Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Zwischen Anbautechnik und Zuckermarkt

Ausgabe Nummer 22 (2017)

BBZ Arenenberger Zuckerrübentreff in Tänikon

Die Thurgauer Zuckerrübenproduzenten stehen unter Druck. Sehr viele traditionsreiche Zuckerrübenproduzenten geben den Zuckerrübenanbau auf, seit die Kostendeckung wegen des Zuckerpreiszerfalls kaum mehr gegeben ist. Für die Zuckerrübenfabrik in Frauenfeld ist die Abnahme der Anbaubereitschaft ein ernsthaftes Problem. Um die Auslastung der Fabrik sicherzustellen werden darum vermehrt Zuckerrüben aus Deutschland und Österreich verarbeitet. Das BBZ Arenenberg möchte diesem Trend entgegenwirken und hat darum mit dem «Arenenberger Zuckerrübentreff » einen Anlass geschaffen, an dem sich Thurgauer und Ostschweizer Zuckerrübenproduzenten vernetzen und über aktuelle Trends im Zuckerrübenanbau informieren können. Auf dem Arenenberger Versuchsbetrieb Tänikon nutzten am letzten Dienstag rund 50 Produzenten diese Gelegenheit.

Mit Thomas Anken, Leiter Anbautechnik Agroscope, Andreas Bertschi, Fachstelle Zuckerrübenanbau, und Daniel Fröhlich, Beratung für biologischen Pflanzenbau BBZ Arenenberg, stellte Viktor Dubsky, Ackerbauberatung BBZ Arenenberg, den rund 50 Zuckerrübenbauern kompetente Referenten vor. Christian Schenk, Leiter Pflanzenbau in Tänikon, sowie Matthias Hatt von der Agroscope, demonstrierten den Einsatz eines Hackgeräts mit Bandspritze und referierten über die Praxiserfahrung mit dem Gerät. Gleich zu Beginn präsentiert Viktor Dubsky die Versuchsflächen und die Demonstrationsvarianten. Damit stellte er auch die Ziele dieses «Zuckerrübentreffs » vor: Mit verfahrenstechnischen Optimierungen sollen Rübenproduzenten auf Wege zur Kosteneinsparung hingewiesen, aber vor allem auch Perspektiven aufgezeigt werden, wie ein Mehrpreis für die Rüben erzielt werden könnte.

IP Produktion baut auf Ressourceneffizienz
Wie Andreas Bertschi bei der Vorstellung seiner Versuchsflächen mit verschiedenen Mitteln- und Pflegevarianten zeigen konnte, werden mit dem von der Zuckerrübenfachstelle empfohlenen Pflanzenschutzmassnahmen Erfolge erzielt. Unter Einbezug der weiteren Stärkung des Standards der Integrierten Produktion (IP), welche Anpassungen des Ressourceneffizienzprogrammes des Bundes nutzt, und mit höheren Beiträgen des Bundes abgegolten wird. Dabei muss zum Teil auf bewährte, aber wieder «neu in Mode gebrachte» Techniken, wie das gezielte Ausbringen von Herbiziden im «Pflanzenband» und das Hacken zwischen den Reihen, zurückgekommen werden. Wie der Versuch in Tänikon übrigens zeigte, stehen die jungen Rübenpflanzen, welche mit dem Reihenhackgerät behandelt wurden, um einiges frohwüchsiger im Feld.

