu melden, sodass die Tests frühzeitig erfolgen können. Alle übrigen Bestände werden während des Zeitraums Oktober bis Dezember lückenlos getestet. Während dieser Zeit bestehen strenge Vorschriften und Einschränkungen beim Verstellen von Tieren. Die Probeentnahmen erfolgen durch Landwirte, welche gemäss Senn entsprechend für diese anspruchsvolle Aufgabe ausgebildet werden.
Roland Müller

Christian Senn vom Thurgauer Veterinäramt zeigte praxisnah Krankheitsbilder und Bekämpfung auf. (RoMü)
