Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Januar 2018


Zwetschgenanbau, wo stehen wir heute?

Ausgabe Nummer 19 (2016)

Während bei den Kirschen in den letzten Jahren durch die Einführung von neuen Unterlagen, Sorten und Anbauformen eine deutliche Steigerung der Produktion stattfand, stagniert der Anbau von Zwetschgen. Bei dieser Obstart spielt der Anbau auf Hochstämmen auch heute noch eine nicht unbedeutende Rolle. Dies macht sich jeweils in guten Zwetschgenjahren auf dem Markt bemerkbar, indem die angelieferten Mengen die Ernteschätzung in der Regel übertreffen. Im Thurgau ist der Zwetschgenanbau sehr kleinstrukturiert. Dies sollte sich ändern, um für die künftigen Anforderungen des Marktes gerüstet zu sein.

Zwetschgenanbau in der Schweiz
Wie die Grafik 1 zeigt, ist die Zwetschgenanbaufläche der Zwetschgenkulturen ziemlich gleichmässig auf Kantone mit Obstbau verteilt. Dies wiederspiegelt jedoch den Anbau nicht richtig, da noch ein grösserer Anteil Früchte aus dem Feldobstbau stammt. Die Kirschessigfliege könnte in diesem Bereich den Wandel hin zu Zwetschgenanlagen beschleunigen, da die Bekämpfung auf Hochstämmen zwar möglich, aber erschwert ist.

Zwetschgenanbau im Kanton Thurgau
Wie die Grafik 2 zeigt, sind die Betriebsstrukturen für heutige Verhältnisse alles andere als marktkonform. Von 125 Thurgauer Betrieben sind Zwetschgenanbauflächen registriert. Alle diese Betriebe zusammen bewirtschaften gerade mal 35,51 ha Zwetschgenkulturen, also im Durchschnitt knapp 30 Aren. In Wirklichkeit ist der Anbau aber noch viel kleinstrukturierter, haben doch 80 Betriebe weniger als 30 Aren Zwetschgen.

Problematik der Sharka
Sharka ist eine Viruserkrankung, welche nebst Zwetschgen auch Aprikosen befällt. Sharka verursacht an allen Pflanzenteilen Schäden und die Früchte lassen sich nicht mehr verkaufen. Die Schweiz hat vor den 1970er-Jahren Sharka getilgt und galt im internationalen Kontext danach als frei von Sharka. Als ab 1996 der Import für Steinobstbäume durch den Bund erlaubt wurde, brachten dann leider die importierten Bäume auch die Sharka wieder mit. Mittlerweile wurde das damalige Sortenspektrum (Zimmers, Bühler und Fellenberg) den Marktbedürfnissen angepasst. Das Problem der Sharka ist aber geblieben. Da die Probleme mit Sharka auch im Ausland sehr gross sind, wurden die Züchtungsziele bei Zwetschgenunterlagen auf Hypersensibilität ausgerichtet und neue Sorten sollten resistent oder zumindest tolerant sein. Hypersensible Veredlungsunterlagen stossen das veredelte Edelreis ab, wenn dieses Sharkaviren enthält.
Drocera 6 ist heute die erste Unterlage im Handel, welche diese Eigenschaft aufweist. Auf dem Steinobst- Versuchsbetrieb Breitenhof von Agroscope stehen weitere Typen im Test. Die Wuchsstärke dieser Unterlage entspricht etwa der gleichen Stärke wie St. Julien A und den heute gängigen Wangenheim Unterlagen Wavit und Waxwa. Bei hypersensiblen Sorten werden durch Sharka infizierte Zellen sofort abgekapselt und sterben ab. Noch sind bei uns weder hypersensible Unterlagen noch Sorten im Anbau. Da jedoch die heute gängigen Sorten und insbesondere die Hauptsorte Fellenberg sehr anfällig ist auf Sharka, braucht es längerfristig eine Anpassung der Unterlagen und der Sorten. Solange Obstbäume und Veredlungsunterlagen importiert werden, besteht immer die Gefahr, dass Sharka mitkommt und sich auch unerkannt im Umfeld von Steinobstanlagen bei Schwarzdorn einnistet.

Problem der Kirschessigfliege
(Drosophila suzukii)
Für das in den letzten 4 Jahren neu aufgetretene Problem gibt es noch nicht auf alle Fragen eine Antwort. Bei Zwetschgen wurde wie bei den Kirschen in den letzten Jahren Befall festgestellt. Das Ausmass war jedoch weit geringer als dies bei den Kirschen der Fall war. Vermutet wird, dass die dickere Haut der Zwetschgen eine gewisse Barriere bei der Eiablage darstellt.
Auch bei den Zwetschgen gibt es aber Sortenunterschiede. Solche Fragen sind gegenwärtig in der Forschung in Bearbeitung. Wir gehen davon aus, dass die Bekämpfung der Kirschessigfliege besser gelingt als bei Kirschen.