Bewährte Verfahren mit modernster Robotertechnik
Um die bewährten Verfahren wie Bandspritzen und Hacken zwischen den Reihen abzulösen, kommt die Robotertechnik immer öfters in den Praxiseinsatz. «Wohl hat der vollautomatische Unkrauthackroboter noch einige Kinderkrankheiten, doch bald wird diese Technik erwachsen sein!», so die Äusserungen von Thomas Anken, Spezialist bei satellitengestützter «Smartfarming»-Technik. Dabei präsentierte Anken bereits sehr gut funktionierende, mit lichtschranken-, beziehungsweise kameragesteuerten Hackgeräten, welche in Kombination mit beispielsweise GPS-gesteuerten Traktoren, sowohl längs in der Reihe wie auch quer dazu, sehr exakt arbeiten. Dieses Verfahren ist bei Feldfrüchten mit hoher Wertschöpfung, wie beim Gemüsebau, jetzt schon im Einsatz. Wie bereits bei anderen Veranstaltungen orientierte Thomas Anken die anwesenden Rübenbauern über das heikle Thema des Pflanzenschutzmitteleinsatzes. Dabei brachte er die hängigen, politischen Initiativen zur Sprache, welche national zum Ziel haben, die Pflanzenschutzmittelrückstände PSM in den Gewässern auszumerzen. Dabei wird seitens der Initianten mit den Landwirten nicht zimperlich umgegangen, wie die Plakatkampagnen und Pressemitteilungen der Umweltverbände der letzten Wochen und Monate zeigten. «Jeder Anwender von Pflanzenschutzmitteln ist für die sorgfältige Ausbringung und die sorgsame Reinigung der Geräte selbst verantwortlich. Nur so kann den politischen und medialen Vorstössen entgegengewirkt werden!» ruft Anken den Praktikern zu.

Rübenbau auch bei Bio-Betrieben eine Chance?
Noch ist die Schweizer Bio-Rübenfläche bescheiden. Bei einer Zielgrösse von 12 000 Tonnen Schweizer «Bio-Zuckerrüben» werden zurzeit nur gerade 292 Tonnen produziert. Darum verarbeitet die Zuckerfabrik Frauenfeld einen wesentlichen Teil an «Bio- Rüben» aus dem süddeutschen Raum. «Und dies, obwohl die EU nicht so strenge Auflagen für ‹Bio› hat wie die Schweiz!», war aus Reihen der Teilnehmer zu hören. Tatsächliche kann auf den EU-Bauernhöfen sowohl «Bio» wie «Konventionell» auf demselben Betrieb angebaut werden. In der Schweiz muss inklusive der zweijährigen Umstellzeit der ganze Betrieb nach den Anforderungen des «Biologischen Landbaus» bewirtschaftet werden. Speziell im Anbau von Bio-Zuckerrüben wird der Mehrpreis durch den enormen Handarbeitsaufwand für die Unkrautbekämpfung weggefressen. Daniel Fröhlich stellte die Kosten/Ertragskalkulation vor. Dabei nannte er einen Mehrpreis von Fr. 30.– pro Tonne als Zielgrösse. Mit verbesserter maschineller Hacktechnik (wie von Robotern) kann ein wesentlicher Kostenteil reduziert werden, sofern sich die Maschinenkosten günstiger rechnen lassen. Auch stellte der Bioberater Fröhlich einen Zuckerrübenanbauversuch mit selbstzersetzender Folie vor. Dieser Demoversuch geht ebenfalls in die Richtung Bio-Rübenproduktion und soll schlussendlich die Handarbeit reduzieren. In dieser Folienparzelle wurden die Rüben von einem Praktiker aus Süddeutschland mit einer Spezialsämaschine gesät. Was die Süddeutschen und Südfranzosen mit der Rübenfolien-Anbautechnik bereits erprobt haben, kann uns eigentlich nur zu Nutzen kommen! In diesem Sinne ist dieser innovative Versuch positiv zu werten, auch wenn er im Detail noch Kinderkrankheiten hat. Bodenfeuchtigkeit halten die Folien bei Trockenphasen auf jeden Fall beachtenswert zurück. Der Moderator Viktor Dubsky konnte beim Abschluss der gelungenen Veranstaltung zusammenfassen: «Der Zuckerrübenbau soll in der Ostschweiz seinen wesentlichen Stellwert behalten oder gar ausbauen. Dazu sind Optimierungen notwendig und technische Fortschritte sind zu nutzen, auch wenn es noch gilt Kinderkrankheiten auszumerzen. Somit will das BBZ Arenenberg zusammen mit der Forschung auf dem BBZ Versuchsbetrieb Tänikon einen Beitrag leisten.


Bernhard Müller



















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