Witterungsschutz?
Zwetschgen werden bisher noch ohne Witterungsschutz produziert. Der Druck bei den Rückständen von Pflanzenbehandlungsmitten (Mehrfachrückstände) auf Früchten wächst jedoch generell. Mit Witterungsschutz können die Massnahmen im Pflanzenschutz in positiver Weise beeinflusst werden. Verwirrungstechnik gegen den Pflaumenwickler funktioniert heute oft nicht, weil die Parzellen zu klein sind. Unter Netz oder Folie geht das viel besser. Auch die Gefahr von Monilia ist geringer und die Blüte könnte mit Witterungsschutz auch besser vor Frost geschützt werden. Wie bei Kirschen ist auch die Liefersicherheit grösser. Die Gefahr von Halswelke zum Beispiel kann minimiert werden. Es ist klar,Witterungsschutz kostet, betrachtet man die Vorteile gesamthaft, sollte man sich diese Investition jedoch überlegen.

Remontierung in Angriff nehmen
Unsere Hauptsorte ist nach wie vor die Fellenberg. In geschmacklicher Hinsicht ist diese Sorte sofern sie ausgereift ist, als Tafelfrucht immer noch fast unerreicht. Bei dieser Sorte gibt es auch früher reifende Typen, welche rund 2 Wochen vor der normalen Fellenberg reifen. Favorisiert werden dabei die Typen «Grässli» und Richards Early. Die früheren Typen profitieren oft von etwas gehobenen Preisen, sind ertragsmässig jedoch etwas tiefer einzustufen. Die Lieferzeiten für diese Sorte lässt sich so um zwei Wochen verlängern. Die Sorte Fellenberg ist betriebswirtschaftlich gesehen eine Sorte, welche nicht immer befriedigt. Nasskalte Blühperioden wirken sich oft negativ auf den Ertrag aus. Bei Optimierung der Kulturführung können einige negative Einflüsse auf den Ertrag ausgeschaltet werden. Nebst Fellenberg haben sich die Sorten Cacaks Schöne, Tegera und Dabrovice neu im Markt etabliert. Frühzwetschgen werden von den Handelspartnern heute kaum mehr gewünscht, weil zu diesem Zeitpunkt noch viele Sommerfrüchte vorhanden sind.
Mit der Sorte Cacaks Schöne beginnt die Zwetschgensaison mit grösseren Marktlieferungen.
Cacaks Schöne ist eine grosse, Zwetschge mit früher Blaufärbung und relativ kurzem Erntefenster von rund einer Woche. Die schön blaue Farbe verleitet oft dazu, die Früchte zu früh zu ernten. Der Wuchs ist eher schwach und die Erträge sehr gut. Bei optimaler Reife eine Zwetschgensorte, welche sowohl für den Frischkonsum als auch für das Backen verwendet werden kann. Die erste Baumgeneration dieser Sorte sollte jetzt massvoll ersetzt werden. Tegera ist eine frühreifende mittelgrosse Zwetschge mit gutem Aroma. Die Fruchtbarkeit ist gut, der Baum beruhigt sich nach einer ersten Wachstumsphase relativ schnell, ist jedoch nicht so gut mit Fruchtholz garniert wie Cacaks Schöne. Die Sorte Dabrovice ist erst am Aufkommen. Im Ausland wurde diese Sorte wenig beachtet. Die in geschmacklicher Hinsicht ausgezeichnete Sorte entspricht jedoch dem hohen Standard der Fellenberg. Dabrovice ist ein guter Träger mit mittelstarkem Wuchs. Der Reifezeitpunkt liegt knapp vor den frühen Fellenbergtypen. Zu weiteren Sorten gibt es auf dem Homepage von Agroscope auf www.obstsorten.ch unter dem Titel «Sorten und Unterlagenbeschreibungen » Sortenblätter, welche diverse andere Zwetschgensorten gut beschreiben. Für die Direktvermarktung eignen sich auch andere Sorten, für den Grosshandel empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit dem Abnehmer.

Pflanzsystem auf Maschinenschnitt ausrichten?
Heute sind selbst Niederstammbäume oft noch recht grosskronig. Dies ist möglich, weil die Flächen klein sind und daher etwas mehr Schnittaufwand nicht ins Gewicht fällt. Bei grösseren Flächen ist dies aber sehr wohl ein Kriterium, welches beachtet werden sollte. Nebst den hohen Personalkosten bei der Ernte und der Fruchtausdünnung ist der Schnitt der Bäume der grösste Kostenfaktor. Versuche mit Maschinenschnitt und Engpflanzungen scheinen auch bei dieser Obstart möglich. Kombiniert mit mechanischer Fruchtausdünnung lassen sich die Kosten drücken, so dass die Wirtschaftlichkeit optimiert wird.


BBZ Arenenberg,
Urs Müller



















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